Handgezogene uigurische Nudeln treffen auf Sushi nach den Rezepten des Vormieters. Im Wisal in Untertürkheim setzt der Betreiber auf Neues und Altbewährtes.
Julia Schenkenhofer
29.05.2026 - 17:40 Uhr
Die uigurische Küche feiert ihr Debüt in Stuttgart-Untertürkheim: In den ehemaligen Räumlichkeiten des Restaurants „Sushi Hao“, das dort acht Jahre lang viele Stammgäste begeisterte, hat Abulikemu Abuduwaili das uigurische Restaurant „Wisal“ eröffnet.
„Der ehemalige Betreiber, Herr Hao, hat aufgehört. Eigentlich wollte ich ein Café eröffnen, aber die Räumlichkeiten eignen sich eher für ein Restaurant“, erzählt der gelernte Grafikdesigner Abuduwaili in seinem frisch renovierten Lokal an der Widdersteinstraße, das am 12. Mai Eröffnung feierte.
Abulikemu Abuduwaili in seinem neuen Restaurant. Foto: Schenkenhofer
Etwa zweieinhalb Monate lang haben er und „viele Freunde“ dem Restaurant ein neues Gesicht gegeben. „Wir haben geputzt, gestrichen sowie neue Möbel und Dekoration gekauft“, berichtet er. Heute schmücken handgeknüpfte uigurische Teppiche, Fotografien und Zeichnungen die Wände. In einem Regal stehen Teekannen neben traditionellen Kopfbedeckungen, den sogenannten „Doppa“. „Die werden von Hand gefertigt“, erklärt Abuduwaili und zeigt auf die feinen Stickereien.
Eintauchen in die uigurische Kultur
Die Einrichtung soll das kulinarische Erlebnis im „Wisal“ abrunden. „Man soll hier ganz in die Kultur eintauchen können“, sagt Abuduwaili, der aus Xinjiang im Nordwesten Chinas stammt.
„Ganz in die Kultur eintauchen“ -das geht im Wisal nicht nur dank der Speisen, auch die Einrichtung und Dekoration bringt Gästen die uigurische Kultur näher. Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone
Die uigurische Küche vereine Einflüsse aus Zentralasien und China. „Eigentlich ist sie für alle interessant, die asiatische Küche mögen“, so der Restaurantbesitzer. Besonders bekannt seien die handgezogenen Weizennudeln „Laghman“, die in verschiedenen Varianten serviert werden.
„Göş Laghman hat meine Mutter immer gemacht – für mich schmeckt das nach Kindheit“, erzählt Abuduwaili. Zu den Spezialitäten zählt auch „Korima Laghman“: gebratene frische Nudeln mit mariniertem Rindfleisch, Paprika und einer speziellen Sauce. „Das hat ganz besondere Aromen und ist sehr würzig“, erklärt er.
Sushi-Hao-Tradition lebt weiter
Neben den uigurischen Gerichten – darunter auch Chai- und Safrantee – bietet das „Wisal“ weiterhin eine umfangreiche Sushi-Karte an.
„Bevor Sushi Hao geschlossen hat, habe ich dort drei Monate gearbeitet“, erzählt Abuduwaili. „Herr Hao ist ein hervorragender Sushi-Koch und hatte viele eigene Kreationen auf der Karte. Er hat mir alles gezeigt und mich ausgebildet. Deshalb können wir heute originales Sushi-Hao-Sushi anbieten.“
Darauf sei er besonders stolz. „Sogar die Stammgäste sagen, dass es schmeckt. Manche kommen extra aus Ostfildern, weil sie fanden, dass es bei Sushi Hao das beste Sushi der Stadt gab.“
Unterstützung von Freunden und Kollegen
Nicht nur der ehemalige Besitzer unterstützte den Neustart. „Zwei meiner Freunde sind Köche und kümmern sich um die Küche“, berichtet Abuduwaili. Andere hätten beim Renovieren geholfen oder ihn finanziell unterstützt. Sein bisheriges Fazit zu Umbau und Eröffnung lautet deshalb: „Zum Glück hat man Freunde.“
Auch die Betreiber des bislang einzigen anderen uigurischen Restaurants in Stuttgart, des Yipek Yoli an der Marienstraße, standen ihm mit Rat zur Seite. „Sie waren hier, haben sich alles angeschaut und uns Tipps gegeben. Wir sind keine Konkurrenz, sondern helfen uns gegenseitig“, sagt Abuduwaili.
Der heutige Restaurantbesitzer studierte zunächst Grafikdesign in der Türkei, bevor er nach Deutschland kam und in der Gastronomie Fuß fasste. „Ich habe in verschiedenen Restaurants gearbeitet. Ich kann Pizza backen, war aber auch in traditionellen schwäbischen Restaurants tätig“, erzählt er.
Ein Treffpunkt mit besonderer Bedeutung
Noch sei die uigurische Küche in Deutschland wenig bekannt. „Es gibt nicht so viele Uiguren hier, deshalb ist die Küche noch nicht so verbreitet. Aber es lohnt sich, sie zu probieren. Die Gäste haben uns bisher nur positive Rückmeldungen gegeben“, sagt Abulikemu Abuduwaili stolz.
Sein Ziel sei es nun, Stammgäste des Vorgängers zu halten, neue Besucher zu gewinnen und die uigurische Küche bekannter zu machen. Vor allem aber soll das „Wisal“ ein Ort der Begegnung werden.
„‚Wisal‘ bedeutet ungefähr Treffpunkt oder Zusammentreffen – allerdings mit einer romantischen Note“, erklärt Abuduwaili abschließend. „Und genau so einen Treffpunkt möchten wir hier schaffen.“
Wisal, Widdersteinstr. 3, Stuttgart-Untertürkheim, Öffnungszeiten: Mo, Mi, Do+So 12-21, Di 12-20, Fr 16-22, Sa 12-22 Uhr