Nun darf er in Ruhestand gehen. Zwei Jahre hat Veranstaltungschef Andreas Kroll länger gemacht als geplant. Am Freitag ist er verabschiedet worden.
Das große Tamtam ist seine Sache nicht. Doch an diesem Abend in der Liederhalle kommt Andreas Kroll nicht drum rum. Er steht im Mittelpunkt. Zwangsläufig. 200 Gäste sind wegen ihm gekommen, um ihn nach 21 Jahren als Chef der Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart zu verabschieden.
Es ist ein ziemlicher Auftrieb. Man könnte hier treffend über das Veranstaltungswesen in Stuttgart und seine Zukunft diskutieren, fast jeder, der in dieser Stadt damit zu tun hat, Menschen zu unterhalten, ist da. Zudem schauen Kollegen aus Hamburg, Bremen und München vorbei, aus München kommt auch der ehemalige Finanzvorstand des VfB, Rouven Kasper, mittlerweile als Marketingchef in Diensten des FC Bayern. Er bringt ein Bayern-Trikot mit, hintendrauf „Andreas“.
Alt-OB Wolfgang Schuster ist da, der frühere Messechef Rainer Vögele, der Wirt im Ruhestand Hans-Peter Grandl, die Bürgermeister Peter Pätzold, Thomas Fuhrmann, Clemens Maier, viele Stadträte, Tourismusdirektor Armin Dellnitz. Solche Abschiede sind ja ziemlich delikat, über manchen wabert ungesagt: Endlich ist er fort. Andere klingen wie Nachrufe, alle krampfen sich einen ab, ein paar Komplimente raus zu kramen, ohne lügen zu müssen.
An diesem Abend ist das anders. Es ist natürlich haufenweise Lob, das sich über Kroll ergießt. Egal ob Fuhrmann, Schuster, sein Mit-Geschäftsführer Martin Rau, Landesbauernverbandschef Joachim Rukwied, Ministerialdirektorin Isabel Kling, sie alle würdigen dessen Arbeit, aber vor allem auch den Menschen Andreas Kroll, seine Integrität, seine Zuverlässigkeit, seine Zugewandtheit. Dem Anlass angemessen, könnte man sagen. Doch nicht nur von der Bühne, auch danach im Saal, im Gespräch, hört man dasselbe, auch von den vielen Mitarbeitern, die gekommen sind.
Die Menschen mögen ihn. Obwohl, oder gerade weil er nie den großen Zampano gegeben hat. Sich stets als Teil eines großen Ganzen verstanden hat. Auch wenn er seine Leute immer gefordert hat. Ging auch nicht anders. Schließlich haben sie in den Jahren nach 2005 das Veranstaltungswesen neu aufgebaut. Und der damalige OB eine Ideenmaschine war. „Wenn ich mit zwei Anliegen zu Wolfgang Schuster kam, bin ich mit vier neuen Aufgaben wieder raus“, erinnert sich Kroll.
Nun geht er. Mit 67. Doch bevor er in den Weinberg und aufs Segelschiff entschwinden darf, muss er erst einmal den Staffelstab an seinen Nachfolger Guido von Vacano übergeben. Auf der Bühne würdigt von Vacano seinen Vorgänger, bedankt sich für dessen Angebot jederzeit mit Rat zur Seite zu stehen. Was durchaus hilfreich sein kann, wenn man Yeti-große Fußstapfen ausfüllen muss.
Am Ende muss auch Kroll noch einige Worte sagen, hinterlässt einen Wunschzettel: Investition in eine neue Arena, „wir brauchen die Infrastruktur, um den Erfolgsweg fortzusetzen“. Und dass Stadt und Land die Stärken von Easy Ticket erkennen, und alle ihre Veranstaltungen dort anbieten, dass es ein wirklich starkes regionales Ticketsystem wird. Und dass er 2055 zur 50-Jahr-Feier von in.Stuttgart noch fit sei. „Dann komme ich vorbei, wenn ich eingeladen werde.“ Dann aber ohne großes Tamtam.