Umfrage der Stadt Jeder vierte Einwohner würde Stuttgart gerne verlassen

Stuttgart hat eine hohe Lebensqualität, aber auch Problemthemen wie Wohnen, Verkehr und Sicherheit. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Alle zwei Jahre fragt die Stadtverwaltung die Stuttgarter, was ihnen an ihrer Stadt gefällt und was nicht. Vor allem die gefühlte Unsicherheit wächst. Ärger machen auch E-Scooter.

Alle zwei Jahre fühlt die Stadtverwaltung den Einwohnern auf den Zahn, aktuell sind es 607 000. Wie wird die Lebensqualität empfunden, wie zufrieden oder unzufrieden sind die Stuttgarter mit den Angeboten in der Stadt und den Leistungen der Verwaltung, wo sollte mehr oder weniger Geld ausgegeben werden? Die Stuttgart-Umfrage 2025, erhoben vom 8. April bis zum 30. Juni, zeigt teils erhebliche Verschiebungen gegenüber den Vorjahren auf.

 

Absoluter Tiefpunkt seit 1995

„Leben Sie gern in Stuttgart, wie beurteilen sie die Lebensqualität?“ – Auf diese beiden Kernfragen haben mehr als 4000 Bürger im Alter über 16 Jahre geantwortet. 76 Prozent leben gern in Stuttgart, doch zehn Prozent würden lieber woanders in Deutschland ihre Zelte aufschlagen, sechs weitere Prozent im Aus- und acht Prozent im Umland. Diese Daten bestätigen den 2023 erreichten absoluten Tiefpunkt in der Bindungsfrage, die seit 1995 gestellt wird. Am wohlsten fühlten sich die Einwohner 2007 in Stuttgart. Damals sahen 88 Prozent keinen Grund für einen Ortswechsel, nur fünf Prozent wollten lieber woanders in Deutschland und drei Prozent im Ausland leben. Vier Prozent zog es damals in die Region.

Bei vielen Einzelfragen erweitert das Statistikamt der Stadt das Spektrum der Benotungsmöglichkeiten auf fünf. Die Beurteilungen (sehr gut, gut, mittel, schlecht, sehr schlecht) werden in Punkte (maximal 100 ) umgerechnet. Unter 50 Punkten herrscht mehr Unzufrieden- als Zufriedenheit. Mit 69 Punkten beurteilen die Stuttgarter die Lebensqualität zwar als zufriedenstellend und unverändert gegenüber 2023, doch auch hier nahm seit 2005 (77 Punkte) die Unzufriedenheit zu.

Gefühlte Unsicherheit wächst

Geht man ins Detail, zeigen sich innerhalb weniger Jahre teils starke Verschiebungen. So hat die Zufriedenheit mit der gefühlten Sicherheitslage deutlich abgenommen. Sie erreicht nur 54 statt 59 Punkte, 2019 erhielt sie 67. Gleichzeitig nimmt bei der Frage nach den „größten Problemen“ – hier werden jeweils Prozentwerte angegeben – unter den vorgegebenen Antwortmöglichkeiten die „Unsicherheit auf Straßen“ von 32 (2023) auf 39 Prozent zu, Sicherheit und Ordnung allgemein sind nun für 31 statt 25 Prozent ein Problem in Stuttgart, die „Unsicherheit in öffentlichen Verkehrsmitteln“ wächst von 28 auf 35 Prozent, „Rechtsextremismus“ erfährt einen Sprung von zwölf auf 23 Prozent, und das Problem der „Fremdenfeindlichkeit“ von 14 auf 22 Prozent.

Baustellen und E-Scooter nerven

Viel mehr aber nerven die Stuttgarter nach wie vor zu viele Baustellen und zu hohe Mieten, die nun jeweils 69 Prozent der Befragten ankreuzten, gefolgt von einem mangelhaften Wohnungsangebot (59 Prozent) und zu viel Straßenverkehr (49 Prozent). Falsch abgestellte E-Scooter – dieses Problem wurde neu in die Umfrage aufgenommen – belegten mit 46 Prozent auf Anhieb Platz fünf. Obwohl die Wirtschaft nicht erst seit 2025 schwächelt, wird Armut nur von 18 Prozent (20 Prozent im Jahr 2023) und Arbeitslosigkeit nur von acht Prozent als Problem wahrgenommen. Sie landet auf dem letzten Platz.

Am Ende der Zufriedenheitsskala stehen das Wohnungsangebot (28 Punkte), die Erlebbarkeit des Neckars und die Parkmöglichkeiten in der Innenstadt (je 37). Weniger als 50 Punkte erhalten auch die Lademöglichkeiten für E-Autos (47) und die Situation für Fahrradfahrende (48) , doch beide Werte haben sich gegenüber 2023 um acht und vier Punkte verbessert.

Schlechtes öffentliches Ansehen

Das Ansehen der Stadtverwaltung konnte zweifach bewertet werden. Wie sieht man die Stadtverwaltung selbst, und wie glauben die Befragten, wird die Stadtverwaltung in der Öffentlichkeit gesehen? 54 Punkte gab es bei der persönlichen Frage, womit der Bestwert aus 2015 mit 64 Punkten weit entfernt liegt, die Verwaltung aber um einen Punkt besser abschneidet als 2023. Das öffentliche Ansehen der Verwaltung erhielt nur 45 Punkte, 2015 waren es 59 gewesen. Gefragt nicht nach dem Ansehen, sondern nach der Arbeit der Verwaltung, vergaben die Befragten 48 Punkte, zwei weniger als 2023. Die Leistungen der Bürgerbüros erhielten 46 statt 49 Punkte. Diese Bewertungen seien „Gegenstand der sich in den folgenden Monaten anschließenden Analysen“, heißt es in der Pressemitteilung der Stadt zur Erhebung. Die Wahrnehmung nehme man ernst, man arbeite „in vielen Bereichen mit Hochdruck an einer Verbesserung der Situation“, heißt es.

Falsch abgestellte E-Scooter waren erstmals ein Teil der Umfrage. Foto: IMAGO/imagebroker

Sparen? Für die Bürger kein Thema

In wenigen Monaten muss der Gemeinderat über den Doppelhaushalt 2026/2027 entscheiden. Er sieht sich wegen stark zurückgehender Einnahmen unter einem harten Sparzwang. „Wo könnte man sparen?“, fragte die Stadt. Die Antworten werden den Bürgervertretern kaum helfen, denn die Stuttgarter wüschen sich vor allem höhere Ausgaben. Nur beim Straßenausbau (36 Prozent für einsparen, 25 für mehr Geld ausgeben) und der Stadtbücherei (14 zu elf) überwiegt im Saldo die Einsparfraktion. Auch bei Parkmöglichkeiten, dem Radwegenetz, der Integration von Migranten sowie der Videoüberwachung und der Verkehrsberuhigung in Wohngebieten erreicht der Einsparwunsch Werte von mehr als 20 Prozent. Der Anteil jener, die hier mehr Geld ausgeben wollen, liegt aber jeweils über 30, bei der Videoüberwachung sogar bei 45 Prozent.

An der Umfrage beteiligten sich Stuttgarter ohne deutsche Staatsangehörigkeit nur zu 15 Prozent – laut Melderegister stellen sie 30 Prozent der Bevölkerung. Auch bei den 16- bis 24-Jährigen schwächelte der Rücklauf. Er liegt bei sechs Prozent, ihr Anteil an allen Einwohnern aber bei zwölf Prozent.

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