Unfälle in Stuttgart Das sind die 10 größten Gefahrenstellen auf Stuttgarter Schulwegen

Olgaeck, Daimlerstraße, Kernerplatz: drei Unfallhotspots in der Innenstadt für Radler und Fußgänger Foto: Archiv

Jahr für Jahr werden mindestens 20 Stuttgarter Schüler bei Schulwegunfällen verletzt. Eine Datenanalyse zeigt erstmals, wo das Risiko für Radler und Fußgänger besonders hoch ist.

Digital Desk: Jan Georg Plavec (jgp)

Jahr für Jahr werden mindestens zwanzig Stuttgarter Schüler auf ihrem Schulweg verletzt. Die neuesten bei der Stadtverwaltung vorliegenden Zahlen sind aus dem Jahr 2024. Demnach verletzten sich von zwölf radfahrenden Schülerinnen und Schülern vier bei alleinbeteiligten Stürzen, die anderen bei einem Aufprall, auf Fußgängerüberwegen oder ihnen wurde von Autos die Vorfahrt genommen.

 

Die 16 zu Fuß zur Schule gehenden Verletzten kollidierten mit Radfahrern und Stadtbahnen, betraten unachtsam die Fahrbahn oder wurden von Autos erfasst, die über Rot fuhren. Es sei „keine Unfallörtlichkeit mehrfach betroffen“, heißt es aus der Pressestelle der Stadt.

Die Fahrradinitiative Kidical Mass wollte es dennoch genauer wissen. Für ihren „Schulwegcheck“ hat die Gruppe 16 offiziell empfohlene Schulwege zu 16 Stuttgarter Grundschulen überwiegend in der Innenstadt digitalisiert. Die Stadtverwaltung hat diese Daten bislang nicht maschinenlesbar zur Verfügung gestellt. Dank der Arbeit der Ehrenamtlichen können nun etwa Unfälle mit Radfahrer- und Fußgängerbeteiligung entlang dieser Strecken analysiert werden.

Unsere Redaktion hat dafür die vom Statistischen Landesamt zur Verfügung gestellten Unfälle mit Personenschaden entlang dieser Schulwege ausgewertet – und zwar Unfälle mit Radfahrern oder Fußgängern zwischen 6 und 20 Uhr, die zwischen 2019 und 2024 passiert sind. Darin sind also weitaus mehr Unfälle enthalten als nur jene mit Schülerbeteiligung. Die Analyse zeigt aber, welche Stellen entlang der 16 betrachteten Schulwege für die Zeiten und Verkehrsmittel der Stuttgarter Schüler besonders unfallträchtig sind.

In den Karten sind Unfälle mit Getöten schwarz markiert, Unfälle mit Schwerverletzten sind rot, solche mit Leichtverletzten gelb eingetragen.

Gefahrenstelle 1: Olgaeck

Der tödliche Zusammenstoß eines Geländewagens mit Fußgängern am Olgaeck im Sommer 2025 ist vielen noch in Erinnerung. In dem analysierten Datensatz ist er noch nicht enthalten. Doch schon davor galt das Olgaeck als nachweislich gefährliche Stelle. Der empfohlene Schulweg für Schüler der Jakobschule führt übers Olgaeck. Insbesondere Zusammenstöße mit Autos sind für Fußgänger und Radfahrer hier eine Gefahr.

Für Autofahrer ist die Höchstgeschwindigkeit am Olgaeck bereits auf 30 Stundenkilometer reduziert worden. „Weitere Maßnahmen sind in der Diskussion“, heißt es aus dem Stuttgarter Polizeipräsidium.

Gefahrenstellen 2 bis 6: Kreisverkehre

Fünf der zehn identifizierten Unfallhäufungen entstanden in den vergangenen Jahren an Kreisverkehren, nicht alle davon liegen so zentral wie das Olgaeck – etwa der Kreisel an der Unterländer Straße in Zuffenhausen oder jener an Schmidener und Teinacher Straße in Bad Cannstatt.

Ein häufiges Problem bei Kreisverkehren ist die Regel, dass ausfahrende Fahrzeuge die Vorfahrt gewähren müssen – beispielsweise auch Fußgängern, die die Straße überqueren.

Die Stadtverwaltung erklärt, zu den genannten Stellen lägen „keine Unterlagen, Analysen oder Gutachten“ vor, eine Auswertung übersteige das zumutbare Maß. Pauschal könne man nicht sagen, dass an allen Kreisverkehren eher viele Unfälle mit Radfahrer- oder Fußgängerbeteiligung stattfinden, sagt ein Sprecher der Stuttgarter Polizei. „Es gibt sicherlich vereinzelt Anlagen – insbesondere aus früheren Bauphasen – bei denen beispielsweise breitere Kreisfahrbahnen Konfliktsituationen mit dem Radverkehr begünstigen können“, so der Sprecher weiter. Unfallursachen seien „sehr individuell und von den spezifischen örtlichen Gegebenheiten abhängig“.

Gefahrenstellen 7 und 8: Eugensplatz und Gerokstraße

Die Gleise am Eugensplatz und die Kurve samt Abzweigung der Haußmannstraße scheinen für Radfahrer und Fußgänger ziemlich gefährlich zu sein. Hier führt der empfohlene Schulweg zur Ameisenbergschule vorbei.

Ein Polizeisprecher fände, die Parkplätze am Straßenrand zu entfernen, wäre „ein prüfenswerter Ansatz“ – der vermutlich auf Widerstand der Anwohner träfe und von der Stadtverwaltung zu leisten wäre.

Am Eugensplatz selbst müssen Radfahrer zwingend ein Stadtbahngleis überqueren – einer der Hauptgründe für Unfälle an dieser Stelle. Daran lässt sich kaum etwas ändern – höchstens könnte der Radverkehr über den Eugensplatz geführt werden, das aber die Aufenthaltsqualität dort einschränken würde.

Gefahrenstellen 9 und 10: Marienplatz und Daimlerstraße

An der Kreuzung Daimlerstraße / Veielbrunnenweg (Bad Cannstatt) kam es in den vergangenen Jahren mehrfach zu Zusammenstößen von Radfahrern und Fußgängern mit Autos, dazu eine Handvoll Radunfälle ohne Beteiligung anderer Verkehrsmittel. Die Stelle liegt auf dem empfohlenen Schulweg zur Martin-Luther-Schule.

Am Marienplatz ist insbesondere der Bereich auffällig, an dem die Böblinger Straße auf das nordwestliche Platzende trifft. Hier trafen zumeist Fuß- und Autoverkehr bei Unfällen aufeinander. Diese Stelle taucht auch im Projekt „Achtung, Schulweg!“ auf, für das unsere Redaktion im Jahr 2024 Gefahrenstellen auf den Schulwegen bei Stuttgarter Eltern abgefragt hat: Es sei hier „völlig unklar, welcher Verkehrsteilnehmer wo langfahren soll. Fußgänger und Radfahrer und Supermarktkunden behindern sich gegenseitig“, so ein User. Auch die Tiefgarageneinfahrt sei gefährlich, dazu sei „diese enge Stelle oft vermüllt, voller Sperrmüll und voller alter Fahrräder“.

Eltern wiesen schon 2024 auf Gefahren hin

Auch das Olgaeck wurde damals als gefährlich markiert. „Der Bereich um die Schienen ist zu schmal für an der Ampel Wartende, die Schienen Überquerende und diejenigen, die zur Bahn müssen“, schrieb ein Elternteil zum Olgaeck, Kinder werden in der Hektik leicht übersehen. Geländer bietet kaum Schutz und Kinder können Abstände noch nicht richtig einschätzen.“

Am Kernerplatz (Landhausstraße) hat ein Elternteil kritisiert, dass sich der Zebrastreifen direkt hinter einem Glascontainer befinde: „Die Autos können erst spät gesehen werden und umgekehrt; zudem ist hier oft Glas auf dem Boden…“

„Die Verwaltung empfiehlt diese Wege. Sie muss deshalb dafür sorgen, dass sie sicher werden“, sagt Nikolai Worms von Kidical Mass. Die Infrastruktur „sollte so angelegt sein, dass sie Fehler verzeiht”. Diese Stellen gehörten auf der Prioritätenliste der Verkehrsplanung der Stadt an vorderste Stelle. „Wir fordern die Verwaltung auf, besonders diese gefährlichsten Stellen zu entschärfen, bevor es dort zu weiteren Unfällen kommt”, so Worms.

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