US-Geschäft bricht ein Trumps Zollpolitik hinterlässt Spuren in Baden-Württemberg

Die Masse an Autos und Autoteilen, die aus Baden-Württemberg in die USA ausgeführt werden, ist 2025 um 13,4 Prozent gesunken. Foto: dpa

Die Exportleistung der Industrie im Südwesten ist 2025 stabil geblieben, das Geschäft mit den USA ging aber um 12,7 Prozent zurück. Trumps Zollpolitik sei „Gift“, heißt es.

Lokales: Alexander Ikrat (aik)

Wer gedacht hatte, dass die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA vom vergangenen Freitag ein Gewinn für Unternehmen in Baden-Württemberg sein könnte, sah sich bald getäuscht. Das Gericht hatte zwar einen bedeutenden Teil der von US-Präsident Donald Trump verhängten Importzölle für unzulässig erklärt und tatsächlich wurden diese nach einem wirtschaftlichen Notstandsgesetz erhobenen Zölle in Höhe von pauschal 15 Prozent auch am Dienstag ausgesetzt. Aber schwuppdiwupp traten um Mitternacht die Nachfolger in Höhe von mindestens 10 Prozent auf einer anderen Gesetzesgrundlage in Kraft.

 

„Die Unsicherheit im US-Geschäft bleibt hoch“, sagt der Präsident der IHK Region Stuttgart, Claus Paal dazu – „und sie ist Gift für eine Industrie, die auf langfristige Planung angewiesen ist.“ Dass die unberechenbare Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump deutliche Spuren im Südwesten hinterlässt, zeigen frische Zahlen der IHK, die unserer Zeitung exklusiv vorliegen.

13 Prozent aller Exporte aus dem Südwesten gehen in die USA

Demnach sind die baden-württembergischen Exporte in die USA im vergangenen Jahr um 12,7 Prozent eingebrochen – auf rund 30 Milliarden Euro. Die USA sind zwar immer noch der mit Abstand wichtigste Markt für die hiesige Industrie, der Anteil ist aber im dritten Jahre in Folge geschrumpft. 2023 um 7,6 Prozent, 2024 um 4,3 Prozent. Der Gesamtanteil an allen Ausfuhren sank in diesem Zeitraum von knapp 15 auf rund 13 Prozent.

Im vergangenen Jahr traf es mehrere Branchen besonders hart: Pharmazeutische Erzeugnissen wurden um fast 20 Prozent weniger in die USA exportiert, Autos und Autoteile 13,4 Prozent weniger und Maschinenbauprodukte mit einem Minus von 12,8 Prozent. „Seit einem Jahr erleben wir, wie politische Entscheidungen in Washington unmittelbar auf Auftragsbücher, Investitionspläne und Standortentscheidungen im Südwesten durchschlagen“, sagt IHK-Präsident Paal, „die verschärfte US-Zollpolitik trifft unsere exportorientierten Unternehmen ins Mark, unsere Unternehmen wissen nicht, welche zusätzlichen Belastungen morgen gelten“.

US-Zollpolitik trifft baden-württembergische Unternehmen ins Mark: Claus Paal Foto: Lichtgut

Nach den Zahlen der IHK ging auch das Geschäft mit China im vergangenen Jahr zurück: um 15 Prozent auf 13,4 Milliarden Euro. Hier traf es am härtesten die Automobilindustrie mit einem Minus von knapp 37 Prozent. Der Anteil Chinas an allen Ausfuhren ging innerhalb von zwei Jahren von 8 auf 6 Prozent zurück.

Die Schweizer sind scharf auf Pharmazie und Metalle

Dass die baden-württembergischen Exporte 2025 dennoch leicht um 0,6 Prozent zulegten, liegt an der Europäischen Union. Die Exporte in die EU stiegen auf 48,7 Prozent aller Ausfuhren. Das Geschäft mit der Schweiz stieg vor allem bei Pharmazie und Metallen um 22,2 Prozent auf 24,6 Milliarden Euro, jenes mit Spanien um 9,1 Prozent, mit Polen gab es ein Plus von 7,3 Prozent.

Auf die Kraft Europas setzt Claus Paal: „Die Europäische Union muss ihre wirtschaftliche Schlagkraft stärken: durch konsequente Diversifizierung von Lieferketten und vor allem durch zügige, substanzielle Handelsabkommen mit verlässlichen Partnern weltweit.“ Offene Märkte seien keine Option, sondern die Geschäftsgrundlage der Exportregion Baden-Württemberg.

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