Der Sitz der LBBW Asset Management am Pariser Platz Foto: StZ/Müller
Bei der Investmentgesellschaft der Landesbank rumort es wegen des Führungsstils des „Chief Investment Officers“. Anlage-Manager beschweren sich beim Betriebsrat massiv über ihn. Die Bank lässt die Vorwürfe extern prüfen. Wie geht es weiter?
Wenn jemand der Landesbank-Tochterfirma LBBW Asset Management ein Gesicht gibt, dann ist es Michael Hünseler. Der 57-jährige Volkswirt ist zwar nur eines von derzeit drei Mitgliedern der Geschäftsführung bei der Investmentgesellschaft, die ein Vermögen von fast 80 Milliarden Euro verwaltet. Doch der Vorsitzende Uwe Adamla wird seit 2023 stark als Vorstand der BW-Bank beansprucht, und dessen Stellvertreter Dirk Franz ist in der Öffentlichkeit wenig präsent. Hünseler dagegen lässt sich als „Chief Investment Officer“ (CIO) regelmäßig im Börsenfernsehen interviewen, vertritt die Landesbank-Tochterfirma bei diversen Konferenzen und schildert in Linked-in-Videos seine Sicht auf die Kapitalmärkte. Drahtige Figur, grauer Vollbart, Brille – so erläutert er die Auswirkungen des Weltgeschehens auf die Kurse.
Als die Landesbank Baden-Württemberg Hünseler vor einem guten Jahr verpflichtete, war sie voll des Lobes. In ihm gewinne man einen „erfahrenen Experten“, der dank diversen Stationen in der Banken-, Investment- und Versicherungsbranche „große Expertise“ mitbringe und in den Märkten „bestens vernetzt“ sei. Zuletzt war er für die Vermögensverwaltung von Munich Re und Ergo in München tätig, allerdings nur etwa zwei Jahre. Noch vor Hünseler rückte ein weiterer Neuzugang in die Geschäftsführung auf, die bisherige Generalbevollmächtigte Ulrike Modersohn. Zuständig für Vertrieb und Kunden sollte sie den Bedarf in dem neu formierten Bereich „noch besser als bisher bedienen“, hieß es in einer gemeinsamen Pressenotiz zu den Personalien.
Neue Geschäftsführerin schnell wieder weg
Nach kaum einem Jahr ist Modersohn (56) schon wieder weg. Zu den Gründen äußern sich weder sie selbst noch die Landesbank. Eine Rolle soll dabei unter anderem die Zusammenarbeit mit Hünseler gespielt haben. Auch andere Beschäftigte der 280 Mitarbeiter zählenden Banktochter, die in Stuttgart am Pariser Platz residiert, tun sich offensichtlich schwer mit dem Manager – so sehr, dass bei der „LBBW AM“ nach Informationen unserer Zeitung eine mittlere Meuterei ausgebrochen ist. Gleich reihenweise haben sich Portfolio-Manager, die für die möglichst lukrative Anlage der Milliarden zuständig sind, intern über ihren Chef beklagt.
Erst in anonymen Schreiben, dann offiziell gegenüber dem Betriebsrat sollen sie massive Irritationen über seine Personalführung bekundet haben. Es geht um ein Klima des Misstrauens und der Willkür, um einen als einschüchternd empfundenen Umgangston oder um rüde Reaktionen auf Kritik – nach dem Motto: wem etwas nicht passe, der könne ja gehen. Auslöser sollen auch Eingriffe in Besitzstände sein, die die überwiegend älteren Betroffenen irritiert hätten – etwa beim Homeoffice oder beim Status. Hünseler habe Zügel angezogen, die lange locker waren, sagen seine Fürsprecher; das lasse man ihn nun spüren. Aber auch Hünselers Expertise, sein Verständnis von der Arbeit der Anlage-Spezialisten wird teilweise angezweifelt. Insgesamt sei die Kooperation mit ihm so schwierig, dass die Firma Schaden zu nehmen drohe.
Portfolio-Manager haben sich intern über ihren Chef Michael Hünseler beklagt. Foto: LBBW
Die Arbeitnehmervertretung leitete die Vorwürfe anonymisiert an den Aufsichtsrat weiter, der derzeit vom neuen LBBW-Kapitalmarkt-Vorstand Dirk Kipp geführt wird. Als Reaktion wurde eine externe Anwaltskanzlei, Hengeler Mueller aus Berlin, mit der Untersuchung der Vorwürfe beauftragt. Zugleich berichtete der Chefaufseher bei einer firmenweiten Konferenz im vorigen November über die Vorgänge. Seither sind die Turbulenzen intern ein großes Gesprächsthema – und dringen zusehends nach außen.
Bei Branchentreffen werden LBBW-Leute schon gefragt, was bei ihnen eigentlich los sei. Doch von der Aufarbeitung durch die Anwälte, die etliche Gespräche führten, hörten sie bis heute nichts mehr. Auch offiziell ist dazu wenig zu erfahren. Der Betriebsrat wollte sich auf Anfrage „derzeit“ nicht äußern. Eine LBBW-Sprecherin reagierte ebenfalls zurückhaltend: Zum Prüfergebnis könne man so wenig sagen wie zu Inhalten von Gremiensitzungen; da gehe es um Persönlichkeitsrechte sowie um Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse. Die Spitze der Investment-Tochter jedenfalls nehme „die geäußerten Bedenken hinsichtlich möglicher Herausforderungen im Führungsverhalten sehr ernst“. Daher habe sie „direkt nach Bekanntwerden Maßnahmen ergriffen und eine umfassende, unabhängige Prüfung durch Dritte angeordnet“.
Wandel soll die Wettbewerbsfähigkeit sichern
Hintergrund der Unruhe ist offenbar auch, dass der Konkurrenzdruck auf die Investment-Gesellschaft wächst. Angesichts der trüben Wirtschaftslage habe die Tochterfirma „einen nötigen und umfangreichen Change-Prozess zur Stärkung und Erhaltung ihrer Wettbewerbsfähigkeit initiiert“, sagt die LBBW-Sprecherin. Dabei sehe man „Verbesserungspotenzial im innerbetrieblichen Dialog“, das man nun gemeinsam angehe. „Uns ist bewusst, dass Veränderungen Zeit brauchen.“
Bisher sieht es so aus, als ob der Aufsichtsrat zu Hünseler hält. Schon in früheren Jahren gab es wenig Kontinuität auf dem Posten, nun will man will wohl nicht schon wieder einen Wechsel. Der „CIO“ selbst hat von sich immerhin eine gute Meinung. In einem Interview nach prägenden Eigenschaften befragt, nannte er „strukturiert, integer, interessiert“. Sein größter Erfolg im Berufsleben sei es, „langjährige, vertrauensvolle und sehr persönliche Beziehungen“ aufgebaut zu haben.