In der 70. Minute schickten die Heimfans im Stadion Rajko Mitic eine eindeutige Grußnote an die Anhänger des VfB Stuttgart – die sogar diejenigen vernommen haben dürften, die zuhause vor den Bildschirmen das Spiel in Belgrad verfolgten. „Auf Wiedersehen!“ schallte es minutenlang aus Tausenden Kehlen. Ein Triumphgesang.
Das Spiel war zu diesem Zeitpunkt bereits entschieden. Ein Doppelschlag von Roter Stern innerhalb von nur vier Minuten (65./69. Minute) erledigte die letzten zarten Hoffnungen der Stuttgarter, hier noch etwas mitnehmen zu können.
Dass die Partie, die 1:5 endete, einen so eindeutigen Verlauf nehmen konnte, hatte sich der deutsche Vizemeister zu großen Teilen selbst zuzuschreiben. Denn die Mannschaft von Trainer Sebastian Hoeneß schaffte es nicht, aus ihrer guten Anfangsphase und der frühen Führung durch Ermedin Demirovic Profit zu schlagen. Die Partie dadurch zu beruhigen, die heißblütigen Heimfans verstummen zu lassen.
Stattdessen entwickelte sich eine zerfahrene Partie. Die den Hausherren und insbesondere ihren Anhängern die Gelegenheit gab, jede noch so kleine positiv für sie verlaufene Situation zu feiern, beziehungsweise mit großem Jubelgeheul zu untermalen. Dazu kamen eklatante Fehler.
Individuelle Aussetzer
In der Defensive, als ein ums andere Mal individuelle Aussetzer den Serben Treffer ermöglichten. Gerade die zuletzt so stabile und entsprechend hervorgehobene Abwehrreihe tat sich hier negativ hervor. Im Ballbesitz, wo der VfB wieder einmal mit einem tief stehenden, kompakten Block große Probleme hatte. Es mangelte an Kreativität, an Entscheidungsfindung und an der Durchschlagskraft, diesen zu bespielen und sich vielversprechende Abschlüsse zu erarbeiten.
Der Hauptaspekt der Abreibung bei Roter Stern ist jedoch eher auf anderen Ebenen verortet. Die Mannschaft hat nicht die Überzeugung gezeigt, die es gegen solche Gegner braucht. Nicht diese Galligkeit und Kernigkeit, mit der man solchen Kontrahenten und ihrer körperlich-rustikalen Spielweise begegnen muss. So wurde es am Ende ein Lehrstück, der VfB zeigte sich der Kulisse nicht gewachsen. Und hat sich ganz nebenbei auch noch sein Torverhältnis kaputtgemacht. Alles in allem: ein Abend zum Vergessen, den sich die Stuttgarter in dieser Form nicht mehr leisten dürfen.