Der Gemeinderat in Renningen (Kreis Böblingen) stimmt einem Nutzungsvertrag von Flächen im Hardtwald für den Bau von Windrädern zu.
Das Interesse war groß bei der Präsentation des Projekts Windenergie in Renningen. Rund 50 Zuhörer kamen am Montagabend zur Gemeinderatssitzung. Im Frühjahr 2024 hatte der Gemeinderat beschlossen, mit den Stadtwerken Tübingen in Kooperation mit der ABO Energy einen Windpark zu errichten, wie der Erste Beigeordnete der Stadt, Peter Müller, erklärte.
Davon ist der Gemeinderat nicht abgerückt – immerhin lag die Kommunalwahl dazwischen. Das Gremium votierte jetzt ohne Gegenstimme für den mit den Windpark-Projektpartnern ausgearbeiteten Vertrag zur Nutzung städtischer Grundstücke.
Stehen hier bald sechs Windräder?
Diese Grundstücke liegen im Hardtwald im Norden der Stadt und umfassen das im Regionalplan ausgewiesene Windvorranggebiet BB-29. Dort könnten nach ersten Planungen sechs Windenergieanlagen, sprich Windräder, gebaut werden. Diese werden jeweils 262,5 Meter hoch sein und einen Rotordurchmesser von 175 Meter haben. Sie sollen etwa 90 Millionen kWh/Jahr Strom erzeugen, was dem Stromverbrauch von 26 500 Haushalten entspricht. Auf diese Weise könnten 67 000 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden.
Die Standorte der Windräder in dem Waldgebiet seien mit der städtischen Forstverwaltung abgestimmt. Man habe dazu Flächen in weniger sensiblen Bereichen ausgesucht. Denn forstliche und ökologische Belange seien ein wichtig, betonte Peter Müller. Pro Windrad werden 0,7 Hektar Wald gerodet plus 0,4 Hektar für Zuwege während der Bauzeit. Allerdings, so führte Peter Müller einen „überschlägigen Kennzahlenvergleich“ an, spare ein Hektar Wald jährlich 10 bis 12 Tonnen CO2 ein, eine moderne Windenergieanlage hingegen spare etwa 6000 Tonnen CO2 ein.
Außerdem würden im Renninger Wald ohnehin pro Jahr rund 4600 Festmeter Holz nachwachsen, sodass die gefällte Menge rasch ausgeglichen wäre. Bei den notwendigen Ausgleichsmaßnahmen für die Flächenversiegelung wolle man mit dem NABU zusammenarbeiten. Stadtrat Andreas Kindler(CDU) forderte dazu, dass auch die Jäger und Landwirte beteiligt werden sollten.
Flächen in weniger sensiblen Gebieten
Der Erste Beigeordnete erläuterte ebenfalls die finanzielle Situation des Projekts, das ab 2030 gebaut werden soll. Die Stadt erhält einen Mindestpachtpreis und einen Anteil am Umsatzerlös des Nettoertrags für den eingespeisten Strom. Mit Betriebsbeginn fließe jährlich mindestens ein hoher sechsstelliger Betrag in den städtischen Haushalt, meinte Müller. Außerdem gebe es sowohl für die Stadt als auch für die Bürgerschaft, für diese in Form einer Bürgergenossenschaft, die Möglichkeit, sich an einer Windpark Renningen Gesellschaft mit bis zu 49,9 Prozent zu beteiligen.
Diese Beteiligungsmöglichkeiten seien mehr als sonst bei solchen Projekten üblich, hob die Bürgermeisterin Melanie Hettmer hervor. „Es wird nicht einfach was unüberlegt in den Wald gestellt“, betonte sie.
„Man wird sich an den Anblick gewöhnen müssen“
Stadträtin Melanie Lederer (Freie Wähler) sprach sich – wie die anderen Fraktionssprecher auch – für den Abschluss des Vertrags aus. „Man wird sich an den Anblick der Windräder gewöhnen müssen und leider sind Eingriffe in den Wald unumgänglich“, meinte sie. Die Beteiligung ermögliche eine direkte Mitsprache. „Wir hoffen, dass viele Bürger in die Genossenschaft eintreten.“ Andreas Kindler sagte: „Wir schließen uns an, wenn auch der Eingriff in den Wald kein kleiner ist.“ Das sei ein schwieriges emotionales Thema. Die Fraktionen der Grünen, Frauen für Renningen und SPD schlossen sich ebenfalls an. „Das ist eine vollkommen abgerundete Sache für die Stadt geworden“, meinte Thomas Mauch (SPD).