Die drei Stuttgarterinnen Sara Dahme, Elisabeth Beha und Ninette Sander (von links) haben am Samstagabend das Projekt mit dem Namen „Interflux“ offiziell präsentiert. Foto: Lichtgut/Philip Mallmann
Den Fußgänger-Tunnel der U-Bahn-Haltestelle Rathaus haben viele Stuttgarter lange gemieden. Dann wagten drei Frauen eine Neugestaltung der „bisher hässlichsten Unterführung der Stadt“.
Dieser Ort war „versifft“ und galt als „Pissrinne“, sagt eine Frau am Samstagabend in der Unterführung der Stuttgarter U-Bahn-Haltestelle Rathaus in Richtung Leonhardsviertel: „Man wollte hier schnell durch.“ Viele Stuttgarter hätten den Fußgänger-Tunnel unter der Hauptstätter Straße lange Zeit gemieden, hört man am Samstag bei der offiziellen Vorstellung des Projekts „Interflux“, das den Ort künstlerisch neu beleben möchte.
Drei Stuttgarterinnen hatten vor drei Jahren die Idee, der unbeliebten Unterführung neues Leben einzuhauchen. Heute zieren verschiedene künstlerische Werke den Weg ins Leonhardsviertel: Auf einer Seite laden gesellschaftskritische Plakate zum Diskurs ein, auf der anderen zeigen sich bunte Motive, die sich zwischen Graffiti, Pop und abstrakter Malerei bewegen –entstanden aus Fragmenten alter Plattencover.
Beim Blick auf den Boden fällt ein roter Teppich auf: Kombiniert mit fiktiven Logos an der Wand erweckt es beim Betrachter den Eindruck, als würden dort gleich Prominente im Blitzlichtgewitter der Kameras auftauchen. An diesem Samstagabend aber posieren hier die drei Frauen, die das Projekt seit 2022 planen: Ninette Sander, die frühere Betreiberin des kürzlich geschlossenen Clubs White Noise, die SPD-Stadträtin Sara Dahme und Elisabeth Beha.
Künstler haben sich in der Unterführung der U-Bahnhaltestelle Rathaus ausgetobt. Foto: Lichtgut/Philip Mallmann
„Bisher war das die hässlichste Unterführung der Stadt – und wir versuchen das bisschen schöner zu machen“, sagt Dahme. Es sei ein „harter, steiniger Weg mit Tiefen, Irritationen und Missverständnissen“ gewesen, berichtet die Stuttgarterin und spielt auf die Zusammenarbeit mit der Stadt Stuttgart an. Aus dem Rathaus gab es zwar eine Förderung für das Projekt, doch bis alles umgesetzt werden konnte, waren etliche Absprachen nötig. „Man muss genau wissen, wie viel Zentimeter Klebeband man links und rechts anbringt“, berichtete Dahme scherzhaft über die bürokratischen Hürden.
Weitere Kunstwerke und Veranstaltungen sollen dazukommen
Doch der Aufwand hat sich gelohnt: Zig Künstler meldeten sich mit Skizzen und ihren Vorschlägen für die Gestaltung der Unterführung. „Das ist total viral gegangen“, sagt Dahme. Am Samstagabend spricht auch Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle ins Mikrofon, sie hat das Projekt von Anfang an begleitet: „Wir haben öffentliche Orte, an denen man sich nicht wohlfühlt“, sagt sie: „Diese Unterführung war ein Lost Place, ein Angstraum.“ Jetzt habe er sich in einen „Schutzraum“ verwandelt.
Das kann auch die Frau, die von der „Pissrinne“ gesprochen hatte und sich nun mit ihrem Mann die Kunstwerke anschaut, bestätigen: „Es wurde jetzt sehr aufgewertet.“ Und die drei Stuttgarterinnen sind mit „Interflux“ und ihren Ideen für den Ort noch lange nicht am Ende, kündigt Ninette Sander an: „Es sollen noch weitere Kunstwerke und Veranstaltungen dazukommen.“