Umbruch bei Allianz MTV Stuttgart Das sind die zehn Neuzugänge des Volleyball-Meisters

Mittelblockerin Breland Morrissette wechselt vom SC Potsdam zu Allianz MTV Stuttgart. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Exklusiv: Im Kader von Triple-Gewinner Allianz MTV Stuttgart für die nächste Saison stehen einige junge Spielerinnen mit großem Entwicklungspotenzial. Mittelblock und Zuspiel sind komplett neu besetzt.

Erstmals das Triple gewonnen, dazu die dritte Meisterschaft in Serie und zwei der letzten drei Pokalsiege geholt – es gibt kaum ein Zahlenspiel, in dem die Stuttgarter Volleyballerinnen zuletzt nicht beeindruckten. Besonders bemerkenswert aber ist die Konstanz: Seit 2015 gab es keine DM-Finalserie ohne das MTV-Team. Was beweist, wie gut die Verantwortlichen darin sind, ihren Kader immer wieder zu erneuern und zu verstärken. Es ist eine Qualität, die in diesem Jahr auf eine harte Probe gestellt wird.

 

„Spannender Kader“

Der Umbruch bei Allianz MTV Stuttgart ist so groß wie nie zuvor. Elf Spielerinnen gehen, zehn kommen. Dabei wird die Suche nach Kandidatinnen durch die veränderten Rahmenbedingungen immer schwieriger. Viele Profis wandern in die neue, lukrative US-Liga ab, das verknappte Angebot führt zu (noch) höheren Gehaltsansprüchen.

Gleichzeitig kämpfen jetzt schon viele Bundesligisten um ihre Existenz. „Die Berater haben seit der Coronapandemie ihre Forderungen für ihre Klientinnen teilweise um 50 Prozent erhöht. Diese Entwicklung müssen wir stoppen“, sagt Kim Renkema, die Sportdirektorin von Allianz MTV Stuttgart, neben dem SSC Schwerin der zweite finanziell gesunde Bundesligist. „Auch wir sind limitiert, wenn alle Spielerinnen unseres Kaders mindestens 20 bis 30 Prozent mehr verlangen. Deshalb haben wir als Verein uns ganz bewusst dagegen entschieden, höhere Gehälter zu bezahlen.“

Trotzdem ist Kim Renkema überzeugt, gemeinsam mit Trainer Konstantin Bitter auch für die nächste Saison einen spannenden Kader zusammengestellt zu haben: „Wir scouten enorm viel – und haben etliche Spielerinnen mit großem Entwicklungspotenzial verpflichtet.“

Aus dem Meister-Team übrig geblieben sind die beiden Urgesteine Krystal Rivers (29/Diagonalangriff) und Roosa Koskelo (32/Libera), die in ihre siebte Saison gehen, sowie Außenangreiferin Jolien Knollema (21), der Renkema eine außergewöhnliche Entwicklung attestiert: „Sie hat ihre Annahme unfassbar stabilisiert, im fünften Finalspiel gegen den SSC Schwerin hat sie eine Weltklasseleistung gezeigt.“ Dieses Trio wird nächste Saison das Gerüst der Mannschaft von Trainer Bitter bilden. Hinzu kommt eine zweistellige Zahl an Neuzugängen.

Außenangriff

Mija Siftar (18) wechselt vom französischen Erstligisten Volley Mulhouse zum MTV. Die 1,90 Meter große Slowenin zählt zu den absoluten Toptalenten im europäischen Volleyball. „Technisch muss sie sich noch verbessern“, sagt Renkema, „doch im Angriff hat sie jetzt bereits die absolute Power und deshalb eine riesige Zukunft vor sich.“ Der Bundesligist wollte Siftar schon vor einem Jahr verpflichten, nun ist der Coup gelungen – obwohl sie längst auf dem Zettel italienischer Spitzenclubs steht. „Wir müssen vermehrt auf junge Talente setzen, deshalb freut uns diese Verpflichtung ganz besonders“, sagt die Stuttgarter Sportchefin, „in Mija Siftar und Jolien Knollema haben wir zwei junge Top-Angriffsspielerinnen im Kader.“

Madelyn Robinson (24) kommt ebenfalls aus Frankreich, sie spielte zuletzt beim RC Cannes. Die US-Amerikanerin verkörpert einen Spielerinnentyp, den Renkema mag: eher klein, sehr dynamisch, enorm sprungstark, schlagfertig, in Abwehr und Annahme gleichermaßen stabil. „Sie erinnert an Hester Jasper“, sagt die Kaderplanerin, „ich bin sicher, dass sie uns große Freude bereiten wird – spielerisch, aber auch, was ihren Charakter betrifft.“

Antonia Stautz (30) bringt aus Potsdam nicht nur viel Erfahrung mit, sondern auch den Ruf, als Allrounderin ein echter Stabilitätsfaktor zu sein. Sie soll helfen, den Verlust von Kapitänin Maria Segura Palleres (Karriereende) zu kompensieren. „Sie eins zu eins zu ersetzen, ist unmöglich“, meint Renkema, „andererseits verfügen wir nun auf der Außenposition über eine sehr interessante Mischung. Was die Angriffsstärke angeht, haben wir dazugewonnen, an der Annahme müssen wir sicher hart arbeiten.“

Diagonalangriff

Pauline Martin (22) spielte zuletzt für die Roten Raben Vilsbiburg. Die Belgierin war in der vergangenen Saison Topscorerin der Bundesliga-Hauptrunde, allerdings liefen auch sehr viele Angriffe über sie. Martin gilt als Toptalent, das nun hinter Krystal Rivers weiter reifen und immer dann zuschlagen soll, wenn die US-Amerikanerin eine Pause benötigt. „Sie verfügt über enorm viel Power“, sagt Renkema, die große Hoffnung auf die Linkshänderin setzt, deren Vertrag eine Option auf eine weitere Saison enthält: „Sie könnte die Spielerin sein, die Krystal Rivers irgendwann bei uns ablöst.“

Zuspiel

Britt Bongaerts (zu Galatasaray Istanbul) prägte das Spiel von Allianz MTV Stuttgart in den vergangenen beiden Jahren. Die Niederländerin gleichwertig zu ersetzen, ist kaum möglich. Allianz MTV Stuttgart versucht es deshalb mit einem Duo.

Milana Bozic (23) führte zuletzt Regie beim Bundesligakonkurrenten VC Wiesbaden, sammelte zuvor schon Erfahrungen in Griechenland, Taiwan, Serbien und der Schweiz, Die bosnische Nationalspielerin steht schon seit einem Jahr auf dem Zettel von Allianz MTV Stuttgart und überzeugte anschließend in Wiesbaden durch ihr schnelles Spiel.

Charlotte Krenicky (23) agierte in der vergangenen Saison ebenfalls auf der anderen Seite des Netzes. Die Belgierin zog die Fäden bei Asterix Avo Beveren, einem der Stuttgarter Gegner in der Hauptrunde der Champions League. Sie ist groß, jung, talentiert und hat „gute Hände“ (Renkema). „Natürlich fehlt uns künftig die Erfahrung von Britt Bongaerts“, sagt die MTV-Sportdirektorin, „trotzdem bin ich überzeugt von der Lösung, die wir gefunden haben. Wir brauchen künftig ein schnelles Spiel, doch nicht nur deshalb passt diese Kombination perfekt: Wir haben nun zwei junge Zuspielerinnen, die um die Position im Team kämpfen müssen. Das wird interessant.“

Libera

Florien Reesink (25) von Geneve Volley war bei der EM 2023 die erste Libera im niederländischen Nationalteam. Von den Verantwortlichen in Stuttgart wird ihr zugetraut, beim MTV irgendwann Roosa Koskelo zu ersetzen – weshalb im Vertrag von Reesink die Option auf ein weiteres Jahr verankert ist. „Sie ist mit Blick auf die Zukunft eine sehr interessante Spielerin“, erklärt Renkema, „doch schon nächste Saison werden wir auf der Liberaposition ein sehr starkes Duo haben.“

Mittelblock

Der Mittelblock war dank Eline Timmerman, Monique Strubbe und Kayla Haneline eine feste Größe im MTV-Spiel, zu halten war aus diesem Trio niemand. Weshalb hinter dieser Position aus Sicht der Sportchefin das größte Fragezeichen steht: „Wir kommen von einem sehr hohen Niveau mit drei fast gleichwertigen Mittelblockerinnen. Folglich stehen wir vor einer spannenden Situation: Wir müssen von vorne anfangen, werden Geduld benötigen. Zugleich haben wir wieder ein interessantes Trio, das sehr vielversprechend ist.“

Lucia Varela (20) kommt von Quimper Volley aus Frankreich. Die Spanierin ist erst 20 Jahre alt und mit 1,97 Metern die größte Spielerin im neuen Kader. Sie verfügt über viel Talent, das sie auch im spanischen Nationalteam schon gezeigt hat, muss laut Renkema aber noch „an der Athletik und der Schnelligkeit arbeiten“.

Kelsey Veltman (28) hatte die MTV-Kaderplanerin schon länger im Blick, in der Saison 2020/21 war die Kanadierin beim SC Potsdam aus Sicht von Renkema die beste Mittelblockerin der Bundesliga. Danach ging sie in die Türkei und spielte zuletzt bei OK Zeleznicar in Serbien: „Da stand sie nicht mehr so sehr im Fokus wie früher. Dennoch steckt noch immer sehr viel Potenzial in ihr. Wenn sie an das Niveau ihrer Zeit in Potsdam herankommt, dann ist sie die Blockspielerin, die wir benötigen.“

Breland Morrissette (24) spielte vergangene Saison beim SC Potsdam. Die US-Amerikanerin bringt sehr viel Athletik sowie eine enorme Block- und Abschlaghöhe mit. „Sie hat sehr gute Entwicklungsmöglichkeiten“, meint Renkema, „wir denken, dass sie in kurzer Zeit weitere Sprünge machen kann.“

Damit steht der Mittelblock sinnbildlich für die etwas veränderte Ausrichtung im Kader des Triple-Siegers: Es wurden zuvorderst Talente mit großem Potenzial verpflichtet. „Wir haben bewusst Spielerinnen gesucht, mit denen wir arbeiten und die wir weiterentwickeln können“, sagt Renkema, „denn fertige Spielerinnen zu holen, kann sich in der Bundesliga niemand mehr leisten.“ Am Ehrgeiz des Meisters ändert dies allerdings nichts. Im Gegenteil. „Wir haben weiter den Anspruch, oben anzugreifen“, sagt die Sportchefin, „ob sich ein Team entwickelt, das Titel gewinnen kann, wird sich zeigen. Dafür muss alles zusammenpassen.“

Neuer Co-Trainer

Abgang
Auch an der Seitenlinie gibt es Veränderungen bei Volleyball-Bundesligist Allianz MTV Stuttgart: Co-Trainer Wojciech Kurczynski (34) geht zurück in seine polnische Heimat.

Zugang
Neuer zweiter Mann hinter Cheftrainer Konstantin Bitter wird der Schwede Per-Erik Dalqvist (43). Er war in den vergangenen drei Jahren Chefcoach des schwedischen Erstligisten Engelholm VS und arbeitete einst gemeinsam mit Bitter im Team der Roten Raben Vilsbiburg.

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