Unfreiwilliges Product Placement Mission Nuss-Nougat-Aufstrich

Völlig losgelöst: durch die Orion-Kapsel schwebendes Nutella-Glas. Foto: imago/Nasa via Bestimage

Ein Nutella-Glas schwebt durch eine Raumkapsel. Kolumnist KNITZ ist bei dem Anblick entzückt, aber keinesfalls überrascht. Schon mal was von Mars und Milky Way gehört?

Für uns Erdlinge, die leider nicht das Gefühl der Schwerelosigkeit genießen durften, bleiben von der Artemis-2-Mission immerhin fantastische Bilder. Und eine Videosequenz, auf der man sieht, wie ein Nutella-Glas durch die Orion-Kapsel schwebt, knapp vorbei am Kopf der Astronautin Christina Koch.

 

Was KNITZ bei dem Anblick als erstes durch den Kopf schoss: Werden künftig in den auf Produkthaftung fixierten USA die Nutella-Behältnisse mit dem Warnhinweis versehen werden müssen, sie doch bei Ausflügen ins Weltall festzuschnallen?

Als Freund des zuckersüßen Brotaufstrichs hat KNITZ die Videosequenz selbstverständlich entzückt. Wirklich überrascht aber hat sie ihn aber nicht. Schließlich ist er mit der Erkenntnis aufgewachsen, dass so mancher Süßstoff schon vom Namen her einen Hang zum Überirdischen hat.

Als da wäre der mit Schokolade überzogene Karamell-Riegel Mars, der einem Reklame-Slogan aus den Sechzigerjahren gemäß verbrauchte Energie sofort zurückbringt. Spaßvögel haben in den Hochzeiten der Anti-AKW-Bewegung den Spruch aufgriffen und empfohlen, doch besser keinen Atommüll zum Mars zu fliegen.

Und dann natürlich Milky Way (zu Deutsch: Milchstraße), ebenfalls von der Firma Mars Incorporated produziert und angeblich so leicht, dass er sogar in Milch schwimmt. KNITZ hat das nie ausprobiert, aber im Lauf der Jahre festgestellt, dass die Füllung zumindest hierzulande verändert wurde und an Leichtigkeit eingebüßt hat.

Erbsenzähler haben nachgerechnet

Doch zurück zu jenem Nutella-Glas, das während eines Livestreams plötzlich durch die „Orion“-Kapsel schwebte und in den sozialen Medien zum größten viralen Hit des Artemis-2-Fluges wurde. Irgendwelche Erbsenzähler im Netz haben nachgerechnet und behaupten, dass der Transport eines 500-Gramm-Glases aufs Gesamtgewicht des Raumfahrzeugs und die Gesamtkosten des Unternehmens bezogen mit 75 926 US-Dollar (64 982 Euro) zu Buche schlägt. KNITZ findet, die Kohle könnte der italienische Hersteller Ferrero springen lassen – für eine der originellsten PR-Einlagen aller Zeiten.

Nicht ganz unbeteiligt an der Sache ist der deutsche Geophysiker, Vulkanologe und Astronaut Alexander Gerst, wie er gegenüber „Spiegel online“ gestand. Er habe seinen Freund Reid Wiseman bei einer ISS-Mission wohl auf den Geschmack gebracht. Die beiden beschmierten Kekse mit der Nuss-Nougat-Creme und bewarfen sich in der Schwerelosigkeit damit. Das, wiederum, kann KNITZ keinesfalls unterstützen, ist er doch mit dem Spruch „Mit dem Essen spielt man nicht“ aufgepäppelt worden.

Gehört Butter zum Nutellabrot?

So, wir haben jetzt jene Stelle erreicht, an der KNITZ die stets um seine Cholesterinwerte besorgte Leibärztin bittet, aus dem Text auszusteigen.

KNITZ ist gespannt, ob eine irdische Debatte künftig auch im Weltall ausgetragen wird: Er ist der Meinung, dass der Brotaufstrich auf Schwarzbrot nur mit einer dicken Butterschicht voll zur Geltung kommt.

Darauf einen Schnaps

Gleiches gilt übrigens auch für mit Kalbsleberwurst bestrichene Brezeln. Doch damit genug der gebeichteten Ernährungssünden. KNITZ wünscht Ihnen eine unbeschwerte Restwoche. Zur Not hilft ein Schnaps.

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