„Unerwartet hohe Investitionssumme“ Kein neues Stihl-Werk für Ludwigsburg

Noch laufen die Abrissarbeiten des alten Werks, doch ein Neues wird dort wohl nie entstehen. Foto: Werner Kuhnle

Ursprünglich sollte das neue Stihl-Werk ein Leuchtturm-Projekt für die Ludwigsburger Weststadt werden. Jetzt steht fest: Das gesamte Areal wird stillgelegt. Die Stadt steht vor einem Brachland mitten im Gewerbegebiet.

Ludwigsburg: Maximilian Kroh (kro)

Es sollte ein bedeutendes Projekt für den Wirtschaftsstandort Ludwigsburg werden, dann brachten die hohen Baukosten alles ins Wanken und nun steht fest: Das Stihl-Werk im Gewerbegebiet an der Groenerstraße wird nicht neu gebaut. Und weil der Waiblinger Motorsägenhersteller das Areal dennoch behält, liegt in der Ludwigsburger Weststadt nun eine riesige Fläche vorerst brach.

 

In Ludwigsburg hatte man sich von dem Neubau einiges versprochen, stand die alte Produktionshalle auf dem rund 35 000 Quadratmeter großen Areal doch jahrelang leer. Die ersten Pläne für einen möglichen neuen Produktionsstandort für Führungsschienen wurden Ende 2022 vorgestellt. Sie weckten in der Barockstadt die Hoffnung auf hunderte neue Arbeitsplätze und eine Erhöhung der Lebensqualität in der Weststadt.

Die neue Halle sollte nicht nur einen öffentlichen Durchgang zwischen Mörike- und Groenerstraße schaffen, sondern auch ermöglichen, den historischen Querschnitt der Gänsfußallee wiederherzustellen und zu begrünen. Außerdem sollten etwa 35 Prozent der Grundstücksfläche entsiegelt werden und damit Raum für biologische Vielfalt entstehen.

„Unerwartet hohe Investitionssumme“

Dass daraus in dieser Form nichts werden würde, kristallisierte sich bereits im Oktober vergangenen Jahres heraus. Unter anderem durch gestiegene Bau- und Energiekosten würde die Umsetzung der Pläne eine „unerwartet hohe Investitionssumme“ erfordern, wie es von Seiten des Unternehmens hieß. Eine Rolle spiele außerdem die Forderung der IG Metall nach einer 32-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich, die mittelfristig im Raum stehe. „Diese Arbeitszeitverkürzung würde die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Standorts insgesamt nochmals deutlich schwächen“, teilte Stihl mit.

In Ludwigsburg gab man die Hoffnung dennoch nicht auf. „Wir gehen weiter von der Realisierung des Projekts in Ludwigsburg aus und sehen darin nach wie vor eine große Chance für unseren Wirtschaftsstandort“, sagte Oberbürgermeister Matthias Knecht im Oktober. Doch daraus wird nun endgültig nichts. Der Weiterbetrieb der bestehenden Schienenfertigung in Waiblingen-Neustadt sei bis 2030 gesichert, über einen künftigen Fertigungsstandort werde deshalb erst zu einem späteren Zeitpunkt endgültig entschieden, heißt es in einer aktuellen Stellungnahme Stihls. „Das Areal des ehemaligen Stihl Werk 5 bleibt in Besitz von Stihl und wird zunächst stillgelegt“, lässt ein Pressesprecher zusammenfassend wissen.

OB Knecht: „Wir haben das Projekt noch nicht aufgegeben.“

Zwar habe sich die Entscheidung angedeutet, doch etwas überraschend sei es für die Stadt dann doch gewesen, dass das Projekt nun gänzlich auf Eis gelegt werde. „Schließlich wäre es auch denkbar gewesen, dass das Projekt in etwas abgespeckter Form umgesetzt wird“, so Knecht. Dennoch sei das Verhältnis zum Unternehmen weiterhin vertrauensvoll, Stihl sei ein „bedeutender und wichtiger Partner für die Stadt“. Das zentrale Fertigwarenlager des Motorsägenherstellers ist auch weiterhin im Werk in der Kammererstraße angesiedelt.

Auch Knecht kann sich einen Seitenhieb in Richtung IG Metall nicht verkneifen. Es sei ihm wichtig, zu betonen, „dass die Wirtschaftspolitik im Land und die Forderungen von Gewerkschaften die Leistungsfähigkeit und Investitionsbereitschaft unserer ansässigen Betriebe nachhaltig beeinflussen“.

Zur Zeit ist das Stihl-Areal noch eine Baustelle, die letzten Abrissarbeiten laufen noch. Zahlreiche Bagger haben meterhohe Bauschuttberge angehäuft. Bis Ende Februar soll das abgeschlossen sein. Dann klafft mitten im Gewerbegebiet eine riesige Lücke, denn die Fläche gehört weiterhin dem Motorsägenhersteller. Matthias Knecht gibt sich trotz allem weiter kämpferisch, er wolle erneut das Gespräch mit dem Unternehmen suchen: „Wir haben dieses wichtige Projekt noch nicht aufgegeben.“

Die Firma Stihl in Ludwigsburg

Unternehmen
 1926 gründete Andreas Stihl in Stuttgart ein Ingenieurbüro, das zunächst Dampfkessel-Vorfeueranlagen und Waschmaschinen herstellte. Kurz darauf fertigte Stihl seine erste Kettensäge mit Benzinmotor, sie wog 48 Kilogramm und musste von zwei Personen gleichzeitig bedient werden musste. Heute ist Stihl mit einem Jahresumsatz von rund 5,5 Milliarden Euro der weltweit führende Hersteller von Motorsägen. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Waiblingen-Neustadt hat mehr als 20 000 Mitarbeiter und ist über 160 Ländern tätig.

Ludwigsburg
 In der Barockstadt hatte Stihl seit den 1980er-Jahren zwei Werke. Zunächst nahm 1979 das „Werk 5“ im Gewerbegebiet in der Ludwigsburger Weststadt den Betrieb auf, dort befand sich die Produktionslogistik. Es steht seit 2018 leer und wird momentan abgerissen. In der Kammererstraße mietete Stihl 1981 das heutige „Werk 7“ als Lagerhalle an und kaufte das Gebäude 2011. Heute befindet sich dort das zentrale Fertigwarenlager. 

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