VfB gegen Feyenoord Rotterdam Busunternehmer berichtet von Randale und Zerstörung: „Hatte richtig Angst“

Komplett demoliert: Der Bus, in dem die Feyenoord-Fans wüteten. Foto: Kutzner

Die Aggressionen der Feyenoord-Fans beim VfB-Heimspiel in Stuttgart hat Maximilian Kutzner hautnah miterlebt. Er ist entsetzt – und steht vor einem beträchtlichen Schaden.

Digital Desk: Michael Bosch (mbo)

Eins steht für Maximilian Kutzner fest: Fußballfans wird er so schnell nicht mehr befördern. Die Erlebnisse vor dem Europa-League-Spiel zwischen dem VfB Stuttgart und Feyenoord Rotterdam, das der Club aus Cannstatt mit 2:0 für sich entschied, stecken ihm auch eine Woche nach der Partie noch in den Knochen.

 

Kutzner, der ein Busunternehmen in Ottenbach (Kreis Göppingen) betreibt, hatte am Donnerstagabend zwei seiner Fahrzeuge zur Verfügung gestellt, um die niederländischen Fans vom Biergarten im Schlossgarten zum Treffpunkt nach Untertürkheim zu fahren, von wo aus die Gäste zum Stadion marschierten. Kutzner lenkte einen der zwei Busse selbst, ein Mitarbeiter den anderen.

Herausgeschlagene Scheiben und jede Menge zersplittertes Glas. Foto: privat/Kutzner

Kutzner beschreibt Szenen, die sich auf den wenigen Kilometern bis zum Treffpunkt in seinem Bus abspielten, die ein düsteres Bild von den sogenannten Fans zeichnen. Die verheerende Bilanz: Zwei eingeschlagene Scheiben, eine heruntergerissene Deckenverkleidung sowie eine demolierte Trennscheibe und zwei zerstörte Knöpfe, mit denen der Fahrer über einen Haltewunsch informiert wird. Zudem drückten die Insassen aus Rotterdam Kippenstummel bewusst auf Sitzen aus. Auch die Schutzscheibe für den Fahrer, die seit der Coronapandemie üblich ist, zerstörten Feyenoord-Anhänger mutwillig, als sie mit Glasflaschen darauf einschlugen.

Die herausgerissene Deckenverkleidung Foto: privat/Kutzner

„Ich hatte wirklich Angst“, sagt Kutzner, „normalerweise bin ich schon jemand, der hinsteht und etwas sagt.“ Aber in Anbetracht des Aggressionspotentials, das ihm entgegenschlug, habe er sich das nicht mehr getraut. Angefragt worden war er von einer Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn wegen sogenannter Verstärkerfahrzeuge. Insgesamt kamen 25 Busse zum Einsatz. „Ich bin kein Fußballfan – andere hätten vielleicht gesagt: Das muss man wissen“, sagt Kutzner. Er wusste nichts vom Ruf, der den Feyenoord-Fans vorauseilt – und sagte zu. Erst habe er das sogar ein Stück weit als „Ehre“ empfunden.

Die Zerstörungswut, die die Niederländer an den Tag legten, zeigte sich beispielsweise daran, dass die Scheiben mit einem Nothammer zertrümmert wurden. Auslöser des Ganzen? Kutzner kann nur mutmaßen: „Denen ging das alles nicht schnell genug. Das war schon beim Einsteigen der Fall.“

Offenbar hatte Kutzner auch ein Stück weit Pech, bei ihm stieg wohl ein Teil der größten Chaoten ein. Laut der Polizei in Stuttgart ist die Anzeige, die Kutzner erstattet hat, bislang die einzige. „Die Ermittlungen sind aber noch nicht abgeschlossen“, sagt Polizeisprecherin Daniela Treude, „es können also weitere hinzukommen.“ Dementsprechend ist der Schaden, den die Fußballfans in den Shuttles insgesamt angerichtet haben, auch noch nicht zu beziffern.

Busfahrer nach Feyenoord-Spiel: „Bin froh, dass mir nichts passiert ist“

Maximilian Kutzner hingegen weiß, wie teuer ihn die kurze Fahrt, für die man normalerweise nur eine Viertelstunde braucht, zu stehen kommt: Rund 10.000 Euro beträgt der Schaden, die Ausfallkosten nicht mit einberechnet. Der mehr oder weniger komplett demolierte Bus war sechs Tage in der Werkstatt, der andere einen. Das Unternehmen betreibt Kutzner erst seit gut dreieinhalb Jahren. „Der Fuhrpark ist ziemlich neu, für mich geht es da um die Existenz“, sagt der Unternehmer. Wer die Schäden bezahlt, sei noch nicht klar.

„Ich bin echt froh, dass ich meine Fahrzeuge wieder habe – und mir nichts passiert ist“, sagt Kutzner. In einem Instagram-Posting hatte er sich bereits am Abend des Spiels an die Rotterdamer gewandt und seinem Unmut Luft gemacht. Er schloss mit einem Gruß an die Feyenoord-Fans: „Wir würden uns sehr freuen, Euch nie wieder in unseren Bussen begrüßen zu dürfen!“

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