US-Garnison Stuttgart US-Elitesoldaten gehen – was der Abzug für die Region Stuttgart bedeutet

US-Elitesoldaten der „Green Berets“ bei einem Manöver im Frühjahr 2022 in Griechenland. Foto: imago/piemags

Die USA stellen ihre Spezialkräfte neu auf: Die „Green Berets“ ziehen aus der Region Stuttgart nach Baumholder in der Pfalz. Für Böblingen könnte der Abzug weniger Schießlärm bringen.

Lange geplant und vorbereitet beginnt die Großoperation nun richtig: US-Spezialeinheiten, seit Anfang der 90er-Jahre in der Böblinger Panzerkaserne untergebracht, ziehen in die Smith Barracks in Rheinland-Pfalz. „Der Abzug der Spezialkräfte hat begonnen“, teilte eine Sprecherin des Europakommandos der Spezialkräfte (Soceur) in Stuttgart mit.

 

„Zu den stationierten Kräften, die umziehen, gehört das Erste Bataillon der Zehnten Spezialkräfte-Gruppe“, sagt die Sprecherin weiter. Die Elitesoldaten sind besser bekannt als „Green Berets“ – nach ihrem Markenzeichen: den grünen Baretten. Ob zu den umziehenden US-Eliteeinheiten auch die zu den Navy Seals zählende Naval Special Warfare Unit 2 gehört, wie in US-Medien berichtet, will die Sprecherin nichts sagen. Das US-Militär umgibt seine Eliteeinheiten stets mit dem Schleier höchster Geheimhaltung.

Hauptquartier der Spezialkräfte bleibt in Stuttgart

Das Hauptquartier der US-Spezialkräfte für Europa soll in Stuttgart bleiben. Laut US-Spezialkräfte-Kommando soll der Großteil der in Böblingen stationierten Soldaten im Lauf des Jahres nach Rheinland-Pfalz übersiedeln. 2028 soll der bereits 2022 angekündigte Umzug – die größte Neustationierung von Spezialkräften seit 2012 – abgeschlossen sein.

Konkreter äußerte sich zu Jahresbeginn Oberst Jeffery Higgins, der Standortkommandeur der US-Garnison in Rheinland-Pfalz: Es gehe um etwa 1500 Personen, Soldaten, Familienangehörige und Zivilisten. „Die Mehrheit der Soldaten und deren Familien werden zwischen Mai und Juli nach Ende des US-Schuljahres erwartet“, zitiert die „Saarbrücker Zeitung“ aus einem Gespräch mit dem Baumholder Bürgermeister. Weitere kleinere Kontingente würden im Lauf des Jahres folgen.

Bisheriger Standort der US-Spezialkräfte: die Böblinger Panzerkaserne Foto: imago/Eibner

Die Verlegung der Spezialkräfte wird in der Region Stuttgart wohl von vielen begrüßt und in der Pfalz gefeiert. Jahrelang hatten Bewohner in Böblingen und Schönaich nahe einer US-Schießanlage über den lauten Schießlärm geklagt, wenn „Green Berets“ und Navy Seals dort trainierten. Baumholder mit rund 4500 Einwohnern in der strukturschwachen Nordwestpfalz dagegen bemühte sich um mehr Militärpräsenz und setzt auf den ökonomischen Segen durch seine US-Neubürger.

Viel Platz zum Üben in Baumholder

Als Grund für die Umsiedlung gibt das US-Militär „Überfüllung in Einrichtungen der US-Army-Garnison Stuttgart“ an. In der Tat ist der Größenunterschied der beiden Übungsgelände riesig: Während der Böblinger Standortübungsplatz nahe der Panzerkaserne 600 Hektar, rund 840 Fußballfelder, umfasst, ist der Übungsplatz in Baumholder mit 11.000 Hektar 18-mal größer. Zudem ist durch die nahen US-Luftwaffenstützpunkte Spangdahlem und Ramstein eine schnelle Verlegefähigkeit für die Spezialeinheiten gegeben.

Der Aufwand, den das US-Militär für die Umsiedlung betreibt, ist beträchtlich: Umgerechnet mehr als 1,1 Milliarden Euro investiert die US-Army in Modernisierung und Ausbau des Standortes Baumholder – unter anderem für neue Kasernengebäude, Schulen und Wohnungen.

Nach ihrem Selbstverständnis sind US-Elitesoldaten „stille Profis“ (quiet professionals), weil sie geheime Missionen ausführen, in der Regel ohne öffentliche Anerkennung. Im Kalten Krieg gegen den Kommunismus gegründet üben und kämpfen die „Special Forces“ an der Seite ausländischer Verbündeter. In Europa lautete das Motto zuletzt „Zurück in die Zukunft“: Spätestens seit der russischen Annexion der Krim 2014 trainieren „Green Berets“ und Navy Seals Unterstützungsmissionen für örtliche Widerstandskräfte in Osteuropa, dem Baltikum, auf dem Balkan und in Afrika.

„Schießübungen in Böblingen nicht mehr so laut“

Wie die US-Standortverwaltung mitteilt, hat der Abzug der US-Spezialkräfte nur „geringe Auswirkungen“ auf den Betrieb der umstrittenen Schießanlage: „Mehr als 30 Einheiten“, darunter US-Militärpolizei und Fernmelder, aber auch deutsche Polizei und Bundeswehr, „werden das Standortübungsgelände Böblingen und den Panzer-Schießstand weiter nutzen“, so eine Sprecherin. Ein US-Insider wagt eine beruhigende Prognose: „Die Schießübungen werden bei Weitem nicht so zahlreich und so laut sein wie die unserer Spezialkräfte.“

Die für US-Gelände in Deutschland zuständige Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) teilt mit, dass die US-Seite offenbar nicht daran denkt, den Böblinger Übungsplatz in naher Zukunft an Deutschland zurückzugeben: Der „militärische Bedarf“ besteht „nach unseren Informationen unverändert fort“. Das US-Militär ließ Fragen dazu unbeantwortet.

Die Politik in der Region kann mit dem US-Abzug gut leben. „Jede Minderung des Schießlärms“ sei für die Bewohner seiner Stadt „positiv zu werten“, sagt der Böblinger Oberbürgermeister Stefan Belz. Im Rückblick äußert der Grünen-Politiker aber auch Verständnis für die Belange der US-Streitkräfte, mit denen Böblingen seit Jahrzehnten „gesellschaftlich und im partnerschaftlichen Miteinander“ lebe. Die wirtschaftlichen Folgen des Abzugs nimmt er gelassen. Er fügt hinzu: Derlei Standortentscheidungen seien „Teil übergeordneter sicherheitspolitischer Strategien, die außerhalb des kommunalen Einflussbereichs liegen“.

Fundamentale Spannung in Trumps Politik

Und auf diesem Gebiet offenbart sich eine Spannung in der Politik von US-Präsident Donald Trump: Während die Administration immer wieder gegenüber Deutschland und Europa ausfällig wird und Grönland bedroht, ist sein Militär – wie derzeit im Krieg mit dem Iran – auf die Stützpunkte der Verbündeten angewiesen. Drohungen der USA gegen Alliierte müssten mit einem Preisschild versehen werden, forderten kürzlich die Grünen. Auf einer Liste des Kanzleramts mit potenziellen Druckmitteln gegenüber den USA steht dem Vernehmen nach unter anderem der US-Stützpunkt Ramstein.

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