Arezoo Shoaleh (links) und Judith Raupp sollten als Geschäftsführer-Duo mit Power vorangehen – jetzt ist diese Doppel-Spitze schon wieder Vergangenheit. Foto: Werner Kuhnle
Die Ex-Gleichstellungsbeauftragte Ludwigsburgs, Judith Raupp, wechselte in eine Leitungsfunktion zum Verein Frauen für Frauen. Doch der trennte sich noch in der Probezeit von ihr.
Das Glück war nur von kurzer Dauer. Am 1. November stieg Judith Raupp – bis dahin Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Ludwigsburg – beim Verein Frauen für Frauen ein. Eineinhalb Jahre lang war die Stelle der Geschäftsführerin für Finanzen und Verwaltung verwaist. Eineinhalb Jahre lang hatte das Team versucht, die Lücke zu schließen. Am Ende kam es zu einer Wunschlösung – so schien es.
Beim Termin mit unserer Zeitung Anfang Oktober gab es jedenfalls nur strahlende Gesichter. Raupp begleitet den Verein seit langem, ihre Mutter gehörte zu den Gründungsmitgliedern. Und jetzt? Jetzt ist die Ära Raupp schon wieder vorbei. Der Verein hat die Stelle ausgeschrieben. Allerdings wird keine Geschäftsführerin in einer Doppelspitze mit Arezoo Shoaleh, die für die pädagogische Arbeit verantwortlich ist, gesucht, sondern lediglich eine Mitarbeiterin im Bereich Verwaltung und Finanzen. Der Fokus liege zunächst darauf, den wichtigen Aufgabenbereich operativ gut abzusichern, heißt es seitens des Vereinsvorstandes. Ob wieder eine zusätzliche Leitungsfunktion eingerichtet werde, hänge von der weiteren Entwicklung ab. Aktuell sehe man dies jedoch nicht als unbedingt erforderlich an.
Der Verein sagt nichts zu den Hintergründen
Frau Raupp sei vom 1. November 2024 bis zum 30. April 2025 beim Verein tätig gewesen. „Das Arbeitsverhältnis endete während der vereinbarten Probezeit“, antwortet Ursula Höschele im Namen des dreiköpfigen Vorstandes auf unsere schriftliche Anfrage. Man bitte um Verständnis, dass man grundsätzlich aus Respekt und zum Schutz aller Beteiligten keine Auskünfte zu internen Personalangelegenheiten geben dürfe. Auch Arezoo Shoaleh verwendet diese Sprachregelung.
Vergangenen Oktober hatte sich alles noch anders angehört. Die Geschäftsstelle sei das Fundament des Vereins. „Wir sind sehr glücklich, dass wir die Stelle besetzt haben und vor allem so besetzt haben“, sagte Shoaleh damals. Judith Raupps Netzwerk sei Gold wert. „Wir als Sozialarbeiterinnen sind ja eher die Macherinnen. Sie wird künftig ein organisatorisches Auge auf alles werfen.“ Für Raupps Einstieg stockte der Verein die Stelle sogar von 60 auf 100 Prozent auf.
Und was sagt Judith Raupp selbst? Ja, es stimme. Sie arbeite nicht mehr für Frauen für Frauen. „Ich bin im Moment arbeitslos. Der Vorstand hat mir zum Ende der Probezeit gekündigt.“ Am 11. Mai habe man sie zum Gespräch gebeten und ihr angeboten, die Probezeit um einen weiteren Monat zu verlängern. Judith Raupp lehnte ab. „Das war für mich keine Perspektive. Zumal ich die Wahrnehmung hatte, dass das Vertrauen in mich geschwunden war.“
Zu unterschiedliche Auffassungen?
Über die Gründe des Bruches könne sie ein Stück weit nur mutmaßen. „Eine richtig schlüssige Erklärung gibt es nicht“, sagt Raupp. „Die handelnden Personen kannten und wollten mich. Ich habe mich ja nicht aktiv beworben, sondern wurde vom Verein angesprochen, weil man wusste, dass ich für den Verein und die Sache brenne.“ Am Ende habe es wohl an zu unterschiedlichen Auffassungen gelegen. „Vielleicht war ich auch zu forsch, was meine Ideen bezüglich der aus meiner Sicht notwendigen Veränderungen angeht“, räumt die Remseckerin selbstkritisch ein.
Turbulente Zeiten für den Verein. Foto: avanti/Ralf Poller
Vielleicht sei im Vorfeld zudem nicht intensiv genug ausgehandelt worden, wo Schwerpunkte zu setzen sind. „Ich denke, man hat von mir mehr Aktivitäten im Bereich Finanzen erwartet.“ Doch der Verein habe eine Buchhalterin, die ihren Job seit elf Jahren mache. Mit ihr habe sie zu Beginn ihrer Tätigkeit gesprochen, berichtet Raupp. „Und sie sagte mir, dass es keinen dringenden Handlungsbedarf in diesem Bereich gibt, also habe ich meinen Fokus im ersten halben Jahr auf andere Dinge gelegt. Es ist nichts Dramatisches liegengeblieben“, versichert die ehemalige Geschäftsführerin.
Sie habe eine hohe Wertschätzung für die Arbeit des Vereins und die dort geleistete ehrenamtliche Arbeit. Doch der Verein stehe – wie andere Vereine auch – vor der Herausforderung, den Übergang zwischen Ehrenamt und Professionalität hinzubekommen. Und das bedeute für das Ehrenamt dann eben auch, für sich neue Rollen zu finden und Verantwortung abzugeben, sagt Raupp, die seit 20 Jahren im Bereich Personal- und Organisationsentwicklung tätig ist.
Raupp macht sich Sorgen um den Verein
Nach dem Gespräch Mitte Mai sei sie fassungslos gewesen, beschreibt Raupp ihre Gefühlslage. „Dann war ich wütend, weil ich mich ungerecht behandelt gefühlt habe und dann traurig, weil ich mich ja bewusst für die Aufgabe entschieden hatte.“ Letzteres sei sie immer noch. Aber sie mache sich, mit Blick auf das große Projekt zweites Frauenhaus, auch Sorgen um den Verein. Im März hatte der Kreistag einen Zuschuss in Höhe von 500 000 Euro für ein zweites Frauenhaus abgesegnet.
Geschäftsführerin Arezoo Shoaleh reagierte damals enttäuscht über die Höhe. Der Verein möchte das Alte Kurhotel in Ludwigsburg-Hoheneck in einen Schutzraum für Frauen umwandeln. Die Sanierung kostet laut dem Verein rund 3,7 Millionen Euro. Ein Antrag für einen Landeszuschuss über rund 2,8 Millionen Euro wird noch geprüft, bestätigt Shoaleh. Im Herbst wird eine Entscheidung erwartet.
Verein: Frauenhaus nicht betroffen
Gegenüber dem Landrat und dem Kreistag hatte der Verein deutlich kommuniziert, dass man 900 000 Euro brauche, damit das Frauenhaus an den Start gehen könne. Ein Antrag über diese Summe war gestellt, doch die Kreisverwaltung schlug lediglich 500 000 Euro vor – und eine Mehrheit der Kreisräte entschied sich für die geringere Förderung.
Das Projekt zweites Frauenhaus sei von der aktuellen Situation in keiner Weise betroffen, versichert Ursula Höschele. „Es wird unabhängig von internen organisatorischen Fragen weiter vorangetrieben. Die Aufgaben im Bereich Verwaltung und Finanzen betreffen das operative Tagesgeschäft. Die konzeptionelle und strategische Projektentwicklung wird davon getrennt gesteuert.“