Die Stadt hat Wort gehalten: Mit Beginn der Fußball-EM am 14. Juni wurde die Seelbergstraße, auf der täglich rund 12 000 Fußgänger zwischen dem Carré Bad Cannstatt und der Altstadt unterwegs sind, zwischen dem Wilhelmsplatz und der Frösnerstraße zu einer sogenannten Pop-up-Fußgängerzone. Das heißt, die Maßnahme gilt zunächst einmal nur für zwei Jahre. Wenn sich der Verkehrsversuch jedoch bewähren sollte, dann wird aus der Interims- eine Dauerlösung.
Nachdem vor einem Jahr das Projekt im Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik und im Bezirksbeirat vorgestellt worden war, gab es allerdings noch einige planerische Änderungen. Unter anderem blieben die Bodenindikatoren für Sehbehinderte vor der Einmündung in die Waiblinger Straße erhalten. Auch die Flächen für die Straßenbewirtschaftung wurden reduziert. Dennoch haben die dort ansässigen Gastronomen nicht lange gewartet, sondern umgehend Tische, Stühle und Dekopflanzen auf den Gehweg gestellt.
Kosten liegen bei 325 000 Euro
Generell wurden Aufwand und Kosten – sie liegen bei rund 325 000 Euro – so gering wie möglich gehalten. Die Fahrbahngestaltung ist ein wichtiges Element und ist – neben der umfangreichen Beschilderung – in Form von quadratischen Klinkerflächen nicht zu übersehen. Dennoch fahren immer wieder Fahrzeuge, vornehmlich mit Doppelkennzeichen, in Richtung Waiblinger Straße. Viele Fahrer fuchteln mit den Armen oder hupen, wenn vor ihnen ein Passant partout nicht zur Seite springt. Selbst der höfliche Hinweis, dass man sich in einer Fußgängerzone befindet, juckt nicht. Einer macht sogar Anstalten aus dem Auto zu steigen, um dem „menschlichen Hindernis“ nicht nur die Meinung zu sagen. Erst der dezente Hinweis, dass man sein Auto fotografiert habe, bringt den Fahrer zur Räson.
Dennoch hat die Zahl der Autos in diesem Abschnitt der kleinen Einkaufsstraße rapide abgenommen. Was dem Bezirksbeirat in diesem Zusammenhang wichtig war: Die Zufahrt zu den privaten Stellplätzen sowie der Lieferverkehr (8 bis 11 Uhr) in Fahrtrichtung Waiblinger Straße ist weiterhin möglich. Was ebenfalls vom ursprünglichen Konzept geändert wurde: Wegen der hohen Anzahl von Ein- und Ausfahrten liegt die Zufahrt zur Radiologie außerhalb der Fußgängerzone. Gleiches gilt für die beiden Behindertenparkplätze.
2000 Strafzettel pro Jahr
Mit der Fußgängerzone will die Stadt nicht nur die Seelbergstraße aufwerten, sondern auch einen Hotspot für Falschparker entschärfen. Denn in einer Fußgängerzone kann die Stadt sehr viel rigoroser vorgehen, wenn das Parkverbot ignoriert wird. Vor allem an Wochenenden war die südwestliche Seite oft komplett zugeparkt. Doch auch werktags wurden Fahrzeuge sogar bis in den Kreuzungsbereich mit der Waiblinger Straße hinein abgestellt. Obwohl die acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verkehrsüberwachung in der Straße mehrmals täglich kontrollierten, bekam die Stadt das Problem nicht in den Griff. Mit im Durchschnitt 2000 Knöllchen pro Jahr wurde die Seelbergstraße eine der Parksünder-Hochburgen in der Landeshauptstadt. Doch das ist jetzt durch die Fußgängerzone wohl Geschichte.