Ein Verkehrsschild warnt Autofahrer wochenlang vor einer Baustelle nach dem Abbiegen. Der Haken: Abbiegen ist an dieser Kreuzung in Stuttgart-West verboten.

Digital Desk: Jörg Breithut (jbr)

Die Warnung ist eindeutig: Wer hier abbiegt, der muss aufpassen. Das weiße Dreieck mit rotem Rand zeigt einen Bauarbeiter mit Schaufel in der Hand, ein Pfeil biegt sich darunter nach links weg. Das Verkehrsschild soll Autofahrer darauf hinweisen, dass eine Baustelle folgt, wenn sie links abbiegen. Das Problem: Links abbiegen ist an dieser Kreuzung in Stuttgart-West verboten.

 

Dieses Schild stand dennoch wochenlang an der Ecke Senefelder- und Schlossstraße – und führte möglicherweise Autofahrerinnen und -fahrer in die Irre. Wer auf der Schlossstraße von der Innenstadt nach Botnang fuhr, wurde hier völlig unnötig vor der Baustelle auf der Senefelderstraße nach dem Linksabbiegen gewarnt, wo gerade der Gehweg aufgerissen wird.

Warnung vor der Baustelle: In der Senefelderstraße wird gerade der Gehweg aufgerissen. Foto: StZN

Wie lange genau diese Baustellenwarnung dort stand, ist unklar. Am 17. November hat die Stadt das Verkehrszeichen nach einem Hinweis wieder abgebaut. Ein Sprecher der Stadt teilte auf Anfrage unserer Redaktion mit: „Es hatte sich herausgestellt, dass das Zusatzschild durch ein Missverständnis angeordnet worden war, da an der genannten Stelle kein Linksabbiegen gestattet ist.“

Das Amt für öffentliche Ordnung bedauere den Vorfall, betone aber, „dass keine Unfälle oder gefährliche Situationen bekannt seien, die infolge des Schildes entstanden wären“. Die Stadt verweist auf die Fahrbahnpfeile, die klar machen, dass man hier nur geradeaus fahren und rechts abbiegen darf. Auch ein blaues Schild mit einem weißen Geradeaus-Pfeil verdeutlicht das Linksabbiegeverbot.

Zahlreiche Stadtbahnunfälle an der Kreuzung

Dieses Verbot hatten in den vergangenen Wochen allerdings zahlreiche Autofahrer missachtet. Mindestens dreimal krachte es auf der Kreuzung, weil Autofahrer links über die Gleise gefahren waren und gegen die geradeaus fahrende Stadtbahn prallten.

Am 9. November war ein 57-Jähriger mit seinem BMW nach links abgebogen. Eine Stadtbahn erfasste das Fahrzeug und schleifte es mehrere Meter weit über die Gleise. Alle fünf Insassen des Autos wurden verletzt, vier davon schwer. Auch ein paar Tage zuvor, am 5. November hatte es dort gekracht.

Mitte Oktober war an der gleichen Kreuzung eine Stadtbahn der Linie U2 mit einem Mercedes kollidiert. Der 35-jähriger Autofahrer war ebenfalls verbotenerweise links abgebogen. Die Stadtbahn erfasste das Auto und schob es auf eine Fußgängerinsel. Der 35-Jährige wurde bei dem Zusammenstoß verletzt, außerdem zwei Fahrgäste in der Bahn.

Ein Zusammenhang zwischen den Unfällen und dem fehlplatzierten Schild gibt es allerdings auch nach Ansicht der Polizei nicht. Laut einem Sprecher „konnte dies als Ursache ausgeschlossen werden“.