Unruhe vor Versammlung „Uns droht die Auflösung“ – Historischer Verein Bottwartal sucht junge Führung
Gelingt die Rettung des Historischen Vereins Bottwartal? Wenige Tage vor der Mitgliederversammlung sendet der Verein einen Hilferuf.
Gelingt die Rettung des Historischen Vereins Bottwartal? Wenige Tage vor der Mitgliederversammlung sendet der Verein einen Hilferuf.
Der Historische Verein Bottwartal steht vor einer ungewissen Zukunft. Seit Monaten sucht der traditionsreiche Verein einen neuen ersten Vorsitzenden – bislang vergeblich. Sollte sich niemand finden, droht nach Jahrzehnten engagierter Arbeit die Auflösung.
Hans Wolfgang Bock wirkt besorgt. Der 77-Jährige gehört neben Rolf Lutz und Dietmar Rupp seit Jahren zu den prägenden Gesichtern des Vereins. „Langsam wird es ernst“, sagt er mit Blick auf die Mitgliederversammlung am kommenden Dienstag. Der Verein sei in die Jahre gekommen, viele Aktive gehörten der älteren Generation an. Die Suche nach einer jüngeren Führungspersönlichkeit gestalte sich schwierig.
Dabei steht der Verein keineswegs schlecht da. Finanziell ist man solide aufgestellt: Rund 36.000 Euro befinden sich in den Rücklagen. Auch inhaltlich sendet der Verein Lebenszeichen. Die forschenden Mitglieder haben sich intensiv mit dem Bauernkrieg beschäftigt, der im vergangenen Jahr sein 500-Jahr-Jubiläum feierte.
Zahlreiche neue Erkenntnisse über Mattern Feuerbacher und andere Persönlichkeiten der damaligen Zeit konnten zusammengetragen werden. In diesem Jahr erscheint zudem Band 15 der „Geschichtsblätter aus dem Bottwartal“. Die Publikation genießt einen hervorragenden Ruf – selbst die Eberhard-Karls-Universität in Tübingen führt laut Bock die Bände in ihrem Bestand.
Und doch fehlt es an Nachwuchs. Rund 80 Mitglieder zählt der Verein aktuell, aber Impulse an jüngere Generationen bleiben unbeachtet. Anfragen an Schulen wie das Beilsteiner Herzog-Christoph-Gymnasium oder die Mattern-Feuerbacher-Realschule in Großbottwar seien im Sande verlaufen, berichtet Bock. Man habe versucht, Schulklassen für Aufsätze über den Bauernkrieg zu gewinnen. „Letztlich hat sich kein Lehrer so richtig begeistern lassen“, sagt Bock, der selbst mal Pädagoge war, bedauernd.
Was fehlt, sei möglicherweise ein modernes Konzept, vermutet Bock. Die mediale Überflutung mit professionell aufbereiteten Geschichtsdokumentationen in den TV-Mediatheken mache es lokalen Vortragsformaten schwer. „Die Fernsehsendungen sind oft attraktiver als unsere klassischen Vorträge“, räumt er ein.
Sollte der Verein tatsächlich aufgelöst werden, würde das Vereinsvermögen an die vier Bottwartal-Kommunen Großbottwar, Steinheim, Oberstenfeld und Beilstein fallen. Das wäre ein bitterer Schritt für eine Institution, die über Jahrzehnte regionale Geschichte erforscht, dokumentiert und bewahrt hat.
Doch Hans Wolfgang Bock gibt die Hoffnung nicht auf. „Vielleicht gelingt es doch noch, junge Geschichtslehrer aus der Umgebung zu gewinnen, die mit einem modernen Konzept neue Impulse setzen.“ Die ältere Generation stehe bereit, ihr Wissen weiterzugeben und den Übergang aktiv zu begleiten.