Verkehr in der Region Stuttgart Wie Technik Staus in der Region Stuttgart managen soll

Gewohntes Bild auf den Straßen der Region: Autos stauen sich, es herrscht Stillstand. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Neue Leitstellen von Land und Bund sollen helfen, den Verkehr in der Region Stuttgart flüssiger zu lenken – ohne neue Straßen zu bauen. Künftig gibt es im Großraum drei solche Anlagen.

Stadtentwicklung/Infrastruktur : Christian Milankovic (mil)

Staus gehören für viele, die mit dem Auto in der Region Stuttgart unterwegs sind, zu wiederkehrenden Beeinträchtigungen. Allerdings ist eine Erweiterung des Straßennetzes in der Landeshauptstadt und in den angrenzenden Landkreisen lediglich punktuell geplant – wie etwa der aktuell laufenden Ausbau der B14 im Rems-Murr-Kreis.

 

Deshalb richtet sich der Blick zunehmend darauf, den Verkehr mit Hilfe moderner Technik und besserer Steuerung flüssiger durch die vorhandene Infrastruktur zu leiten. In der Region Stuttgart entstehen derzeit parallel gleich zwei neue Verkehrsleitzentralen: In Stuttgart baut das Land an einer neuen Leitstelle, in Ludwigsburg entsteht zeitgleich das Pendant des Bundes – und mitten darin arbeitet seit Jahren die Integrierte Verkehrsleitzentrale (IVLZ) der Stadt Stuttgart. Drei Einrichtungen, ein Ziel: den Verkehr besser zu steuern.

Verkehrszentrale des Landes bis 2027 im Aufbau

Im Sommer 2027 soll die Verkehrsmanagementzentrale des Landes in Betrieb gehen. Wer mit Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) durch die großen Räume eines ehemaligen Elektronikhändlers an der Lautenschlagerstraße geht, von wo aus dann sogenannte Operatoren an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr das Geschehen auf Landes- und Bundesstraße überwachen sollen, muss noch viel Fantasie aufbringen. Noch haben dort eher die Handwerker als die Verkehrslenker das Sagen.

Technik soll flüssigeren Verkehr ermöglichen

Von deren Notwendigkeit ist Hermann zutiefst überzeugt. „Es geht um schnelle Informationen für alle Verkehrsteilnehmer und darum, den Verkehr möglichst intelligent mit neuen digitalen Mitteln zu steuern. So lassen sich das bestehende Straßennetz optimal nutzen und Staus vermeiden“. Dabei sollen zahlreiche Sensoren und Kameras aber auch Daten aus den Autos den Verkehrslenkern die Arbeit erleichtern.

Verkehrsminister Winfried Hermann mit einer Visualisierung, die zeigt, wie die Verkehrsmanagementzentrale des Lands einmal aussehen soll. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Rund 15 Millionen Euro investiert das Land in die neue Schaltzentrale in der Stuttgarter Innenstadt, deren Betrieb jährlich zusätzliche Kosten in Höhe von 3,7 Millionen Euro verursachen wird. Städten und Gemeinden im Land, die anders als Stuttgart mit seiner Integrierten Verkehrsleitzentrale, keinen eigenen Blick auf die Verkehrswege in ihrem Zuständigkeitsbereich werfen können, steht der Service der zukünftigen Verkehrsmanagementzentrale des Landes zur Verfügung.

Nach und nach wird diese, einmal in Betrieb, ihr Datennetz enger knüpfen. Schrittweise werden etwa die 45 Tunnel an Bundes- und Landesstraßen in Baden-Württemberg so ausgerüstet, dass die Verkehrslenker in der Landeshauptstadt einen Überblick behalten. In Baden-Württemberg gibt es rund 5000 Kilometer Bundesstraßen, 10000 Kilometer Landesstraßen und 11500 Kilometer Kreisstraßen. Schon alleine diese Zahlen veranschaulichen, dass eine lückenlose Überwachung nicht möglich ist.

Zugriff auf Ampeln und dynamische Wegweiser

Stockt es irgendwo schon heute in der Region Stuttgart kommen sogenannte Strategien zum Einsatz. Das sind geschnürte Maßnahmenpakete, mit denen auf wiederkehrende Verkehrsbehinderungen schnell reagiert werden kann. So bleiben dann etwa Ampeln länger auf Grün, um den Abfluss des sich aufgestauten Verkehrs zu gewährleisten. Auch auf die sogenannten Wechselwegweiser, elektronische Verkehrszeichen auf denen unterschiedliche Inhalte gezeigt werden können, hat die Stuttgarter Zentrale Zugriff.

Um die Autobahnen kümmert sich die bundeseigene Autobahngesellschaft. Dass für dieses Netz eine eigene Zentrale vonnöten sei, die in den kommenden Monaten in Ludwigsburg errichtet wird, sei Ergebnis des Neuzuschnitts der Zuständigkeiten und der Gründung der Autobahngesellschaft. Es wird deutlich, dass Hermann mit diesem Schritt getrennter Zentralen nicht glücklich ist. Aber natürlich würden die verschiedenen Akteure Hand in Hand arbeiten – wenn auch an unterschiedlichen Orten.

Weitere Themen