US-Amerikaner ist neuer Papst Stuttgarter Stadtdekan: „Leo XIV. ist ganz sicher nicht Trumps Pope“

Zuversicht nach der Papstwahl: Stadtdekan Christian Hermes Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Das ging schnell. An diesem 8. Mai – einem geschichtsträchtigen Datum – haben die Kardinäle im Vatikan einen neuen Papst gewählt, aufmerksam verfolgt von Katholiken weltweit. Auch von dem Stuttgarter Stadtdekan Christian Hermes. Seine Reaktion.

Stadtleben/Stadtkultur: Jan Sellner (jse)

Christian Hermes, katholischer Stadtdekan in Stuttgart, findet lobende Worte für den ersten US-Amerikaner auf dem Papststuhl, Robert Francis Prevost, der jetzt Papst Leo XIV. ist. Vor möglichen „Vereinnahmungsversuchen“ durch US-Präsident Donald Trump sieht er den neuen Papst gefeit. Hermes traut ihm zu, ein echter Brückenbauer zu sein.

 

Herr Hermes, das Konklave hat entschieden, was sagen Sie zum neuen Papst – einem US-Amerikaner?

Zunächst mal ist es für die ganze Kirche das, was der Protodiakon verkündet: „Magnum Gaudium“ – also „eine große Freude“, dass dieses wichtige Amt an der Spitze einer Kirche von 1,4 Milliarden Mitgliedern wieder besetzt ist. Das ging relativ schnell, was zeigt, dass es rasch eine große Einmütigkeit und Mehrheit gab. Das ist schon mal ein gutes Zeichen.

Was wissen Sie von ihm, wie schätzen Sie ihn ein?

Robert Prevost, ab jetzt Papst Leo XIV., ist Ordensmann aus dem Augustinerorden. Er war über zehn Jahre Bischof in Peru und seit 2023 als Präfekt des Dikasteriums für die Bischöfe sozusagen oberster Personaler des Papstes. Das heißt: Er hat Erfahrung in der kirchlichen Basis-Arbeit in Lateinamerika.

Er bringt die Erfahrung einer alten und bedeutenden Ordensgemeinschaft mit. Und er ist sehr weit vernetzt, weil er die Bischöfe und die Situation der Kirche weltweit kennt. Der Papst-Name Leo knüpft an einen Papst, der mit großer Energie die sozialen Spannungen seiner Zeit am Ende des 19. Jahrhunderts angesprochen und die Würde des Menschen verteidigt hat.

Hat Sie die Entscheidung überrascht oder war mit dieser Personalie zu rechnen?

Dass Robert Prevost auf keiner der vielen Listen stand, bestätigt einmal wieder die Regel: Wer als Papst ins Konklave geht, kommt als Kardinal wieder heraus. Spannend ist, dass er als Amerikaner sich vermutlich wie kein anderer gegen Vereinnahmungsversuche durch den größenwahnsinnigen US-Präsidenten, der sich ja selbst schon als Papst fantasiert hat, positionieren muss.

Robert Francis Prevost ist der neue Papst. Foto: Marijan Murat/dpa

Wichtig ist zu verstehen: Ein Papst hat eine Herkunft. Aber ein Papst hat keine Nationalität. Ab Sekunde eins weiß Papst Leo XIV., dass er nun für alle Gläubige und für die ganze Welt da ist.

Es wär also falsch zu sagen, dass Donald Trump jetzt irgendwie auch Papst ist?

Ja. Leo XIV. ist ganz sicher nicht „Trumps Pope“!

Welche Erwartungen haben Sie an den neuen Papst?

Der Papst ist zunächst geistliches Oberhaupt, deshalb wünschen wir uns einen Papst mit Charisma, Geist und Ausstrahlung, der authentisch den Glauben bezeugt. Aber natürlich sollte er auch als monarchisches Oberhaupt dieser großen Glaubensgemeinschaft in der Lage sein, gut und verantwortungsvoll zu leiten, zu bestärken und zu motivieren, in der Kirche und auf der globalen Bühne die wichtigen Themen anzusprechen.

Da bin ich sicher, dass Papst Leo XIV. sowohl seine Erfahrung im Bischofsamt als auch im Vatikan, und vor allem seine Vernetzung zu den Bischöfen einbringen kann. Er muss gut zuhören und dann auch gut leiten können, also ein „pontifex“ – „Brückenbauer“ – sein.

Wo sollte er den Weg seines Vorgängers Franziskus fortsetzen, wo sind neue Wege und Akzente notwendig?

Die Aufmerksamkeit für die Schmerzpunkte dieser Welt: Kriege, die ökologische Krise, Ungerechtigkeit und Not ist gar nicht mehr wegzudenken von der Agenda eines Papstes. Da wird er der Welt hoffentlich unermüdlich ins Gewissen reden.

Für die Kirche wird es darauf ankommen, den sehr wichtigen Prozess der Weltsynode fortzusetzen. Das heißt Wege zu finden, wie Einheit und Verschiedenheit jenseits von Uniformität oder Zersplitterung gelingt, nämlich durch Dialog, Hören und konstruktive Lösungssuche. Die Kirche kann dann ein Vorbild sein, gerade auch in einer vielfach gespaltenen Welt.

Welche konkrete Erwartung haben Sie noch an sein Pontifikat?

Auch vor dem Hintergrund unserer deutschen Situation und Diskussion ist es mir persönlich über diese Themen hinaus wichtig, dass die auch anderswo drängenden Reformthemen vorankommen.

Dazu gehört die Frage der Gleichberechtigung in der Kirche, die konsequente Aufarbeitung und Verhinderung von Missbrauch, die Wertschätzung und Beteiligung der Gläubigen. Gerade hierzulande erwarten das viele, und für sehr viele hängt die Glaubwürdigkeit der Kirche wesentlich davon ab. Auch für mich selbst als Priester dieser Kirche.

Ein neuer Papst am 8. Mai – 80 Jahre nach Kriegsende. Wollten die Kardinäle mit der Entscheidung an diesem Tag auch eine Art Friedenssignal senden?

Das glaube ich nicht. Das Konklave mit der Ordnung der Wahlgänge läuft nach seiner eigenen Dramaturgie, und dann war eben heute am 8. Mai die Zweidrittelmehrheit erreicht. Aber im Hintergrund steht das Datum natürlich nicht nur für uns Deutsche. Und gerade die Beisetzung von Papst Franziskus hat ja gezeigt, dass auch heute der Papst eine ganz wichtige symbolische Figur auch in der Weltpolitik ist.

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