Vespa-Gottesdienst Mit Mofahelm und Talar durch Stuttgart

Pfarrerin Vinh An Vu von der Evangelischen Kirche in Stuttgart zum ersten Vespa-Gottesdienst am Eugenplatz. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Gläubige feiern am Samstag den ersten Vespa-Gottesdienst in der Landeshauptstadt. Initiiert wurde das Treffen von Pfarrerin Vinh An Vu, eine passionierte Rollerfahrerin.

Es brummt und knattert, in der Luft liegt der süßliche Geruch von Zweitaktmotoren, der sofort Emotionen weckt. Um die 20 passionierte Zweiradfahrer haben sich an diesem Samstag am Eugenplatz in Stuttgart getroffen, um gemeinsam den ersten Vespa-Gottesdienst in der Landeshauptstadt zu feiern. Mittendrin: Pfarrerin Vinh An Vu von der Evangelischen Kirche in Stuttgart. Sie trägt einen Talar, den Mofahelm hat sie unter den Arm geklemmt. Sie strahlt, als sie all die liebevoll gepflegten Zweiräder sieht.

 

Sie sei begeistert, wie viele Menschen gekommen seien, damit habe sie gar nicht gerechnet, sagt die Initiatorin des Treffens. „Mein elektrischer Unu-Roller ist mein treuer Gefährte. Ich fahre bei jedem Wetter,“ sagt Vinh An Vu. Sie vermutet, dass der Grund darin liegt, dass in ihrer Geburtsstadt Saigon das Moped das beliebteste Verkehrsmittel ist. 7,5 Millionen Mopeds gibt es dort, und das bei 10 Millionen Einwohnern.

Rollerfahrende Pfarrerin ist in Stuttgart bestens bekannt

Was das kultige Zweirad mit dem Glaube verbinde? „Die Vespa feiert das Leben als Geschenk, genauso wie unser Glaube“, ruft Vinh An Vu, während sie sich auf ihr Moped schwingt. In ihrer Kirchengemeinde ist die rollerfahrende Pfarrerin bereits bestens bekannt und wird auch gerne fotografiert, wenn sie mit Helm und Talar zum Gottesdienst angebraust kommt.

Die Idee, einen Vespa-Gottesdienst zu feiern, begleitet sie schon einige Jahre. Als Vikarin in Norddeutschland ist sie mal auf dem Motorrad ihres Ausbildungspfarrers bei einem Motorrad-Gottesdienst mitgefahren. Dabei dachte sie sich, dass es mit einem Roller entschleunigter, gemütlicher und leiser ginge. Schon bei ihrem Amtsantritt in Stuttgart vor zwei einhalb Jahren wollte sie die Idee umsetzen. Als nun Vinh An Vus Diakonin Julia Wagner davon erzählte, dass ihre rote Vespa aus Berlin bald im Ländle eintrudeln würde, habe sie die Gelegenheit ergriffen, die Idee umzusetzen, erzählt Pfarrerin Vinh An Vu freudestrahlend.

Bevor die Rundfahrt startet, spricht Pfarrerin Vinh An Vu einen Reisesegen aus. Foto: Lichtgut//Julian Rettig

Auch der Pfarrer der Stadtkirche in Bad Cannstatt, Eckart Schultz-Berg, ist mit von der Partie. Er ist ebenfalls passionierter Rollerfahrer, er fährt eine klassische alte Vespa. „Ich liebe es, mit meiner Vespa zu fahren und freue mich wahnsinnig“, sagt er, während er seine Maschine mit dem Kickstarter antritt. Neben ihm schiebt Kathi Hehn, die von einem Bekannten von dem Treffen erfahren hat, ihren deutlich jüngeren Roller an.

Bei der Rundfahrt will Vinh An Vu die Stuttgarter Innenstadt mit den Neckarvororten verbinden, Ziel ist die Grabkapelle auf dem Rotenberg. Insgesamt gibt es drei Zwischenstopps: Im Garten der Frauenkopfkirche findet eine Lesung von Diakonin Julia Wagner statt. Anschließend gibt es im Garten der Bernhardskirche in Rohracker einen kleinen Predigtimpuls von Vinh An Vu, bevor Kirchenmusikdirektorin Manuela Nägele zum Abschluss in Kreuzkirche in Hedelfingen auf der Orgel spielt.

Eckart Schultz-Berg, Pfarrer der Stadtkirche in Bad Cannstadt, liebt seine alte Vespa. Foto: StZN/Sebastian Jutisz

Bevor es losgeht, spricht die Pfarrerin am Eugenplatz noch geschwind einen Reisesegen aus. „Lasst uns trotz all der Krisen ein Zeichen der Hoffnung setzen und den Orten dieser Welt vorurteilsfrei begegnen“, sagt sie. Doch da schieben die ersten Mitfahrer schon stolz ihre Zweiräder auf die Straße, die meisten können die Rundfahrt kaum erwarten.

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