In Mannheim drehte im Jahr 2023 eine Seilbahn als touristische Attraktion während der Bundesgartenschau ihre Runden. In Stuttgart könnte eine Seilbahn hingegen Bestandteil des öffentlichen Nahverkehrs werden. Foto: Uwe Anspach/dpa
Im Technikausschuss des Gemeinderates wird der lange Untersuchungszeitraum für mögliche Seilbahntrassen beklagt. Dennoch wollen die Stadträte noch eine Diskussionsrunde drehen.
Bekommt Stuttgart eine Luftseilbahn als Erweiterung des bestehenden Nahverkehrsangebots? Dieser Frage geht die Stadtverwaltung seit nunmehr fast acht Jahren detailliert nach. Zwar fehlte bei der Diskussion am Dienstag im gemeinderätlichen Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik in fast keiner Wortmeldung Kritik an dieser langen Verfahrensdauer. Gleichzeitig forderten die Stadträte aber eine zusätzliche von der Verwaltung ursprünglich nicht vorgesehene Befassung des nur beratend agierenden Bezirksbeirats Vaihingen mit dem Thema.
Grund für die gesonderte Schleife: die Stadtverwaltung wollte am Dienstag vom Ausschuss dessen Plazet einholen, die jahrelang als Pilottrasse untersuchte Seilbahnverbindung zwischen dem Vaihinger Bahnhof und dem geplanten neuen Stadtquartier auf dem Eiermann-Campus nahe des Autobahnkreuzes mangels Wirtschaftlichkeit zu den Akten zu legen. Die Stadträte ihrerseits wollten mit ihrer Entschließung den unmittelbar betroffenen Lokalpolitikern noch eine Möglichkeit zur Stellungnahme einräumen.
Und auch am grundsätzlichen Vorschlag der Verwaltung, die Vaihinger Trasse nicht weiterzuverfolgen, regte sich Kritik. Christoph Ozasek von der Puls-Gruppe wollte nicht so recht an die ermittelte Unwirtschaftlichkeit glauben und fordert, die Verwaltung solle nochmals Optimierungspotenziale untersuchen mit dem Ziel, das Vorhaben förderfähig zu machen. Björn Peterhoff (Grüne) bekannte, dass man beim Verkehrskonzept fürs Eiermann-Areal „nach acht Jahre nun mit heruntergelassenen Hosen“ dastehe. Gleichzeitig bescheinigte er einer Seilbahn mit Blick auf die Stuttgarter Topografie „enorme Chancen“.
So könnte die Seilbahnverbindung zum Robert Bosch Krankenhaus aussehen. Foto: Yann Lange
Während also das Totenglöcklein für die Vaihinger Trasse wohl erst später geläutet wird, hat am entgegengesetzten Ende des Stadtgebiets das Robert Bosch Krankenhaus mit einer selbst finanzierten Machbarkeitsstudie für eine weitere Trasse, die von der Stadt bislang nur nachrangig untersucht wurde, eine neue Debatte entfacht. Die Klinik leidet unter der unzureichenden Erreichbarkeit auf der Straße. Laut der Studie von Experten aus Südtirol und Österreich wäre eine Seilbahnverbindung vom Nahverkehrsknotenpunkt Pragsattel zum RBK technisch möglich und in vergleichsweise kurzer Zeit zu realisieren.
Dieses Engagement des Krankenhauses hob Stadtrat Michael Schrade (Freie Wähler) hervor. „Das RBK hat sich ins Zeug gelegt, das sollten wir ernst nehmen“. Die Studie habe gezeigt, dass zwischen Pragsattel und RBK eine schnelle Lösung möglich sei. Lucia Schanbacher (SPD/Volt) nannte eine Seilbahn „nicht nur eine Vision. In Heilbronn hat man beschlossen, eine zu bauen“. Eine weitere Potenzialanalyse für mögliche Strecken in der Stadt, wie sie die Stadtverwaltung vorschlug, käme für Schanbacher einem „Rückschritt“ gleich. Sie verwies auf einen Antrag von Grünen, CDU, SPD/Volt und Freien Wählern, dass sich die Verwaltung eingehender mit einer Trasse vom Burgholzhof bis zum Ostendplatz befassen solle. Leonard Rzymann (CDU) plädierte für eine Bündelung der Ressourcen und die Fokussierung auf die beantragte Trasse.
Stephan Oehler, Leiter der städtischen Verkehrsplanung, bekundete das große Interesse der Verwaltung, die Idee einer Seilbahn weiterzuverfolgen, verwies aber auch auf die knappen Mittel der Stadt. Parallel dazu entstehe derzeit an der Stuttgarter Hochschule für Technik eine wissenschaftliche Arbeit zum Thema. Baubürgermeister Peter Pätzold (Grüne) sagte, dass es nun im Kern um die Strecke vom Pragsattel zum Robert Bosch Krankenhaus gehen müsse. Er warnte davor, mit weiteren Streckenausbauten – etwa bis zur geplanten S-Bahnhaltestelle Rosenstein (vormals Mittnachtstraße) – die Planungen zu überfrachten. „Keep it simple“ (dt. halte es einfach) gab er den Stadträten auf den Weg.