Mercedes hat in Deutschland rund 85.000 Tarifbeschäftigte. Die haben Anspruch auf die Gewinnbeteiligung. Foto: Sebastian Gollnow/dpa, Rouven Spindler
Die Belegschaft von Mercedes-Benz erhält auch für das Jahr 2025 den Bonus. Wie äußern sich Beschäftigte zur Prämienhöhe? Ein Stimmungsbild vor dem Werk in Sindelfingen.
Der Gewinn von Mercedes-Benz ist 2025 um fast die Hälfte eingebrochen. Er ging auf 5,3 Milliarden Euro zurück. Was die rund 85.000 tarifgebundenen Mitarbeiter des Stuttgarter Autoherstellers in Deutschland aber trotz der negativen Entwicklungen auch in diesem Jahr erhalten werden: ihre Prämie.
Hört man sich vor dem Werkstor 1 in Sindelfingen um, dann kommt die Höhe der Bonuszahlung – diesmal beläuft sie sich auf bis zu 3139 Euro – bei den Mercedes-Beschäftigten, die sich dazu äußern, hauptsächlich gut an.
„Die Leute sind verwundert, dass die Prämie so gut ausgefallen ist“, sagt ein Logistik-Mitarbeiter, der ebenso wie weitere Kollegen anonym bleiben möchte, zu den Reaktionen, die er im Werk wahrgenommen hat. „Es ist ein Nice-to-have“, meint ein weiterer Mitarbeiter zu der Sonderzahlung und fragt: „Was sollen wir uns beschweren?“
Das wäre aus seiner Sicht Jammern auf ganz, ganz hohem Niveau. „Andere bekommen gar nichts“, ist er sich bewusst, dass eine solche Beteiligung an einem Unternehmensgewinn definitiv kein Standard ist. „Es ist eine Wertschätzung, dass der Bonus trotzdem noch ausgezahlt wird“, bezieht sich ein jüngerer Mitarbeiter neben ihm auf die Zahlung inmitten anspruchsvoller Zeiten.
Den Bonus gibt es bei Mercedes seit bald 30 Jahren
Mercedes schüttet seit 1997 jährlich eine Gewinnbeteiligung an seine Mitarbeiter aus. Deren Höhe hängt nicht vom Gehalt ab, sondern wird mit einer Berechnungslogik erfasst. Entscheidend sind der Grad der finanziellen Zielerreichung des Konzerns – gemessen am Betriebsergebnis (Ebit) und dem Zufluss an Liquidität (Free Cash Flow) – und die konsequente Umsetzung der nachhaltigen Geschäftsstrategie.
2022 und 2023: Rekordprämie bei Mercedes
In den vergangenen Jahren brach der Mercedes-Bonus, bedingt durch die Gesamtsituation, deutlich ein. Für 2022 und 2023 zahlte der Autobauer jeweils die bisherige Rekord-Gewinnbeteiligung in Höhe von 7300 Euro aus, für 2024 erhielten die Anspruchsberechtigten noch 5220 Euro.
Nun fällt die Prämie, deren endgültige Höhe noch vorbehaltlich der Feststellung des finalen Jahresabschlusses im März steht, erneut kleiner aus als im Vorjahr. „Ich habe ein bisschen mehr erwartet“, sagt ein Mann, der nur kurz Zeit findet. „Es ist trotzdem in Ordnung“, schiebt er noch nach.
Einer der Zugänge zum großen Mercedes-Werk: das Tor 1 in Sindelfingen Foto: Rouven Spindler
Andere wirken zufriedener mit dem Betrag, der zusammen mit dem April-Gehalt auf den Konten landen wird. „Die Stimmung ist super, weil man über 3000 Euro bekommt“, erzählt einer seiner Kollegen, was die Prämie aus seiner Sicht ausgelöst hat. Er freut sich auch über eine Überraschung seines Arbeitgebers sehr: die Aktie des Autobauers.
Alle anspruchsberechtigten Mitarbeitern werden nämlich anlässlich des 140-jährigen Bestehen des Unternehmens eine Mercedes-Benz-Jubiläumsaktie erhalten. Das Ziel des Herstellers: Er will die Beschäftigten mit diesem Schritt am Erfolg des Konzerns sowie an zukünftigen Dividenden und an der Wertsteigerung der Papiere beteiligen. „Ich bin Kleinaktionär. Für mich ist das super“, sagt der Mann, der an diesem Freitagnachmittag – wie so viele Menschen hier nach dem Schichtwechsel – auf dem Weg ins Wochenende ist.
Mercedes-Mitarbeiter erhalten Jubiläumsaktie
Er empfinde das Aktien-Geschenk als Wertschätzung. Die Überraschung sei gut angekommen. Vielleicht werde sie den ein oder anderen animieren, in Mercedes-Aktien zu investieren, sagt er.
Währenddessen ist das Thema für viele recht unbekannt, wenn die Eindrücke des Logistik-Mitarbeiters, der die Verwunderung über die Prämienhöhe angesprochen hat, stimmen. „Die Leute fragen sich, was sie jetzt damit anfangen sollen“, schildert er seinen Eindruck aus dem Betrieb.
AfD-Wahlkampfaktion mit Weidel und Frohnmaier in Sindelfingen abgesagt
Die Belegschaft stößt rund um den Schichtwechsel am Freitag übrigens nicht auf eine AfD-Wahlkampfaktion vor dem Werkstor 1. Die Veranstaltung in Sindelfingen mit der Bundesvorsitzenden Alice Weidel und dem Landtagswahl-Spitzenkandidaten Markus Frohnmaier sei kurzfristig aus Sicherheitsgründen abgesagt worden, teilt ein Sprecher der Partei gegenüber unserer Redaktion mit. Die AfD-Politiker tauchten dagegen am Freitag in Stuttgart vor dem Mercedes-Werk Untertürkheim auf.