Seine Architektur war eigenwillig und zukunftsweisend: Mit lokalen Visionen zu einem Weltarchitekten endete in Leonberg eine Veranstaltungsreihe zu Ehren von Frei Otto.

Mit zahlreichen Veranstaltungen hate Leonberg an den berühmten Architekten Frei Otto erinnert, der in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre. Bis zu seinem Tod im Jahr 2015 hat er viele Jahrzehnte im Leonberger Teilort Warmbronn gelebt. Dort fanden nun die letzten Veranstaltungen statt, die sich dem durch seine eigenwillige, zukunftsweisende Architektur in Leichtbauweise bekannt gewordenen Architekten widmeten. Nach einem Symposium über Frei Ottos gestalterische Visionen waren „Lokale Visionen“ das Thema einer Gesprächsrunde in der Rolf-Wagner-Halle.

 

Zwar hat Frei Otto an vielen Orten auf der Welt Spuren seines Wirkens hinterlassen, etwa das berühmte Zeltdach des Olympiaparks in München für die Olympischen Spiele 1972, die Multihalle in Mannheim für die Bundesgartenschau 1975 und viele andere große Arbeiten im In- und Ausland. Als Wissenschaftler, Forscher und Hochschullehrer hat er auch das Institut für Leichte Flächentragwerke an der Universität Stuttgart gegründet. Doch in Leonberg selbst, wo er lange gelebt hat, gibt es nur drei Arbeiten von ihm: den Christian-Wagner-Brunnen, sein privates Wohnhaus samt Atelier in Warmbronn sowie einen gewerblich genutzten Zeltpavillon im Stadtteil Ramtel.

Baummodell für den Christian-Wagner-Brunnen

Der Stuttgarter Architekt Bodo Mahmoud Rasch (links) im Gespräch mit dem Moderator Martin Prösler. Foto: Simon Granville

In einem längeren Interview beschrieb der Stuttgarter Architekt Bodo Mahmoud Rasch, ein langjähriger beruflicher Begleiter von Frei Otto („Ohne Frei Otto wäre ich überhaupt nichts geworden“ lautete sein Schlusssatz) seine Zusammenarbeit mit dem international renommierten und vielfach ausgezeichneten Architekten. Bodo Mahmoud Rasch hat sich vor allem durch große Schirm-Projekte, besonders auch im Mittleren Osten, einen Namen gemacht.

Ein deutliches kleineres Projekt war dagegen der 1995 eingeweihte Christian-Wagner-Brunnen. Christiane Hug-von Lieven vom Gemeindeverein Warmbronn schilderte, wie Frei Otto dazu kam. „Bei uns leben viele Menschen, mit denen er Kontakt hatte.“ Ab und zu sei er bei Festen vorbeigekommen und habe sich für den Ort interessiert. Als man sich in Warmbronn darüber klar gewesen sei, dass ein neuer Brunnen gebaut werden solle, sei man an Frei Otto herangetreten. Der Architekt habe dann das Modell eines Baums entworfen, was sensationell gewesen sei, sei doch der Dichter Christian Wagner als Naturphilosoph selbst seiner Zeit weit voraus gewesen.

Wohnhaus Frei Ottos ist als Denkmal eingestuft

Der Brunnen stehe nicht nur an der falschen Stelle, sondern sei auch zu klein geraten, sagte Laurent Lacour, Designer mit Büro in Frankfurt, Hochschullehrer in Düsseldorf und „leidenschaftlicher Warmbronner“, wie der in dem Ort aufgewachsene 53-jährige Wissenschaftler bekundete. Lacour brachte das Gespräch rasch auf das „wunderschöne Wohnhaus“ von Frei Otto auf der Warmbronner Halbhöhe, das als Denkmal eingestuft und seit Jahren ungenutzt sei. „Da sollte man dringend ran“, sagte Lacour, nicht, damit das Haus das gleiche Schicksal erleide wie das Wohnhaus des Künstlers Otto Hajek in Stuttgart. Er könne sich eine Bürgerinitiative vorstellen, die das Gebäude erwerbe, das für 1,8 Millionen Euro angeboten worden sei. Damit könne man dann etwa ein Residenzprogramm für dort lebende und arbeitende Studenten anbieten. „Es müsste doch möglich sein, mithilfe von Mäzenen ein Kulturdenkmal, eingebettet in eine wunderschöne Landschaft, zu erhalten“, mutmaßte Laurent Lacour.

Er habe in dieser Sache schon vor zwei Jahren an Ministerien und Verantwortliche geschrieben, sagte Wieland Storek. Das habe aber bisher zu nichts geführt, erläuterte der Leonberger Kaufmann und Mitbegründer des Galerievereins. Storek hatte Frei Otto schon vor vielen Jahren gebeten, für ihn ein Geschäftshaus in Leonberg zu bauen. „Von Ihnen muss doch ein Gebäude in Leonberg stehen“, habe er zu ihm gesagt. In der Folge entstand der heute noch sichtbare Pavillon in der für Frei Otto typischen Zeltbauweise.

Auf die Frage, was sie sich denn noch von Frei Otto gewünscht hätte, antwortete Christiane Hug-von Lieven, das wäre die neue Grundschule gewesen. „Die hätte ich mir wunderbar vorstellen können, das wäre ein Traum gewesen.“