Nun folgte der nächste Schritt in der Karriere der noch jungen Sportreporterin: Lea moderierte an der Seite von Sven Hannawald die Vierschanzentournee im Ersten. Vorab erzählte sie uns: „Es ist eine Mischung aus Aufregung und absoluter Vorfreude. Ich habe schon als Kind Wintersport im Fernsehen verfolgt und deswegen totalen Respekt vor dieser Aufgabe. Aber ich freue mich über diese Chance.“
„Wenn dir eine Chance gegeben wird, liegt es an dir, sie zu nutzen“
Chancen – ein Thema, welches vor allem in Facebook-Kommentarspalten gerne diskutiert wird. Oft titeln Medienberichte über die 27-jährige Moderatorin als „die Tochter von“. Klar: Ihr Vater David Wagner ist Fußballtrainer, sie selbst Sportreporterin. Für viele Grund genug, ihre beruflichen Erfolge anzuzweifeln.
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Lea stört das nicht, negative Social Media-Kommentare liest sie schon lange nicht mehr. „Natürlich wird das aufgegriffen. Es stört mich aber nicht. Er ist ja mein Vater, warum sollte mir das unangenehm sein?“ Auf die Zweifler:innen reagiert sie reflektiert und selbstsicher: „Definitiv konnte ich dadurch den ein oder anderen wichtigen Kontakt knüpfen, aber beweisen musste ich mich ganz allein. Wenn dir eine Chance gegeben wird, liegt es an dir, sie zu nutzen.“
“Als Kind war man irgendwann einfach nur noch genervt, wenn die ganze Zeit Fußballspiele zu Hause im Fernsehen liefen“
Zum Journalismus kam Lea mit 15 Jahren über ein Schulpraktikum. Das mit der Sportberichterstattung hatte sich damals so ergeben, die Liebe zum Fußball wuchs über die Jahre heran. „Als Kind war man irgendwann einfach nur noch genervt, wenn die ganze Zeit Fußballspiele zu Hause im Fernsehen liefen“, sagt sie lachend.
Nach ihren ersten journalistischen Steps stand fest: Es muss das Fernsehen sein! Beiträge recherchieren, konzipieren, schneiden, vertonen – und irgendwann dann eben selbst vor der Kamera stehen. Diese Entscheidung gestaltete ihren weiteren Weg: Nach der Schule machte sie ein Praktikum beim Privatsender „BVB Total“, anschließend studierte Lea Crossmedia-Redaktion an der Hochschule der Medien in Stuttgart. Nebenbei arbeitete sie damals bereits als Werkstudentin für den SWR und absolvierte ihr Pflichtpraktikum bei “Sky Deutschland".
Der Weg vor die Kamera
Mit dem Bachelor-Abschluss in der Tasche bewarb sie sich bei mehreren großen Medienhäusern für ein Volontariat. „Ich war damals echt verzweifelt, weil ich mich überall beworben hatte“, erinnert sie sich zurück. Am Ende entschied sich der Regionalsender a.tv. für sie. Lea sieht rückblickend darin einen großen Vorteil: „Das Positive an kleineren Sendern ist natürlich, dass man sehr schnell, viele Aufgaben übernehmen und sich ausprobieren kann.“ So stand Lea hier auch für das Regionalmagazin „Hallo Günzburg“ als Moderatorin vor der Kamera.
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Am Ende ihres Volos kam dann der Anruf von SWR-Sportchef Harald Dietz. “Das war Silvester.” Lea erinnert sich: „Um im Gespräch zu bleiben, habe ich während meines Volontariats immer wieder Mails verschickt mit aktuellen Beiträgen, die wir produziert haben. So nach dem Motto: Schaut mal Leute, was ich da mache. Mir war das echt unangenehm, aber ich weiß, wie wichtig es ist, in dieser Branche sichtbar zu bleiben.“ Und die Ausdauer zeichnete sich am Ende aus. Seit 2018 ist Lea zurück in Stuttgart. Heute moderiert die 27-Jährige unter anderem die Sportsendungen im SWR und ist als Reporterin für die ARD im Einsatz.
Eines ihrer absoluten Highlights war unter anderem ihre erste Public Viewing Live-Schalte während der Weltmeisterschaft 2018 beim Spiel Deutschland gegen Mexiko: “Kurz bevor es losging war mein letzter Gedanke: ‘Okay, was machen die jetzt, wenn ich einfach umkippe? ’” Entwarnung: Niemand ist zu Schaden gekommen.
“In diesem Moment habe ich realisiert, dass ich genau das machen darf, was ich liebe”
Ein weiterer emotionaler Moment, an den sie sich gerne zurückerinnert, ist die Berichterstattung vom Spielrand zur Europameisterschaft, als sie unter anderem die französische Trainer Legende Didier Deschamps interviewte: “Das war zum Spiel Ungarn gegen Frankreich. Als ich ins Stadion eingelaufen bin und am Spielrand stand mit all den grölenden Fans um mich herum, ist mir echt eine Träne übers Gesicht gelaufen. In diesem Moment habe ich realisiert, dass ich genau das machen darf, was ich liebe.”
“Ich kann das heute ganz anders genießen”
Die mitreißende Stimmung, die Emotionen, das Mitfiebern – all das sind genau die Dinge, die Lea am Fußball so begeistern und sich in ihr Herz gespielt haben. “Ich kann das heute ganz anders genießen. Auch vor Sendungen, wenn ich moderiere. Ich freue mich darauf, bin nicht mehr so unsicher wie vielleicht noch vor einigen Jahren.”
Als ausgebildete Journalistin bereitet Lea ihre Interviews selbst vor, recherchiert vorab viel über ihre Interviewpartner:innen und schreibt alle ihre Fragen selbst – von wegen Teleprompter. “Ich finde es wirklich super spannend, zu erfahren, wer mir da gegenübersitzt.” Auch wenn sich die Aufregung gelegt hat, die Selbstkritik ist geblieben: “Wenn ich nach einer Sendung ein ungutes Gefühl habe, schau ich mir alles noch einmal an und schreibe dann auf, was ich verbessern kann."
Bewusste Zeit für Ruhepausen
Früher vor allem vom Ehrgeiz getrieben, ist Lea heute ruhiger. In den vergangenen Jahren hätte sie viel an sich gearbeitet – an ihren Umgang mit Stress, Druck von außen und vor allem ihren eigenen Erwartungen. Sie genießt die Ruhe im privaten Umfeld mit Freunden und Familie. “Ich schreibe auch Journal, meditiere, mache viel Yoga. Ich nehme mir bewusst Zeit für Pausen.”
Es kommt auf die richtige Balance an
Heute Stuttgart, morgen Köln, dann Frankfurt. “An das ständige Reisen bin ich gewöhnt, den Koffer packe ich fast schon automatisch.” Die Vorstellung, dass sie eine Person des öffentlichen Lebens ist, stört sie manchmal. Doch auch hier gilt: achtsam sein. “Ich bin ein Familienmensch und weiß, wie wichtig es ist, ein stabiles Umfeld sowie Orte und Menschen zu haben, die mein Zuhause sind.” Karriere machen und trotzdem ein erfülltes Privatleben haben? Das geht! Am Ende komme es auf die richtige Balance an: “Ich habe gelernt auf meinen Körper zu hören und werde glaube immer besser darin, die richtige Balance zu finden.”