Turbulenzen an Klinik in Stuttgart Die Gründe – deshalb hat sich das Marienhospital von seinen Chefinnen getrennt

Am Marienhospital in Stuttgart gab es Unstimmigkeiten zwischen Geschäftsführung Foto: Lichtgut

Nach der Trennung von seinen beiden Geschäftsführerinnen hat sich das Marienhospital in Stuttgart nun zu den Gründen geäußert – und einen Ausblick auf die Finanzlage gegeben.

Gesundheit für Menschen in Stuttgart: Bettina Hartmann (ina)

Die Trennung kam überraschend, zu den Gründen für die sofortige Ablösung seiner beiden Geschäftsführerinnen Anfang der Woche hatte sich das Marienhospital in Stuttgart zunächst jedoch bedeckt gehalten. Nun haben sich die Genossenschaft der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul in Untermarchtal als Trägerin der Klinik sowie der neue Interimschef Jan Schlenker, Geschäftsführender Partner bei der Managementberatung Borchers & Kollegen, erstmals näher geäußert: „Wir bestätigen, dass es unterschiedliche Vorstellungen über den Veränderungsprozess im Unternehmen in wirtschaftlich fordernden Zeiten und dessen Umsetzung gegeben hat“, teilten sie auf Anfrage unserer Zeitung mit.

 

Unstimmigkeiten gab es offenbar gleich auf mehreren Ebenen: Hinsichtlich der finanziellen Aufstellung des Betriebs – doch auch bei der längerfristigen Ausrichtung der Klinik hat die katholische Ordensgemeinschaft wohl anderes im Sinn als seine bisherigen Leiterinnen Claudia Graf und Bettina Lammers.

Jan Schlenker ist Interimschef am Marienhospital Stuttgart. Foto: Marienhospital

Marienhospital Stuttgart räumt erneutes Defizit ein

Der „sofortige Einsatz eines Interim-Managements“ wurde zudem wohl auch deshalb nötig, da nach verlustreichen Jahren für 2025 mit einem erneuten Defizit gerechnet wird, wie die Klinik einräumt. Rund dreiviertel aller Krankenhäuser im Land schreiben laut Experten rote Zahlen: „Dieser Entwicklung konnte sich auch das Marienhospital nicht entziehen und verzeichnete bereits in den vergangenen Jahren negative Jahresergebnisse.“

Der Jahresabschluss für 2025 liege zwar noch nicht vor: „Er ist in der Erstellung“, so die Trägerin. Klar sei jedoch: „Während einige Abteilungen ihr Jahresziel erreicht oder gar übertroffen haben, gab es Abteilungen mit unterplanmäßiger Entwicklung, so dass insgesamt die geplanten Leistungsmengen im Marienhospital nicht erreicht werden konnten.“ Gleichzeitig hätten die Kosten nicht entsprechend gesenkt werden können. Für das vergangene Jahr sei mit Verlusten auszugehen.

Führungsduo im Marienhospital ist gescheitert

Mit ihrem im Jahresbericht 2024 formulierten Ziel, „eine operative‚ schwarze Null‘ zu erreichen“ sind die jetzt abgelösten Geschäftsführerinnen somit gescheitert. Erst vor zwei Jahren waren die beiden mit Vorschusslorbeeren gestartet. Das Marienhospital Stuttgart schwärmte bei der Vorstellung von einem „dynamischen Duett“, einer „Doppelspitze auf Innovationskurs“ mit viel Expertise und „Mut zu kreativem Denken und Handeln“. Doch das Ruder konnten sie offensichtlich nicht herumreißen – und die Barmherzigen Schwestern zogen die Notbremse.

Ziel und Anspruch der Ablösung sei nun „die nachhaltige Stabilisierung des wirtschaftlichen und strategischen Fundaments unseres Marienhospitals“. Während sich das einstige Führungsduo 2024 gegen eine Sanierung ausgesprochen und stattdessen auf „Restrukturierung“ gesetzt hatte, hat man sich jetzt einen Sanierer ins Haus geholt: Interimschef Jan Schlenker, Arzt, Ökonom und dreifacher Vater, soll die Vinzenz von Paul Kliniken, zu denen neben dem Marienhospital auch die Vinzenz Klinik und die Vinzenz Therme in Bad Ditzenbach sowie die Luise von Marillac Klinik in Bad Überkingen gehören, mit seinem Kollegen Michael Kilb wieder auf Spur bringen.

Marienhospital Stuttgart versichert: Patienten nicht betroffen

Auf ihrer Homepage beschreiben sich Borchers & Kollegen als Spezialisten im Gesundheits- und Sozialwesen. Weiter ist dort zu lesen: „Handeln bevor es zu spät ist“ und „Stabile Seitenlage – Der strukturierte Notfallplan“. Wie die Barmherzigen Schwestern betonen, sei „in einer solchen Situation“ wirtschaftliche Stabilisierung und spezielles Krankenhaus-Know-How notwendig: „Daher haben wir uns für den sofortigen Einsatz eines Interim-Managements entschieden.“

Die Patientenversorgung sei von diesem Prozess „natürlich in keiner Weise betroffen“: „Alle Menschen können sich uns und unserer Fürsorge wie gewohnt anvertrauen“, versichert die Klinik.

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