Die Sozialverwaltung der Stadt ist intensiv dabei, die vom Bund angekündigten Kürzungen der Mittel für die Jobcenter so gut es geht zu kompensieren. Ziel ist auch, die für Stuttgart wichtigen Sozialunternehmen zu erhalten. Sie organisieren im Auftrag des städtischen Jobcenters und teils mit Finanzierung der Stadt viele Integrationsprojekte. Einer dieser Sozialträger wird künftig womöglich nicht mehr dabei sein: Das Sozialunternehmen Zora hat nach Informationen unserer Zeitung beim Amtsgericht Insolvenzantrag gestellt. Vom Unternehmen selbst, das seit mehr als zwei Jahrzehnten Projekte für benachteiligte Mädchen und Frauen anbietet, war noch keine Stellungnahme zur aktuellen Lage zu bekommen.
Als es im Sozialausschuss des Stuttgarter Gemeinderats am Montag um die Zukunft der sogenannten Arbeitsgelegenheiten (AGH) ging, kam die Rede auch auf 41 dieser Plätze bei dem Frauenunternehmen. Dabei erklärte Sozialbürgermeisterin Alexandra Sußmann, Zora habe diese Plätze bereits „aufgegeben“. Die Entscheidung, ergab die folgende Debatte, sei aber bereits vor dem Bekanntwerden der Sparvorgaben des Bundes erfolgt. Bei der Stadt und beim Jobcenter wird bereits überlegt, wie und bei welchen Sozialträgern man künftig spezielle Fördermaßnahmen für Frauen anbieten könnte.
Die Zora gGmbH ist ein Unternehmen von Frauen für Frauen. Es eröffnet diesen durch Beratung, Beschäftigung und Kinderbetreuung die Möglichkeit der beruflichen und sozialen Integration. Zora steht als Kürzel für Zukunft und Orientierung durch Arbeit und Ausbildung. Seinen Ursprung hat das Sozialunternehmen im Verein „Arbeiterinnen und Arbeiter Selbsthilfe in Stuttgart“ (ASH). Im Jahr 2000 wurde das ASH-Frauenprojekt als Gesellschaft ausgegliedert. Gesellschafterin des Unternehmens ist der „Förderverein Frauenwerke Stuttgart“.
Das Sozialunternehmen mit Sitz an der Stöckachstraße im Stuttgarter Osten macht Frauen bisher ganz unterschiedliche Angebote. Um nur einige zu nennen: Das Unternehmen betreibt für bedürftige Frauen und Familien das Kinderkaufhaus Zorella, wo es Kinderkleidung, Spielzeug, Bücher und andere Artikel rund ums Kind gibt. Im Second-Hand-Kaufhaus des Sozialunternehmens finden Kunden alle möglichen Artikel aus Haushaltsauflösungen und Spenden sowie günstige Kleidung. Und die Zora gGmbH betreibt mit MiniKiZ auch eine eigene Kita.
In der Kreativwerkstatt Zora-Faktur werden Frauen arbeitstherapeutische Beschäftigungsangebote gemacht. Bei Zora können Alleinerziehende eine Teilzeitausbildung machen. Mit dem Projekt Women go digital bietet das Sozialunternehmen Frauen Schulungen zum Thema Digitalisierung an, inklusive Kinderbetreuung. Und das Projekt Plan P richtet sich an Frauen, die aus der Prostitution aussteigen wollen oder ausgestiegen sind und die neue berufliche Wege suchen.