So wie jetzt rund um den Bahnhof wird den Autofahrern in Bietigheim auch in den kommenden Monaten viel Geduld abverlangt. Foto: Simon Granville
Bald geht die Sanierung in Bietigheim in die nächste Phase. Schon in den vergangenen Monaten kochten Emotionen über – nun befürchten Pendler und Anwohner ein neues Verkehrschaos.
Die Autofahrer müssen sich in Bietigheim weiterhin auf Staus und lange Wegezeiten einstellen. Ende April soll der fünfte Abschnitt der Sanierung der B27 beginnen. Die Geduld von Pendlern, Anwohnern und anderen, die sich tagtäglich durch die Baustelle quälen müssen, wurde bereits in den zurückliegenden Monaten zum Teil überstrapaziert. Eine Entspannung ist aber nicht in Sicht.
„Im Sommer lagen die Nerven blank“, sagte Baubürgermeister Michael Wolf bei einem Bürgerinformationsabend am Montagabend im Kronenzentrum. Arbeiter auf der Baustelle seien von Autofahrern beschimpft worden. Die Maßnahme bringe alle an die Grenzen dessen, was verkraftbar sei. Um den Schmerz aber so gering wie möglich zu halten, seien mehrere Schritte gebündelt worden.
Fehlplanung und langsames Arbeiten kritisiert
Auch in den sozialen Medien hatten zuletzt wieder einige ihrem Frust und Ärger Luft gemacht. „Es dauert viel zu lange“, ist bei Instagram zu lesen. Von einer Fehlplanung und Unfähigkeit ist mehrfach die Rede. Zudem wird dort und auf der Facebook-Seite der Stadt immer wieder kritisiert, dass keine oder zu wenige Arbeiter auf den Baustellen zu sehen seien. Dieser Hinweis wurde nun auch beim Infoabend wiederholt.
Andreas Klein, Leiter des Baureferats West beim Regierungspräsidium Stuttgart, ging auf diese und andere Aspekte ein. So sei für die Autofahrer nicht immer ersichtlich, dass auf der Baustelle jemand tätig sei. In der Tiefe, wo an Leitungen gearbeitet werde, würden die Arbeiter beispielsweise von oben nicht bemerkt.
„Die Firmen haben einfach nicht mehr das Personal.“
Andreas Klein, Leiter des Baureferats West beim Regierungspräsidium Stuttgart
Nach Auskunft von Klein ist der Fachkräftemangel in der Baubranche angekommen. „Die Firmen haben einfach nicht mehr das Personal“, betonte er. Bislang wurde an der Bundesstraße nur im Ein-Schicht-System gearbeitet. Für die noch anstehenden Arbeiten sei aber ein Zwei-Schicht-Betrieb ausgeschrieben. Der Fachmann bat jedoch um Verständnis, dass dem Regierungspräsidium in mancher Hinsicht die Hände gebunden sind. „Wir können nicht mit einer Peitsche danebenstehen“, sagte Klein. Vertragsstrafen würden von den Unternehmen eingepreist.
Mehrfach sind im Untergrund der Bundesstraße Leitungen aufgetaucht, mit denen man nicht gerechnet habe. Auch weitere unangenehme Überraschungen hatten den Fortschritt der Arbeiten im vergangenen Jahr verzögert. Derzeit läuft an der Bundesstraße der vierte Bauabschnitt zwischen dem Bahnhof und der Geisinger Straße. Er sollte ursprünglich zum Jahresende abgeschlossen sein. Der Vertreter des Regierungspräsidiums räumte ein, es sei ein Fehler gewesen, die Verzögerung nicht bereits am Ende des Sommers kommuniziert zu haben.
Baubürgermeister schwört auf schwierige Zeit ein
In rund sechs Wochen soll der vierte Bauabschnitt nahtlos in den fünften übergehen. Dann wird das B27-Stück zwischen der Geisinger und der Großingersheimer Straße saniert. Der Verkehr kann in diesem Bereich in jede Richtung nur einspurig fließen. Die Bauzeit ist auf acht Monate angesetzt. Auch in Abschnitt fünf sollen verschiedene Arbeiten parallel laufen. „Dies wird wieder eine Herausforderung sein“, kündigte Wolf an.
Weil auch die Auwiesenbrücke in dieser Zeit saniert und dafür komplett gesperrt werden soll, hat die Stadt eine Umleitungsstrecke über die Karl-Mai-Allee, Löchgauer Straße, Hiller- und Farbstraße vorgesehen. Wird die Hillerstraße dann zum Nadelöhr? Diese Sorge treibt einige Einwohner um. „Ich habe Angst, dass es wieder im Chaos endet“, fasste ein Zuhörer am Montagabend seine Bedenken zusammen und erhielt dafür Applaus.
Derzeit läuft noch die vierte Bauphase der Sanierung der B27. Foto: Simon Granville
Für Diskussionen sorgt zudem, dass zeitgleich zur B27 die Landesstraße 1107 zwischen Bietigheim und Scheulers Hofladen ebenfalls saniert und dafür vollständig gesperrt werden soll. Wie Andreas Klein erklärte, soll mit den parallelen Arbeiten erreicht werden, dass der außerörtliche Verkehr die Stadt Bietigheim großräumig umfährt und die innerstädtische Umleitungsstrecke entlastet wird.
Auch die Verbindung nach Metterzimmern wird gekappt
Ein weiteres Problem: Bis Anfang Juni ist auch die Verbindung zwischen Metterzimmern und Kleinsachsenheim gesperrt, weil ein neuer Kreisel gebaut wird. Davon habe man erst erfahren, als die Maßnahme bereits ausgeschrieben war, erklärte Andreas Klein.
Bis zum Pferdemarkt Anfang September soll der fünfte Abschnitt abgeschlossen sein. Mit der sechsten Phase werde voraussichtlich erst in den Sommerferien 2027 gestartet. Dann wird die Großingersheimer Straße gesperrt, um unter anderem eine neue Radspur anzulegen.