Ein Notfallsanitäter aus dem Rems-Murr-Kreis erhält die Schock-Diagnose Blutkrebs. Seine Kollegen starten nun eine Aktion, die ihm und anderen Betroffenen eine Chance geben soll.
Er ist einer von denen, die kommen, wenn es brennt, wenn Sekunden zählen, wenn Leben kippen. Dominik Kunzmann, Notfallsanitäter aus dem Rems-Murr-Kreis, hat fast zwei Jahrzehnte lang genau das getan: retten, stabilisieren, Hoffnung geben. Jetzt liegt die Hoffnung bei anderen.
Wie der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) mitteilt, ist der 44-Jährige an akuter lymphatischer Leukämie erkrankt – Blutkrebs. Eine Diagnose, die nicht nur ihn, sondern auch seine Familie und Kollegen aus der Bahn wirft. Der Alltag, einst geprägt von Sirenen und Einsatzfahrten, ist zum Stillstand gekommen. Statt Rettungswagen: Klinikzimmer. Statt Routine: Ungewissheit.
Schockdiagnose Leukämie: 44-Jähriger plötzlich selbst Patient
Es begann schleichend: Atemnot, Kopfschmerzen, ein diffuses Krankheitsgefühl. Symptome, die man im stressigen Alltag vielleicht noch wegschiebt. Doch diesmal blieb keine Zeit für Verdrängung. Nach einer Notfallbehandlung steht fest: Leukämie. Ein Wort, das alles verändert.
Kollegen beschreiben den Moment als „gigantischen Schock“. Seitdem kämpft Dominik – mit Chemotherapie und Bestrahlung, mit Hoffnung und Rückschlägen. Sein Körper habe sich vorerst stabilisiert, er konnte die Klinik verlassen, teilt sein Arbeitgeber mit. Doch klar ist: Ohne eine passende Stammzellspende bleibt die Perspektive unsicher.
Stammzellspender dringend gesucht: Weltweite Suche bislang ohne Treffer
Die Suche nach einem geeigneten Spender gleicht einer globalen Nadel-im-Heuhaufen-Suche. Entscheidend sind genetische Gewebemerkmale, sogenannte HLA-Typen. Sie müssen nahezu identisch sein. Weltweit sind Millionen registriert, doch für Dominik wurde bislang kein Match gefunden.
Deshalb organisiert das DRK gemeinsam mit der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) eine Typisierungsaktion. Am Samstag, 18. April, öffnet die Rettungswache in Backnang dazu ihre Türen. Zwischen 12 und 17 Uhr können sich gesunde Menschen zwischen 17 und 55 Jahren registrieren lassen. Ein Wattestäbchen genügt, ein kurzer Abstrich aus der Wangenschleimhaut. Minuten, die Leben verändern können.
Typisierungsaktion in Backnang: Hier kann jeder helfen
- Datum: Samstag, 18. April
- Uhrzeit: 12 bis 17 Uhr
- Ort: DRK-Rettungswache Backnang, Manfred-von-Ardenne-Allee 7
- Wer teilnehmen kann: Gesunde Menschen zwischen 17 und 55 Jahren
- So funktioniert die Registrierung: Einfacher Wangenschleimhautabstrich mit Wattestäbchen
- Dauer: Nur wenige MinutenZiel: Passende Stammzellspender und -spenderinnen für Dominik und andere Blutkrebspatienten und -patientinnen finden
- Rahmenprogramm: Tag der offenen Tür mit Einblicken in Rettungsdienst und Bevölkerungsschutz
Ein Wattestäbchen kann Leben retten: Chance auf Hilfe
Die Registrierung ist simpel, schmerzfrei und dauert nur wenige Minuten. Und doch steckt darin eine enorme Wucht: die Möglichkeit, einem Menschen eine zweite Chance zu geben. Für Dominik – oder für jemanden irgendwo auf der Welt.
Denn Blutkrebs macht keinen Halt vor Grenzen, Alter oder Lebensplänen. Noch immer warten viele Patienten und Patientinnen vergeblich auf eine passende Spende, obwohl bereits Millionen Menschen registriert sind. Jede neue Person in der Datenbank erhöht die Chance, dass irgendwo zwei genetische Profile zusammenpassen.
Familie hofft auf zweite Chance: Zeit wird zum wichtigsten Faktor
Für Dominik geht es um mehr als medizinische Zahlen. Es geht um Zeit. Zeit mit seiner Frau Jennifer, mit seinen beiden Töchtern. Zeit für Ausflüge, für Sport, für gemeinsame Erlebnisse. Für ein Leben, das plötzlich fragil geworden ist.
Seine Frau beschreibt ihn als Kämpfer. Einen, der nicht aufgibt, der weitermachen will. Der zurück will in den Rettungswagen, zurück zu dem Job, der für ihn mehr Berufung als Beruf ist. „Er möchte noch viel erreichen“, heißt es aus seinem Umfeld.
DRK-Kollegen starten große Hilfsaktion für erkrankten Retter
Auch im DRK ist der Zusammenhalt spürbar. Kollegen, Freunde, Unterstützer mobilisieren, teilen, organisieren. „Unser Kreisverband mit 850 Mitarbeitern und vor allem unsere 200 Beschäftigten der Notfallrettung stehen hinter Dominik“, sagt der DRK-Kreisgeschäftsführer Sven Knödler. Die Botschaft ist klar: Jetzt braucht der Retter selbst Rettung.
„Unser Kreisverband steht hinter Dominik“
Sven Knödler Geschäftsführer des DRK im Rems-Murr-Kreis
Der 18. April soll mehr sein als ein Aktionstag. Er soll ein Wendepunkt werden. Ein Datum, das bleibt – im besten Fall als Beginn einer zweiten Chance. „Lasst uns diesen Tag zu einem legendären Datum machen“, heißt es aus dem Kreis der Unterstützer.
Ein Fall unter vielen: Tausende warten auf passende Stammzellspende
Und doch ist Dominiks Geschichte kein Einzelfall. Sie steht stellvertretend für Tausende, die auf eine lebensrettende Spende warten. Für Familien, die hoffen. Für Leben, die in der Schwebe hängen.
Wer nicht vor Ort sein kann, kann sich auch online registrieren lassen (www.dkms.de/dominik). Ein Set nach Hause bestellen, den Abstrich selbst durchführen – und Teil eines weltweiten Netzwerks werden, das Leben verbindet.
Am Ende ist es eine einfache Entscheidung: Mund auf. Stäbchen rein. Spender sein. Für Dominik. Fürs Leben.