Unfall am Olgaeck Trauer und Kritik am Straßenrand
Bei einem schweren Unfall kommt am Freitag eine 46-Jährige ums Leben. Sieben Menschen werden verletzt. Die Polizei versucht am Samstag, den genauen Unfallhergang zu klären.
Bei einem schweren Unfall kommt am Freitag eine 46-Jährige ums Leben. Sieben Menschen werden verletzt. Die Polizei versucht am Samstag, den genauen Unfallhergang zu klären.
Eva zittert. Sie ist den Tränen nahe. „Wäre der Unfall zehn Minuten früher passiert, ich wäre jetzt vielleicht nicht mehr hier“, sagt die 41-Jährige, die ihren vollen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Am Freitagabend war sie im Edeka am Olgaeck einkaufen, wie so oft schon, und ging an dem Überweg über die Charlottenstraße, an dem der schwere Unfall am Freitag geschah – zehn Minuten, nachdem sie genau dort die Straße überquert hatte. „Ich wohne schon lange hier“, sagt sie und zeigt auf das untere Ende der Hohenheimer Straße.
Dass der Autoverkehr vor ihrer Haustür heftig und gefährlich ist, weiß sie. Aber meist seien es Blechschäden, wenn Autofahrer mal wieder regelwidrig wenden – und mit Stadtbahnen zusammenstoßen. Jetzt aber eine tote Frau und sieben Verletzte, darunter fünf Kinder, das ist für die 41-Jährige ein großer Schock. „Mein Sohn hat mich angerufen, als er vom Unfall hörte. Er weiß, dass ich in der Zeit gerne einkaufe und hat gleich checken müssen, ob es mir gut geht“, erzählt die Anwohnerin. Sie bekomme Gänsehaut bei dem Gedanken an den Unfall. Im Grünstreifen am Straßenrand kniet sie sich nieder und legt einen Strauß weiße Blumen ab zum Gedenken an die beim Unfall getötete 46 Jahre alte Frau.
Der Unfall geschah am Freitag kurz vor 18 Uhr. Ein 42 Jahre alter Mann fuhr mit seinem Mercedes der G-Klasse in die Menschengruppe am Fußgängerüberweg. Dabei riss der schwere Geländewagen die Absperrungen am Z-Überweg um. Auch das Geländer an der Treppe zum Hochbahnsteig der Stadtbahn ist krumm. Der Wagen muss bis zum Fuß der Treppe gekommen sein, mit großer Wucht.
Die Polizei prüft zwei mögliche Theorien. Am Abend nach dem Unfall hieß es zunächst, der Mann sei mit seinem schwarzen Wagen von der Olgastraße rechts auf die Charlottenstraße Straße abgebogen. Inzwischen kursiert auch die Zeugenaussage, er sei vom Charlottenplatz her gefahren, stadtauswärts in Richtung Degerloch. „Wir ermitteln und klären das alles ab“, sagt eine Polizeisprecherin am Samstag.
Am Freitagabend schwebt der Unfallwagen gegen 21 Uhr auf die Pritsche eines Abschleppfahrzeugs, drei Stunden nach der tödlichen Karambolage. Polizistinnen und Polizisten stehen gemeinsam mit einem Gutachter mehrere Minuten lang unter dem schwebenden Fahrzeug. Sie messen mit dem Meterstab alles ab, machen Fotos vom Auto von unten. Eine Polizistin sammelt die Gegenstände ein, die am Unfallort liegen. Ein kleiner Rollkoffer, eine geplatzte Einkaufstasche mit einer zerrissenen Packung Küchentücher und Erbsengemüse in der Dose, ein Damenschuh und ein beschädigter Kinderwagen. Als sie den zum Einsatzfahrzeug bringt, fällt ein Rad ab und bleibt mitten auf der abgesperrten Kreuzung liegen. Die Beobachter am Straßenrand halten den Atem an: Ein Kind unter den Opfern? Wenig später kommen die traurigen Nachrichten von der Polizei offiziell. Als das Auto in die Luft gehoben wird, lebt eine 46-jährige Frau nicht mehr, die beim Unfall von der G-Klasse erfasst und schwer verletzt wurde. Insgesamt wurden acht Menschen verletzt, drei von ihnen schwer. Fünf der acht sind Kinder. Ein Kind kommt nach einer Not-Operation auf die Intensivstation, es schwebte wie ein weiterer Erwachsener zunächst in Lebensgefahr.
Kreidemarkierungen auf dem Asphalt dokumentieren, wo das Auto auf die Mittelinsel rauschte. Die Geländer sind aus dem Boden gerissen. Der Handlauf an der Treppe ist auf der Seite zu den Gleisen hin ebenfalls krumm und schief. Der Wagen muss bis zu der Treppe gefahren sein. Wenn er tatsächlich aus der Olgastraße kam, dann hat die Ampel für ihn zur gleichen Zeit Grün gezeigt wie die Fußgängerampel am Überweg von der Haltestelle zum Gehweg. Der Fahrer ist am Samstag noch in Gewahrsam. Er kam aber nicht, wie es im Netz fälschlicherweise hieß, vor einen Haftrichter, sondern wird befragt. Bei ihm im Auto war ein fünfjähriges Kind.
Am Tag nach dem Unfall ist auch Peter Erben vom Verein Fuß e.V. Stuttgart am Unfallort. Der Verein vertritt die Belange von Fußgängerinnen und Fußgängern. Erben kritisiert, dass die Unfallstelle komplett abgesperrt ist. Wer die Hohenheimer Straße überqueren will, muss entweder erst die Olgastraße überqueren und dann am Überweg unterhalb der Kreuzung auf die andere Seite gehen. Vielen ist das zu kompliziert. Ein Mann klettert gefährlich wackelig vom Hochbahnsteig herab. Eine Seniorin mit Einkaufstrolley geht mitten über die Kreuzung, sie will zum Edeka. Der Weg über die regulären Fußgängerüberwege würde für sie vier Ampelphasen bedeuten, so viel Zeit und den Umweg will sie nicht in Kauf nehmen.
„Man hätte auch eine andere Lösung finden können, damit eine sichere Fläche für Fußgänger entsteht und der Überweg nutzbar bleibt“, sagt Erben. Etwa indem man eine Fahrspur sperrt und sie den Autos wegnimmt. „Aber wie so oft hat man wieder nur an den Autoverkehr gedacht“, sagt er. Auch grundsätzlich, nicht erst, wenn so ein heftiger Unfall passiere, solle man darüber nachdenken, den Fußgängern mehr Platz als die relativ kleine Fläche auf der Mittelinsel der Straße zu geben, regt er an. Das würde die Sicherheit verbessern. Eine Diskussion, die nach dem Unfall an der Hohenheimer Straße zu führen sein wird.