Lutz Meschke bleibt bei der Familien-Holding Porsche SE weiter als Vorstand für das Beteiligungsmanagement an Bord. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Die Familien Porsche und Piëch setzen in der Familien-Holding weiter auf den beim Sportwagenbauer entlassenen Finanzvorstand Lutz Meschke. Dort fragt man sich: Wer könnte der neue Kronprinz von Oliver Blume sein?
Als Vize der Porsche AG entlassen, als Vorstand der Familienholding Porsche SE mit neuem Vertrauen ausgestattet: Der lange als Kronprinz gehandelte Manager Lutz Meschke (58) findet sich nach der Ablösung beim Stuttgarter Sportwagenbauer in ungewöhnlicher Lage wieder. Einerseits hat ihm Wolfgang Porsche, Enkel des Firmengründers und Aufsichtsratsvorsitzender von beiden Konzernen, die als einvernehmlich deklarierte Vertragsauflösung beigebracht. Andererseits will der Patriarch ihn bei der Verwaltung des Porsche/Piëch-Vermögens als geschickten Dealmaker nicht missen.
Für Firmenhistoriker dürfte der Februar 2025 zum kurzweiligen Studienobjekt werden. Wie nach langer Erfolgsphase die Krise aufzog, wie sich das bewährte Führungsduo Oliver Blume/Lutz Meschke entzweite – allzu gern wüsste man, was dabei hinter verschlossenen Türen gesprochen wurde. Aufschlüsse aber gibt auch, was öffentlich dokumentiert ist: Offenkundig genießt Meschke weiter das Vertrauen der Familienstämme, auch wenn sie einen alltagsbelastenden Machtkampf beim Sportwagenhersteller nicht weiter dulden wollten – und stattdessen dem VW-und-Porsche-Doppelchef Oliver Blume den Rücken gestärkt haben.
Der Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche rühmt Meschkes Verdienste
Meschke habe „die positive Entwicklung dieses Unternehmens mit hohem Einsatz und strategischem Weitblick entscheidend geprägt und den Börsengang entschlossen vorangetrieben“, ließ Wolfgang Porsche verlauten, als Porsche die Installation von Meschkes Nachfolger Jochen Breckner als Finanz- und IT-Vorstand bekannt gab. Gleichzeitig rühmte die Familienholding Meschkes Erfahrung und Expertise. Sie hätten „wesentlich zum Erfolg der Porsche SE auf dem Weg zu einer diversifizierten Investitionsplattform“ beigetragen. Als Vorstand für das Beteiligungsmanagement seit 2020 habe er unter anderem die Investitionen in Wachstumsunternehmen wie Flix SE (Fernbusse), Waabi (autonom fahrende Lkw) und Quantum Systems (Drohnen) verantwortet und werde weiter „mit voller Kraft die Aktivitäten im Portfoliosegment vorantreiben“.
Jochen Breckner (links) und Matthias Becker rücken in den Porsche-Vorstand auf. Foto: Porsche AG/
In der börsennotierten Holding bündeln die Familien Porsche und Piëch ihre Anteile an Porsche und am VW-Konzern in Wolfsburg, wo sie über 53 Prozent der Stimmrechte verfügen. Was Aufwand und Einkünfte angeht, ist die SE für Meschke zweifelsfrei die Zweitbeschäftigung gewesen. Bei der AG kam er 2023 auf Einkünfte von rund 3,6 Millionen Euro, bei der SE auf 824 000 Euro. Pikant ist, dass er indirekt auch weiter Berührungspunkte mit Porsche und VW haben wird, den wichtigsten Beteiligungen. Ob ihm im Zuge des Revirements diesbezüglich Zurückhaltung nahegelegt wurde, ist nicht bekannt.
Bei der Porsche AG soll es keinen Stellvertreter mehr geben
Oliver Blume ist gleichzeitig VW- und Porsche-Chef. Foto: dpa/Britta Pedersen
Sicher ist hingegen, dass es bei Porsche in Zuffenhausen vorerst keinen stellvertretenden Chef mehr geben wird. Meschke hatte diese aktienrechtlich nicht vorgeschriebene Funktion seit 2015 inne gehabt. Durch die lange Zeit im Führungsgremium (seit 2009), die tragende Rolle beim Börsengang und kraft eigenen Selbstbewusstseins galt er als unumstrittener Statthalter, während Vorstandschef Oliver Blume häufig durch VW absorbiert war.
Der neu formierte und verjüngte Vorstand – zu dem auch Matthias Becker als Nachfolger von Vertriebsvorstand Detlev von Platen gehört – soll die Lücke als Team füllen, heißt es im Unternehmen. Klar ist damit aber auch: Es zeichnet sich derzeit kein neuer Kronprinz ab, der übernehmen könnte, wenn Oliver Blume irgendwann die Doppelrolle aufgeben und sich auf VW konzentrieren sollte. Viele in Zuffenhausen rechnen damit eher früher als später – zunächst aber gilt es, die Absatz- und Ertragszahlen wieder nach oben zu treiben, wozu unter anderem ein großes Sparprogramm aufgelegt wurde. Hinter den Kulissen dürfte der Kampf um die Pole Position längst im Gange sein – nicht nur in Zuffenhausen, sondern auch an anderen Stellen des Multimarken-Konzerns.