Ermedin Demirovic hat beim 3:1 des VfB Stuttgart gegen Bayer Leverkusen nicht nur seinen Trainer begeistert. Der Stürmer wurde mit Lob überhäuft – und hielt ein Plädoyer.
Er selbst hatte ja schon genug Lob abbekommen an diesem frühen Abend in der Stuttgarter MHP-Arena. Also verteilte er auch ein bisschen Wertschätzung für andere. Zum Beispiel: an Maximilian Mittelstädt. Der hatte im Spiel des VfB Stuttgart gegen Bayer Leverkusen ziemlich cool den Strafstoß in der Nachspielzeit der ersten Hälfte verwandelt, den Ball dabei ins Tor gechippt. Was Ermedin Demirovic ziemlich beeindruckte.
„Entschuldigt diese Ausdrucksweise“, sagte der Stürmer des VfB nach dem Spiel über Mittelstädt, „aber da hatte Maxi Eier aus Stahl.“ Übersetzt heißt das so viel: Der Typ zeigte keine Nerven, verwandelte eiskalt. Ein Aggregatszustand, der bei Ermedin Demirovic am Samstagnachmittag eher nicht zu messen war. Im Gegenteil: Der Bosnier lief so richtig heiß.
Demirovic erzielte nach dem frühen Rückstand das schnelle 1:1 für den VfB. Er behauptete Bälle, hatte weitere Chancen, bei denen er knapp scheiterte. Er arbeitete auch nach hinten mit und hatte am Ende die viertbeste Laufleistung aller VfB-Spieler beim 3:1 über Bayer Leverkusen. „Er“, sagte Sebastian Hoeneß, „muss heute genannt werden.“
Der Coach des VfB ist nicht zwingend dafür bekannt, dass er einzelne Spieler aus der Mannschaft hervorhebt. Entsprechend war sein Lob einzuordnen – das er auch mit weiteren eigenen Worten unterstrich: „Er hat ein überragendes Spiel gemacht und war in allen Aspekten des Spiels top.“ Sehr viel Torgefahr habe Demirovic ausgestrahlt, zählte der Trainer dann noch auf, betonte die neun Torschüsse des Stürmers. Wie „eine Wildsau“ habe er für die Mannschaft gearbeitet, eine „super Körpersprache gehabt“, Bälle festgemacht und weitergeleitet. Hoeneß’ Fazit: Ermedin Demirovic ist „wie geschaffen für solche Spiele“ und schaffe es, sich dabei „in genau die richtige Verfassung vom Mindset her“ zu bringen. So schaffe er es auch noch, andere „anzuzünden“.
Ermedin Demirovic gegen den Leverkusener Robert Andrich. Foto: Baumann/Hansi Britsch
Fabian Wohlgemuth beschrieb dann noch die „Infights“, in die Demirovic im Strafraum der Leverkusener oft gehen musste, wo Edmond Tapsoba meist sein Gegner war. Und: Auch der Sportvorstand des VfB bediente sich in der Beschreibung dessen in der Tierwelt. Wie eine „Bulldogge“ habe der Angreifer agiert.
Warum er so heiß war, beantwortete Ermedin Demirovic dann übrigens auch noch selbst. Als der Trainer Hoeneß nach dem 3:3 von Hoffenheim von einem „Warnschuss“ gesprochen hat, haben Demirovic und seine Kollegen offenbar besonders gut zugehört. Denn die darauffolgende Trainingswoche sei „hart“, aber auch besonders gut gewesen, erzählte der Stürmer: „Es war abzusehen, dass wir ein Feuerwerk abrufen werden.“
Zudem wählte Hoeneß eine offensive Ausrichtung und stellte sowohl Demirovic als auch Deniz Undav in die Startelf. Das macht der Coach nicht ganz so oft – zum Leidwesen des Duos. „Ich stehe sehr gerne mit Deniz auf dem Platz“, sagte Demirovic und beschrieb die positive Wechselwirkung. Er selbst binde den Gegner „in der letzten Linie“. Dadurch bekomme Undav „Freiräume“. Und wenn er die nutzt, haben die gegnerischen Abwehrspieler viel mit dem deutschen Nationalstürmer zu tun – was wiederum Demirovic hilft. „Ich glaube“, sagte der Bosnier, „wir haben eine super Quote, wenn wir beide auf dem Platz stehen.“ Tatsächlichen erzielte das Duo 16 Bundesligatreffer, wenn es gemeinsam auf dem Platz stand. Obwohl beide jeweils mehrere Wochen verletzt fehlten.
Ob der Coach diese Statistik auch kennt? „Vielleicht“, scherzte der WM-Fahrer, „müssen wir sie ihm nochmal zeigen.“ Zum Beispiel vor der kommenden Partie bei Eintracht Frankfurt, in der das VfB-Team die zweite Champions-League-Teilnahme innerhalb von drei Jahren perfekt machen will.