VfB-Fan in Terminnot Blöd gelaufen – Hochzeit statt Pokalfinale
VfB-Fan Sebastian Ruckaberle hat nicht mit dem erneuten Einzug ins Endspiel gerechnet – und eine wichtige Feier auf den 23. Mai gelegt. Darunter leiden nun auch einige Freunde.
VfB-Fan Sebastian Ruckaberle hat nicht mit dem erneuten Einzug ins Endspiel gerechnet – und eine wichtige Feier auf den 23. Mai gelegt. Darunter leiden nun auch einige Freunde.
Rund 30 000 VfB-Fans werden am Wochenende in Berlin sein, um dort eine riesengroße Pokal-Party zu feiern. Wie vor einem Jahr. Damals, beim 4:2-Triumph gegen Arminia Bielefeld, ist auch Sebastian Ruckaberle (36) mit fünf VfB-Kumpels im Olympiastadion gewesen. „Es war ein geiles Erlebnis, das wir nie vergessen werden“, sagt er. Und trotzdem sind er und seine Freunde diesmal nicht dabei. Weil dummerweise am Abend des Finales gegen den FC Bayern ein anderes wichtiges Fest ansteht: seine Hochzeit.
Als Sebastian Ruckaberle und Karla Schairer ihre kirchliche Trauung mit anschließender Feier geplant haben, stand der Termin des Pokalfinales 2026 noch nicht fest. Und es gab auch keine Befürchtung, dass es Ende Mai zu einer Terminkollision kommen könnte – weil der VfB bis dahin noch nie in seiner Geschichte zweimal nacheinander das Endspiel erreicht hatte. „Ich war mir sicher, dass dies nicht passieren wird“, sagt der Bräutigam, der seit seiner Kindheit VfB-Fan ist, „wahrscheinlicher erschien mir, einen Sechser im Lotto zu haben.“ Doch es sollte anders kommen. Ganz anders.
Das Paar aus Stuttgart buchte für den 23. Mai 2026 eine Eventlocation in Zuffenhausen – und im August 2025 begann die neue Pokal-Saison. Der VfB gewann bei Zweitligist Eintracht Braunschweig mit viel Glück im Elfmeterschießen und Sebastian Ruckaberle fühlte sich nach wie vor auf der sicheren Seite. Bei den anschließenden Siegen seines Clubs beim FSV Mainz (2:0), beim VfL Bochum (2:0) und bei Holstein Kiel (3:0) wurde er von Mal zu Mal unruhiger. „Ich habe die Spiele mit einem lachenden und einem weinenden Auge verfolgt“, sagt er, „ein Teil von mir hat auf das Ausscheiden gehofft. Der andere Teil erklärte mich deshalb für verrückt.“ Dann folgte das Halbfinale gegen den SC Freiburg.
Dauerkarten-Inhaber Sebastian Ruckaberle stand auf seinem Platz im Block 34 in der Cannstatter Kurve, um ihn herum seine üblichen VfB-Kumpels, darunter auch die sieben engen Freunde, die er schon vor Monaten zu seiner Hochzeit eingeladen hatte. Und alle wussten: Es kann nur schlecht enden. Entweder der VfB scheidet aus oder sie werden beim Finale nicht dabei sein können. Motto: Zuffenhausen statt Berlin.
Als Tiago Tomas den VfB mit seinem Tor zum 2:1 kurz vor Ende der Verlängerung ins Endspiel schoss, explodierte die Stimmung in der MHP-Arena. Und Sebastian Ruckaberle dachte: „Ach, du heilige Scheiße!“ Im selben Moment bekam er von sieben Leuten wieder und wieder leichte Schläge auf den Hinterkopf, die zwar nicht böse gemeint, aber zugleich doch auch als Zeichen dafür gedacht waren, wie fahrlässig er seinen Hochzeitstermin geplant hatte. „Es war schon zu spüren, was alle ausdrücken wollten – dass ich ziemlich blöd gewesen bin.“ Weshalb es in den folgenden Tagen darum ging, den emotionalen Schaden bestmöglich zu begrenzen.
Kurz dachte Sebastian Ruckaberle darüber nach, einen neuen Termin zu suchen („Eine Hochzeit kann man verlegen, ein Pokalfinale nicht“), den Gedanken verwarf er aber schnell wieder, nachdem er die Reaktion seiner Frau auf erste vorsichtige Andeutungen seinerseits erlebt hatte. „Du wolltest eines große Hochzeit“, meinte sie nur, „jetzt musst du es auch durchziehen.“
Also gab Sebastian Ruckaberle seine wagen Berlin-Reisepläne flugs wieder auf und seine Eintrittskarte fürs Olympiastadion, die er zugelost bekommen hatte, an einen Kumpel weiter. Stattdessen besorgte er für die Hochzeitsfeier das nun notwendig gewordene technische Equipment: einen Beamer, eine Leinwand, Lautsprecherboxen. Bei der kirchlichen Trauung wird er ein VfB-Trikot unter dem Anzug tragen, abends schaut die Hochzeitsgesellschaft dann mit dem Segen der Braut („Auch sie ist VfB-Fan“) gemeinsam das Endspiel in Berlin. „Hochzeit, Herzensclub, Höhepunkt des Jahres“, meint Sebastian Ruckaberle, „irgendwie fügt sich am Ende alles zusammen. Das passt schon.“ Zumal er sich sicher ist, dass der VfB auch ohne ihn in Berlin die Bayern schlagen wird. Sollte es doch anders kommen? Wird das die Stimmung in Zuffenhausen nur vorübergehend beeinflussen: „Wir feiern auf jeden Fall – so oder so!“
Eines ist folglich jetzt schon klar: Nach dem Pokalfinale vor einem Jahr wird auch die VfB-Hochzeit am 23. Mai 2026 allen für immer in Erinnerung bleiben.