Voll auf die Fresse-Techno-Rap
Es geht um verschiedene Orte im Kessel, die uns am Herzen liegen – unter anderem eben auch um den Feuersee. „Das ist definitiv ein Song, der wie eine Statement-Kette wirkt – voll auf die Fresse von den Lyrics, aber auch vom Musikalischen“, findet die Künstlerin.
Ihre Intention sei dabei gewesen, dass jeder checkt: Okay, es geht um den Feuersee und dass man mitsingen kann. „Und der Song ist recht spontan entstanden. Er ist bestimmt kein lyrisches Meisterwerk, sondern vielmehr das Ergebnis von dem, was gerade in meinem Kopf los war.“
Karibik-Vibes am Feuersee
Ihr Arbeitsweg – Nebenjob, dies, das – führt Lucy, die gerade in den Endzügen ihres Studiums „Audiovisuelle Medien“ an der Hochschule der Medien (HdM) ist (so habe sie zum Ton gefunden), immer am Feier-, äh Feuersee vorbei. Manchmal sei es schön, manchmal trist – „gerade eher so: Karibik“, sagt sie lachend.
Und so fing die 25-Jährige an, sich mit dem eigentlichen Löschteich zu befassen. „Klar, ich kann schon verstehen, wenn Leute den Feuersee nicht so feiern, mit dem Müll – das ist schon nasty (Englisch für eklig). Aber was mich daran stört, auch an so einer generellen Abneigung der Stadt gegenüber, ist, dass man nicht mal versucht, das Schöne daran zu sehen.“
Heimatgefühle für Stuttgart
Es habe sie beschäftigt, lässt sie uns wissen, denn für sie war und ist Stuttgart eine Stadt, die Heimatgefühle in ihr auslöst – und das obwohl sie im Schwarzwald geboren und aufgewachsen ist.
„Es ist immer mehr das, was man daraus macht oder welches Gefühl man dabei bekommt und nicht wo man wohnt, sondern ob man sich zu Hause fühlt“, findet Lucy und stimmt so auch auf die Lyrics der Massiven Töne mit ein, die damals rappten: „Es ist nicht wo du bist, es ist was du machst – herzlich willkommen in der Mutterstadt.“
Die 25-Jährige, die den Kessel auch von seiner kreativen Seite kennt und oft mit der Kultur-Bubble in Berührung kommt, bedauert, dass viele das Potenzial der Stadt am Neckar nicht erkennen. „Die Leute geben Stuttgart keine Chance."
Stuttgart-Passion und let’s fetz
Die Musikerin gibt aber auch zu, dass sie von Anfang an nicht unbedingt der Stuttgart-Passion als solche gefolgt sei, sondern sich eher gedacht habe: Was ist gerade cool in meinem Leben? Dann einfach mal damit gestartet sei. "Und dann ist das daraus geworden“, sagt Lucy, die immer noch überrascht von dem Anklang ist, den die Songs finden.
„Und ich habe richtig Bock darauf, noch mehr Kulturelles aus Stuttgart zu thematisieren und das mit der Musik auch wertzuschätzen. Damit man so ein richtiges Gefühl für Stuttgart bekommt“, beschreibt Lucy den Vibe der Stadt, der erst einmal ihr Vibe ist. Aber eben auch der Vibe einer ganzen Generation zu sein scheint.
Party-Kracher für die ganze Familie
Auf ihren Konzerten, wie zuletzt auch bei der „About Pop“ oder am Österreichischen Platz, tummeln sich schließlich auch viele junge Leute und sogar Familien mit Kindern würden die Party-Kracher des Techno-Fans feiern.
„Ich hätte nicht gedacht, dass meine Songs Kids gefallen könnten.“ Das würde sie schon nice finden, auch wenn die Lyrics jetzt nicht unbedingt kinderfreundlich seien. Aber die Beats treiben eben an und machen Bock auf Tanzen.
Und apropos Kinder, Kindheit und Familie. Lucy zog es mit 18 Jahren aus dem beschaulichen Schwarzwald in den brodelnden Kessel (we wish, dass es immer so wäre). Und wir alle wissen, dass Stuttgart ein großes Dorf ist, aber genau das weiß man hier ja auch zu schätzen.
Schwaben-Baden-Content auf Instagram
Seitdem ist die kreative Künstlerin mit den zwei Zöpfen Stuttgart treu geblieben – bis auf ein Jahr Auslandssemester. „Deshalb werde ich natürlich auch oft damit konfrontiert: Hey, du bist ja eigentlich nicht aus Stuttgart“, erzählt Lucy, die daraus direkt etwas Kreatives in Form von Reels gezaubert hat. „Ich mache so Schwaben-Baden-Content auf Instagram.“
Was ihr außerdem am Herzen liegt: authentisch bleiben! Sie könne diese „Höher, schneller, weiter“-Ambition, auch als einstige Einser-Schülerin, wie sie lachend verrät, nicht nachvollziehen. „Jetzt denke ich mir, nehmt doch einfach das in eurem Leben, was euch Spaß macht und schätzt das wert. Und wenn euch irgendetwas gute Gefühle macht, dann geht dem nach.“
Bock auf Songs über Stuttgart
Und Lucy machen gerade Songs über Stuttgart Spaß. Ob das so bleibt, kann sie nicht versprechen. „Ich will dem, was in meinem Kopf abgeht, folgen, bis es mich nicht mehr bockt.“
So sei es für sie am authentischsten. „Ich will, dass Leute Spaß an meiner Musik haben und wie sollen sie Spaß damit haben, wenn ich keinen Spaß damit habe“, sagt Lucy lachend und lässt ihren Blick über den Feuersee schweifen. Mal schauen, was die ambitionierte Musikerin, die vor drei Jahren mit der Musik angefangen hat und immer ihrem Gefühl folgt, Stuttgart als nächstes schenkt.