Umweltschützer in Stuttgart Das steckt hinter der neuen Klima-Community
Stuttgart hat eine neue Community für Klimaschützer. Zwei junge Frauen haben es möglich gemacht. Das sind die Pläne von Karolina Kleiner und Lisa-Marie Heller.
Stuttgart hat eine neue Community für Klimaschützer. Zwei junge Frauen haben es möglich gemacht. Das sind die Pläne von Karolina Kleiner und Lisa-Marie Heller.
Da gibt es die Fahrradfahrer-Blase. Die Veganerinnen-Blase. Die Kreislaufwirtschaft-Blase. Lauter kleine Gruppierungen von Menschen, die in oder rund um Stuttgart leben und sich für etwas engagieren, das irgendwie zum Klimaschutz beiträgt. Untereinander kennen sich diese Menschen oft nicht: Die Lastenradfahrerin hat vielleicht mit Kreislaufwirtschaft nichts am Hut, der Veganer fährt lieber Bus und Bahn als mit dem Rad.
Doch geht es nach Karolina Kleiner (26) und Lisa-Marie Heller (27), sollen sich diese Menschen bald besser kennenlernen. Die beiden Frauen sind im Projektteam der noch relativ neuen Stuttgarter Klima-Community – und sie verstehen ihre Aufgabe als „Wissen sammeln, Silos aufbrechen, über Bubbles hinweg vernetzen“, wie Karolina Kleiner sagt. „Wir sehen uns als Multiplikatoren“, meint Lisa-Marie Heller.
Hinter der Klima-Community steckt ein gemeinnütziges Projekt, das von den städtischen Klima-Innovationsfonds gefördert wird und von der Stabsstelle Klimaschutz bewilligt wurde. Weil Stuttgart bis 2035 klimaneutral werden soll, wird zurzeit recht viel Geld und Energie in zukunftsträchtige Ideen und in Nachhaltigkeit gesteckt.
Auf der Website klima-community.de werden zum einen Events rund um das Thema geteilt, etwa Kleidertauschparties, Vorträge oder Filmvorführungen zur Energiewende. Zum anderen können Mitglieder dort Ratschläge mit anderen teilen; etwa wie umweltverträgliche Ernährung funktioniert oder wie man Europa bereisen kann ohne Flugzeug. „Wir wollen aber nicht nur eine Online-Community sein, sondern das Ganze in die Stadt tragen“, erläutert Karolina Kleiner. Ein Ziel sei es auch, Klimaschutz wieder positiver zu belegen bei den Menschen, die dem Ganzen kritisch gegenüberstehen.
So sei ein geplantes Projekt das „Essen aus dem Kessel“. Dabei wollen die Frauen mit einem hiesigen Gastronomen zusammenarbeiten, der regelmäßig für Kinder aus einkommensschwachen Familien ein einfaches vegetarisches Gericht kochen soll. „Wir stehen in Kontakt mit den Jugendhäusern. Das Essen soll in einem geschützten Rahmen stattfinden“, sagt Heller. Die Kinder sollen dadurch lernen, wie lecker gesundes und regionales Essen schmecken kann, die Eltern könnten bei Interesse die Rezepte zum Nachkochen erhalten. Zudem sei ein Wettbewerb für Anfang dieses Jahres geplant, bei dem grüne Projekte ausgezeichnet werden, die ihre Wirkung in Stuttgart entfalten.
Inzwischen hat die Klima-Community etwas mehr als 500 Mitglieder. Von denen kämen zwar nicht alle aus Stuttgart, aber das mache nichts, sagen die beiden Frauen. Und sie versprechen: Man dürfe auch einfach so auf sie zukommen und nach Kontakten in dem Bereich fragen, „wir helfen bei der Vernetzung“, sagt Karolina Kleiner.
Übrigens arbeiten Karolina Kleiner und Lisa-Marie Heller beide bei DPS; eigentlich ein Software- und Beratungsunternehmen, das unter anderem für den öffentlichen Dienst tätig ist. Diese Firma setzt gemeinsam mit der Stuttgarter Smart-Cities-Beratungsplattform Bable die Klima-Community um. „Die Stadt Stuttgart ist für die Strategie zuständig, DPS für den Inhalt, Bable für die Technik“, umschreibt Karolina Kleiner. Sowohl sie als auch Lisa-Marie Heller haben noch andere Projekte bei DPS, aber einen großen Teil ihrer Arbeitszeit investieren sie für die Klima-Community.
Auch die beiden haben dabei schon viel gelernt, sagen sie. Etwa, was ein Stadtteilvernetzer ist. Oder wie viele intrinsisch motivierte Menschen in Stuttgart leben, meint Lisa-Marie Heller. „Oft heißt es, dass Stuttgart und Klimaschutz nicht zusammenpasst, weil die Menschen an Feinstaub denken, an die Versiegelung an vielen Stellen, an einen Oberbürgermeister der CDU“, weiß Karolina Kleiner. „Aber das wird den Menschen nicht gerecht, die hier mit Herzblut fürs Klima kämpfen.“