Trainer Misha Kaufmann mit den Häfner-Brüdern Kai und Max (re.) – zwei seiner Führungsspieler. Foto: IMAGO/Oliver Vogler
Der TVB Stuttgart trägt am Pfingstsonntag gegen Flensburg sein drittletztes Saisonspiel aus. Schon jetzt lässt sich festhalten: Es gab einiges Positives, aber auch manches Negative.
Zwei Partien stehen nach dem Auftritt am Pfingstsonntag (16.30 Uhr/4800 Tickets sind weg) in der Porsche-Arena gegen den Tabellenzweiten SG Flensburg-Handewitt für den TVB Stuttgart noch auf dem Programm. Das Derby bei Frisch Auf Göppingen (3. Juni, 19 Uhr/EWS-Arena) und am letzten Spieltag der Handball-Bundesliga das Heimspiel gegen den HC Erlangen (7. Juni, 15 Uhr). Schon jetzt lässt sich festhalten: Der TVB, aktuell Zwölfter mit 22:40 Punkten, wird mit einer Platzierung im unteren Mittelfeld durchs Ziel gehen. Es besteht keine Abstiegsgefahr, aber auch keine Chance mehr auf einen einstelligen Tabellenplatz.
Im Jahr eins unter dem neuen Trainer Misha Kaufmann gab es Höhen und Tiefen mit einigen Auffälligkeiten. Dieses Fazit lässt sich jetzt schon ziehen.
Das Entscheidende vorneweg: Es muss nicht gezittert werden. Ein Herzschlagfinale wie in der vergangenen Saison, als der TVB erst am letzten Spieltag den Klassenverbleib mit einem Punkt Vorsprung auf die SG BBM Bietigheim perfekt machte, konnte frühzeitig ausgeschlossen werden. Obwohl es nach dem großen Umbruch im vergangenen Sommer und einem komplett neuen Spielkonzept bei 4:18 Punkten gar nicht gut aussah.
Schweikardt blieb ruhig
Dennoch verlor im November 2025 keiner die Nerven, allen voran blieb der Geschäftsführer ruhig: „Unser Start war von vielen Veränderungen und unglaublichem Verletzungspech geprägt. Deutliche Entwicklungsschritte spürten wir dennoch auch schon damals“, begründet Jürgen Schweikardt.
TVB-Coach Misha Kaufmann vor der Saison im Gespräch mit unserer Redaktion. Foto: Pressefoto Baumann
Positiv stach von Anfang an das dynamische, temporeiche Angriffsspiel mit vier Rückraumspielern heraus. Zwei Spieler verdienten sich dabei ein Sternchen: Kai Häfner und Simone Mengon. Kai Häfner ist mit 254 Treffern hinter Welthandballer Mathias Gidsel Zweiter der aktuellen Bundesliga-Torjägerliste. Obwohl er erst im Alter von 36 Jahren begann, Siebenmeter zu werfen, ist er mit 124 verwandelten Strafwürfen Ligaspitze. Der italienische Nationalspieler Simone Mengon reißt mit seinen überragenden Eins-gegen-eins-Qualitäten Lücken und schafft Räume für die Mitspieler wie wenig andere auf diesem Niveau.
Ebenfalls auf der Plus-Seite einzuordnen ist der mutige Einbau der Nachwuchskräfte Max Heydecke und Linus Schmid. Kaufmann scheute sich nicht, die beiden 19-Jährigen ins kalte Wasser zu werfen.
Was auf sportlicher Seite negativ auffällt: die Auswärtsschwäche. In den bisherigen 16 Spielen in fremden Halle gab es nicht einen Sieg, sechsmal gelang es, immerhin einen Punkt zu entführen.
Baustelle Abwehr/Torhüter
Ebenfalls unstrittig: Mit der Stabilität im Angriff kann die Defensive nicht mithalten. Häufig trugen zwar zwangsläufig wechselnde Formationen in der Abwehr zur Unsicherheit bei, davon unabhängig gibt es in der Deckung zweifelsohne das größte Steigerungspotenzial. Und zwar im Paket mit den Torhütern, die allesamt, über die Strecke hinweg gesehen, kein Faktor waren und die Konstanz vermissen ließen. Ob sich dies durch den Wechsel von Mohamed El-Tayar (HSV Hamburg) für Miljan Vujovic (zu RD Slovan Ljubljana) in der neuen Saison großartig ändert, bleibt – um es vorsichtig zu formulieren – abzuwarten.
Nach schwierigem Start im Spätsommer und Herbst hat sich die Zuschauerresonanz sehr gut entwickelt. Der Schnitt in der Porsche-Arena liegt bei 5013, was Platz acht in der Bundesliga-Besuchertabelle bedeutet. Auch in Sachen Sponsoring legt der TVB permanent zu. Zuletzt sorgte der Einstieg von Turkish Airlines für Aufsehen. Auch Schweikardt sagt: „Eine solch prominente Marke tut auch unserem Image gut.“
Etat geht Richtung zehn Millionen Euro
Die ständige wirtschaftliche Entwicklung ist das Produkt guter Arbeit des Geschäftsführers und seines Teams. Dass der künftige Saisonetat nach Informationen unserer Redaktion auf die zehn Millionen Euro zugeht, will Schweikardt nicht kommentieren, zumal die Kostenstrukturen an den unterschiedlichen Bundesliga-Standorten nicht vergleichbar seien.
Was nichts daran ändert: Der TVB sollte im zweiten Kaufmann-Jahr nicht nur finanziell, sondern auch sportlich weiter nach oben klettern. Folgende Neuzugänge stehen für dieses Unterfangen neben El-Tayar definitiv fest: Mohamed Amine Dormoul (MT Melsungen), Philipp Meyer (ThSV Eisenach), Dario Sainz (Abanca Ademar Leon), Malte Donker (GWD Minden) und nach Informationen unserer Redaktion auch Philipp Ahouansou (HSG Wetzlar) als Nachfolger von Lenny Rubin (Ziel unbekannt).