U 13 nach Ditzingen Die Stadtbahn hat Verspätung – und die Stadt kein Geld dafür
Ob die Stadtbahn U 13 einmal zum Ditzinger Bahnhof fährt, ist noch nicht entschieden. Beschlossen hingegen ist ein Halt im Gewerbegebiet. Doch die Pläne verzögern sich.
Ob die Stadtbahn U 13 einmal zum Ditzinger Bahnhof fährt, ist noch nicht entschieden. Beschlossen hingegen ist ein Halt im Gewerbegebiet. Doch die Pläne verzögern sich.
Die Stadtbahn soll eines Tages in Ditzingen halten, das ist das mehrfach artikulierte Ziel des Ditzinger Gemeinderats. Daran zweifelte auch lange Zeit grundsätzlich niemand in der Strohgäu-Kommune. Die Frage war immer nur, wann der erste Zug der neuen Linie auf der Gemarkung hält – ungeachtet der Frage, ob sie bis ins Gewerbegebiet fährt oder doch gleich bis zum Bahnhof.
Zuletzt legte der Chefplaner der Stuttgarter Straßenbahnen AG, Volker Christiani, dar, dass die Stadtbahn wohl nicht vor dem Jahr 2031 das Gewerbegebiet von Ditzingen anfahren wird.
Das schmälert in Ditzingen nicht die Vorfreude auf eine Anbindung der Stadt an das Stadtbahnnetz, vielmehr verschafft diese Verzögerung auch Zeit. Denn entscheidend dürfte für die Ditzinger Verwaltung inzwischen sein, in welcher Form sie sich das Projekt angesichts der schlechten Finanzlage der Kommune überhaupt leisten kann.
„Grundsätzlich steht die Stadtverwaltung einer Verlängerung der Stadtbahnlinie im Sinne der städtebaulichen Entwicklung und der Stärkung der Verkehrsinfrastruktur positiv gegenüber“, sagt der Oberbürgermeister Michael Makurath (parteilos). Insbesondere die zusätzliche Erschließung des bereits bisher durch die S-Bahn angebundenen Gewerbegebiets Ditzingen-Süd mit zahlreichen Beschäftigten böte für die zahlreichen Berufspendler ein deutliches Verbesserungspotenzial.
Aber Makurath sagt eben auch: „Gleichzeitig ist zu berücksichtigen, dass die Finanzierung sowohl der Investitionskosten als auch des laufenden Betriebs für die Stadt Ditzingen unter den derzeitigen Rahmenbedingungen der angespannten Haushaltslage nicht möglich ist.“ Ob und in welcher Form eine bauliche Verlängerung der U 13 nach Ditzingen realisiert werden kann, wird daher wesentlich von der künftigen wirtschaftlichen Entwicklung und der daraus resultierenden finanziellen Leistungsfähigkeit der Stadt zum Zeitpunkt der konkreten Entscheidungsfindung abhängen.
Die Planungen der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) sehen eine 4,8 Kilometer lange Neubaustrecke vor. Sie zweigt ab von der Haltestelle Raststatter Straße am Ortsrand von Stuttgart-Weilimdorf.
Noch muss der Gemeinderat indes nichts entscheiden, denn noch gibt es kein Baurecht. Das Verfahren läuft. Vor einigen Wochen war im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens ein sogenannter Erörterungstermin. Im Verlauf dieses gesetzlich geregelten Genehmigungsverfahrens, das für Infrastrukturprojekte wie Bahn oder Autobahn verpflichtend ist, bestand die Möglichkeit, Einwände vorzubringen.
Laut dem Regierungspräsidium Stuttgart hätten die erhobenen Einwände in drei Themenfelder aufgegliedert werden können: die Trasse und mögliche Alternativen, die Trasse durch den Grünzug sowie die Auswirkungen des Streckenverlaufs auf die Landwirtschaft. Im Mittelpunkt habe aber die Erörterung der alternativen Trassen gestanden, so die Behörde.
Der Bedarf an landwirtschaftlichen Flächen auf Stuttgarter Gemarkung ist groß, was vor allem einen Landwirt auf Stuttgarter Gemarkung in Existenznöte bringen würde. Neun Hektar landwirtschaftliche Fläche könnten den Plänen zufolge insgesamt für die Stadtbahn geopfert werden. Der Planfeststellungsbeschluss wird laut Makurath für Ende des Jahres erwartet, der Förder- beziehungsweise Zuschussbescheid wiederum erst im Laufe von 2027. Da eine Verlängerung nach Ditzingen nach derzeitigem Planungsstand der SSB erst ab 2031 erfolgen kann, haben die Ditzinger bisher in der Finanzplanung auch keine Gelder eingeplant.
Die Kosten werden auf rund 440 Millionen Euro beziffert. 210 Millionen Euro für den Bau der Verlängerung der U 13, dazu 230 Millionen Euro für einen neuen Betriebshof, um die Züge abzustellen. Im Betriebshof ist laut einer Mitteilung an die Ditzinger Räte Platz für 51 Fahrzeuge, davon sind 47 Abstellplätze und vier in der Werkstatt vorgesehen.
Der Bedarf für diese Plätze war der Anlass der Planung einer Stadtbahn für Ditzingen gewesen: Weil der Betriebshof zwar auf Stuttgarter Gemarkung, aber direkt an der Grenze zu Ditzingen gebaut wird, machte Ditzingen die Verlängerung der Stadtbahn quasi zur Bedingung für eine Zustimmung.