Eine ungewollte Schwangerschaft stellt eine Beziehung auf die Probe. Foto: KI/Midjourney/Montage: Sebastian Ruckaberle
Eine ungeplante Schwangerschaft kann ein Schock sein. Besonders, wenn der Partner das Kind nicht will. Diese zwei Frauen haben sich für das Kind und gegen den Partner entschieden.
Stefanie Unbehauen
06.05.2026 - 06:00 Uhr
Eine Schwangerschaft ist ein großer Einschnitt in einer Beziehung. Sofern sie ungewollt ist, kann dies zu ungeahnten Problemen führen. Wenn der Partner das Kind nicht will, muss eine Entscheidung getroffen werden. Zwei Frauen erzählen, wie sie sich für ihr Kind entschieden haben – und ihre Partnerschaft damit beendeten.
Fall 1: Daniela T., 52 Jahre alt
Ich erfuhr während eines Routinechecks bei meiner Frauenärztin, dass ich schwanger war. Für mich war das zunächst ein Schock. Ich hatte damals schon meine Befürchtungen, dass mein Partner nicht gut reagieren würde, habe es ihm aber dennoch sofort mitgeteilt. Er wurde stinksauer und hat gesagt, dass ich das Kind auf gar keinen Fall bekommen darf. Er ist total ausgeflippt. In diesem Moment war für mich klar: Egal, wie ich mich entscheide, diese Beziehung ist für mich beendet.
Ich habe mich dann beraten lassen bei ProFamilia, die nicht nur Beratungen zu Schwangerschaftsabbrüchen anbieten, sondern auch zu meinem konkreten Fall. Dort wurde mir auch seine Perspektive erklärt und wieso er so reagiert hat. Dadurch habe ich ihn zwar besser verstehen können, aber sein Verhalten blieb. Ich wollte dann noch einmal mit ihm reden und eine Lösung finden, die für uns beide passt. Aber das funktionierte einfach nicht. Er wollte mir diktieren, wie ich zu entscheiden habe.
Vor der Schwangerschaft gab es nie wirklich Streit
Es war emotional schwer zu verkraften, wie sich jemand so verhalten kann. Dass man im ersten Moment überreagiert, konnte ich noch ein Stück weit nachvollziehen, aber dass man sich auch über einen längeren Zeitraum so verhält, damit hätte ich nicht gerechnet. Gerade, da es vorher keine größeren Streitigkeiten oder Turbulenzen in unserer Beziehung gab. Ich war zu dem Zeitpunkt 39 Jahre alt und hatte durch Freunde und Verwandte oft Kinder um mich herum. Ich hatte mich nicht bewusst gegen Kinder entschieden, aber es hatte sich einfach nie ergeben. Wir hatten auch nie über den Fall einer ungeplanten Schwangerschaft gesprochen.
Als ich mich dann fürs Kind entschieden habe, hatten wir zunächst eine Weile lang gar keinen Kontakt. Da er sich so schlimm mir gegenüber verhalten hatte, wollte ich das auch gar nicht. Bei der Beratung wurde mir dann geraten, dass der Vater das Kind schon vor der Geburt anerkennen sollte. Aber für mich war das in dem Moment nicht in Ordnung, ich wollte mich nicht genauso falsch verhalten wie er. Ich habe ihn angerufen und er war zunächst ziemlich pampig. Aber als er dann gemerkt hat, dass es mir nicht um Geld geht, hat er sich beruhigt. Wir haben uns dann in einem Restaurant getroffen, er hatte etwas getrunken und ist ausfallend geworden, hat mich beschimpft. Es hat fast Handgreiflichkeiten gegeben, weil andere Passanten versucht haben, ihn aufzuhalten, als er mir nachgelaufen ist. Durch den Schock hatte ich vorzeitige Wehen bekommen. Am nächsten Tag wurde mir beim Frauenarzt mitgeteilt, dass ich für die nächsten Wochen liegen muss.
Sohn kennt seinen Vater nicht
Wieso ich mich überhaupt noch einmal mit ihm getroffen habe? Weil ich wollte, dass mein Kind einen Vater hat. Nur deshalb habe ich das zugelassen. Als ich ihn dann angerufen habe bezüglich des Geburtstermins, meinte er, er hätte an diesem Tag keine Zeit. Bei der Geburt hatte eine Krankenschwester, die ich kannte, Dienst – und diese hat ihn noch einmal angerufen. Zunächst meinte er wieder, er habe keine Zeit, aber dann kam er doch, um das Neugeborene zu sehen. In dem Moment war ich wahnsinnig froh und erleichtert. Doch die Harmonie hielt nicht lange an.
Zwei Tage vor Weihnachten verlangte er von mir, ich solle angeben, dass ich nicht wisse, wer der Vater ist. Das war für mich unvorstellbar, da ich nicht direkt wieder arbeiten konnte. Ich habe wenig Unterhalt erhalten, aber darum ging es mir nie. Am meisten tut mir mein Sohn leid, der ohne Vater aufwachsen muss. Das wollte ich nie. Mein Sohn litt lange Zeit sehr darunter, dass er nicht weiß, wer sein Vater ist. Manchmal sehe ich seinen Vater beim Einkaufen. Ich habe das meinem Kind nie erzählt, ich habe immer gesagt, er sei krank. Mittlerweile ist mein Sohn 12 Jahre alt und er sagt, er will seinen Vater überhaupt nicht mehr kennenlernen.
Daniela T. freut sich über wundervollen Sohn
Obwohl ich keinerlei Unterstützung bei der Erziehung hatte, weder vom Vater meines Kindes noch von Verwandten – meine Eltern sind beide bereits verstorben –, bereue ich es kein bisschen, dass ich mich für meinen wundervollen Sohn entschieden habe. Dennoch war es hart. Aber zumindest habe ich keinen Ärger mit meinem Ex-Partner, er lässt uns in Ruhe. Ich persönlich bin froh, dass ich mir die Auseinandersetzungen mit ihm spare, aber ich bin sehr traurig für mein Kind, dass es seinen Vater nicht kennt. Auch für meinen Ex-Partner finde ich es schade. Er hat einen tollen Sohn und verpasst alles.
Ein positiver Schwangerschaftstest – nicht für jeden ein Grund zur Freude. Foto: IMAGO/teutopress
Fall 2: Kaja G., 41 Jahre
Ich habe den Vater meines Kindes vor 20 Jahren kennengelernt, in der Einführungswoche unseres Studiums. Da ich zum damaligen Zeitpunkt in einer Beziehung war, hatte ich kein großes Interesse an ihm. Er sagte mir später aber, dass er, als er mich zum ersten Mal sah, sofort wusste, dass ich die Frau sei, die er heiraten würde.
Aber zur Hochzeit kam es nie. Obwohl sie geplant war. Wir kamen zusammen, waren getrennt, kamen wieder zusammen und wollten dann eigentlich heiraten. Im Mai 2017, da war ich 33 Jahre alt, wurde ich ungeplant schwanger von ihm. Doch seine Reaktion war alles andere als schön. Er sagte mir, er wolle das Kind nicht und dass ich mich dieser Entscheidung beugen müsse. Ich antwortete, dass es letztlich meine Entscheidung sei. Er sagte daraufhin, dass mir ein harter Weg bevorstehen würde und dass ich auf mich alleingestellt sei, während er schnellstmöglich und „ohne Last“ ein neues Leben beginnen könne. Er versuchte mir Angst zu machen und drohte mir: „Wenn du das Kind behältst, ruinierst du dir damit alles, was du bisher erreicht hast. Du wirst dein ganzes Leben lang darunter leiden und den Schritt nicht mehr rückgängig machen können. Du wirst alleinerziehende Mutter ohne Job, Wohnung, Geld und wenn überhaupt wirst du nur noch einen “Zweite-Wahl-Mann” abbekommen.“
Entscheidung keine Sekunde lang bereut
Dennoch stand mein Entschluss fest. Für mich war klar, dass ich mein Kind behalte. Was mir unter anderem Mut machte, war die Tatsache, dass bereits meine Uroma als uneheliches Kind zur Welt kam. Und das war im Jahr 1911. Hätte sich ihre Mutter gegen sie entschieden, wäre auch ich heute nicht da.
Und ich bereute meine Entscheidung keine Sekunde lang. Bereits während der gesamten Schwangerschaft hatte ich mich sehr mit meiner Tochter verbunden gefühlt. Es gab nur mein Mädchen und mich. Wir zwei gegen den Rest der Welt. Obwohl es sehr hart war. Ich bin damals von Hamburg nach Berlin gezogen, habe eine Vollzeitstelle als Anwältin angetreten. Die ersten Wochen und Monate habe ich schwanger bei Freundinnen auf der Coach geschlafen, habe mich für über 70 Wohnungen beworben. Als Alleinerziehende war es schwierig. Als ich dann endlich eine Wohnung gefunden hatte und eingezogen bin, musste ich zunächst auf dem Boden schlafen. Ich hatte keine Möbel, wirklich gar nichts. Das erste Lebensjahr meiner Tochter war mit das schönste meines Lebens. Und das, obwohl es finanziell sehr schwierig war. Ich hatte wahnsinnig wenig Geld. Ich bekam 1.600 Euro Elterngeld und meine Miete betrug bereits 1.100 Euro – ich hatte also nur noch 500 Euro zum Leben und für alle weiteren Fixkosten für mich und meine Tochter übrig.
Vater erkennt Vaterschaft nicht an
Außerdem war das Leben allein mit Baby sehr anstrengend. Als wir einmal beide die Magen-Darm-Grippe hatten, musste ich den Notarzt rufen. Auch die Wochenenden sind sehr einsam, wenn man alleinerziehend ist. Die anderen Familien sitzen alle zusammen am Frühstückstisch und ich war allein mit meinem Kind auf dem Spielplatz.
Als die Elternzeit nach 12 Monaten vorbei war, bin ich im Frühjahr 2019 direkt wieder arbeiten gegangen, weil ich auch gar keine andere Wahl hatte. Der Vater meines Kindes hat die Vaterschaft nicht anerkannt, daher habe ich keinen Unterhalt bekommen. Die Beistandschaft hat die Vaterschaftsanerkennung beantragt. Er musste dann auf gerichtlichen Beschluss hin zum Vaterschaftstest, was er immer wieder aufschob, bis es nicht mehr ging.
Nun eine glückliche Partnerschaft mit drei weiteren Kindern
Ich habe von ihm jahrelang nichts gehört. Als sie fast drei Jahre alt war, habe ich eine E-Mail von seiner Anwältin bekommen, in der stand, dass er sein Kind gerne kennenlernen würde. So einfach war das aber nicht. Ich habe meiner Tochter nie Hoffnungen machen wollen, weil ich eben nicht wusste, ob er jemals in ihrem Leben erscheinen würde. Ich schlug dann eine Mediation vor. Diese war eine Katastrophe. Sein erster Satz war: „Kaja, danke, dass du dich in den ersten drei Jahren um die Kleine gekümmert hast.“ Auf die Frage der Mediatorin hin, wieso er sich denn nie gemeldet oder gekümmert hatte, sagte er, ein Kind würde sich ja an die ersten drei Jahre ohnehin nicht erinnern. Ich war geschockt über diesen absurden Satz.
Seit der Mediation hat er seine Tochter ein paar Mal gesehen. Ich weiß nicht, wie sich das Verhältnis in Zukunft entwickeln wird. Auch in meinem Leben hat sich seitdem viel getan. 2020 habe ich meinen jetzigen Partner kennengelernt. Ich habe ihm von Anfang an sehr deutlich gesagt: „Ich bin bereit für weitere Kinder, aber ich mache das nicht noch einmal allein.“ Für mich funktioniert Kindererziehung nur gleichberechtigt. Mein Partner war sofort dabei – und setzte das auch so um. Wir haben mittlerweile drei weitere Kinder bekommen. Und er ist nicht nur ein toller Vater für seine drei leiblichen Kinder, sondern eben auch für meine älteste Tochter, die nun sieben Jahre alt ist. Er ist ihr sozialer Vater, sie nennt ihn Papa. Sie wächst nun als älteste von vier Geschwistern auf. Auch meine finanzielle Situation hat sich sehr verändert. Ich habe als Anwältin gute Honorare herausgehandelt und Karriere gemacht. Mit dem richtigen Partner an der Seite ist Karriere auch mit Kindern möglich.
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