Als Stefan Klomfass vor gut zwei Jahren zum neuen Geschäftsführer der Baden-Württembergischen Versorgungsanstalt (BWVA) für Ärzte, Zahnärzte und Tierärzte erkoren wurde, gab es reichlich Vorschusslorbeeren. Für den Chefposten bei der mehr als 16 Milliarden Euro schweren Pensionskasse mit Sitz in Tübingen bringe der promovierte Volkswirt „passgenaue Expertise“ mit, lobte die Präsidentin, die Zahnärztin Eva Hemberger. Der von einer Findungskommission in einem gründlichen Prüfverfahren ausgewählte Fachmann für institutionelle Kapitalanlage verfüge über beste Voraussetzungen, um aktuelle und künftige Herausforderungen für die BWVA zu meistern. Klomfass seinerseits bekundete, er freue sich sehr „auf diese neue anspruchsvolle Aufgabe“. Immerhin sei die BWVA das zweitgrößte berufsständische Versorgungswerk „mit einer langen Tradition und Erfolgsgeschichte“.
Zum Gespräch bestellt – und dann weg
Mit Klomfass schien bei der Ärztekasse endlich wieder Kontinuität einzukehren nach einer unruhigen Phase des Übergangs. Seit sich der langjährige Geschäftsführer Winrich Kuhberg Ende 2020 in den Ruhestand verabschiedet hatte, lief es nicht mehr wirklich rund in Tübingen. Ein eigens als Vize ins Haus geholter international erfahrener Anlageexperte, der seine Nachfolge antreten sollte, verabschiedete sich nach anderthalb Jahren wieder. Die Gründe blieben im Dunkeln, offiziell trennte man sich in „bestem freundschaftlichen Einvernehmen“. Statt seiner rückte der andere Stellvertreter auf, ein Versicherungsmathematiker, der schon bald überfordert wirkte. Später zog er sich aus der ersten Reihe zurück und übergab an einen weiteren Vize.
Noch vor einem Jahr gab es Lob für den Neuen
Noch im vorigen Sommer zeigte sich die Präsidentin durchaus zufrieden mit Klomfass. Er habe „bereits erfolgreich“ eine Studie geleitet, der zufolge sich die Risiken für die Ergebnisziele der BWVA reduziert hätten. Auch die Digitalisierung der Anstalt des öffentlichen Rechts treibe er „spürbar voran“.
Doch inzwischen scheint der Geschäftsführer in Ungnade gefallen zu sein. Vor einigen Wochen wurde er zu einem Gespräch bei der Präsidentin bestellt. Danach verließ er das Haus und ward nicht mehr gesehen. Anfangs hieß es noch, er sei im Urlaub; doch schon bald rechnete niemand mehr mit seiner Rückkehr. Mitte Juli wurde die Belegschaft dann unterrichtet, dass die Geschäfte bis auf weiteres kommissarisch von den beiden Stellvertretern geführt würden: Claus Mietzner und Volker Mattausch.
Was ist, schon wieder, los bei der Ärztekasse? Darüber wurden die Beschäftigten ähnlich allgemein informiert wie unsere Zeitung auf mehrere Anfragen hin. Man befinde sich in einem Prozess der „Umstrukturierung interner Abläufe“, angesichts der wachsenden Zahl der teilnehmenden Ärztinnen und Ärzte und des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds. Dazu würden inhaltliche und personelle Entscheidungen diskutiert und „zeitnah umgesetzt“. Wenn es soweit sei, folgten genauere Informationen.
Degradierung zum Vize offenbar abgelehnt
Für Klomfass als Chef war in der neuen Struktur offenbar kein Platz mehr. Nach Informationen unserer Zeitung wurde er fristgemäß gekündigt, auf Ende September. Zugleich erhielt er das Angebot, als Vizegeschäftsführer – zuständig vor allem für Kapitalanlage – bleiben zu dürfen, vermutlich mit Abstrichen zu einem immer noch stattlichen Salär von 300 000 Euro pro Jahr. Die Degradierung soll der Manager, der Anfragen dazu unbeantwortet ließ. abgelehnt haben; auch die BWVA äußert sich nicht dazu, schon aus rechtlichen Gründen. Wegen des Datenschutzes dürfe man auch zu Hintergründen von personalbezogenen Maßnahmen gar nichts sagen.
Nun wird intern spekuliert, ob dem Geschäftsführer der Abschied wohl mit einer Abfindung versüßt wird und wie hoch diese ausfallen könnte. Einen offenen Konflikt dürfte man zu vermeiden suchen, am Landgericht Tübingen ist zu der Trennung nach Auskunft eines Sprechers bisher jedenfalls kein Verfahren anhängig.
Bewerbungsfrist bis Ende August
Vor wenigen Tagen wurde die Position des Geschäftsführers nun intern ausgeschrieben. Gesucht wird eine „selbstständig und eigeninitiativ agierende, integre, zielorientierte Persönlichkeit mit hoher Sozialkompetenz“. Er oder sie soll Jurist sein, nebst fachlicher auch Führungserfahrung mitbringen sowie über „diplomatisches Geschick“ verfügen. Die Aufgabenbeschreibung zeigt zugleich seine Grenzen auf: Nach außen werde die Versorgungsanstalt von der Präsidentin vertreten, nur in Absprache mit ihr könne dies auch mal der Geschäftsführer übernehmen. Als Favorit gilt der deutlich jüngere der beiden Stellvertreter, der einstige Richter Mattausch. Ende August läuft die Bewerbungsfrist ab.