VfB Stuttgart beim FC Bayern Wie der VfB in fünf Minuten zusammenbricht
Die Mannschaft von Sebastian Hoeneß verliert mit 2:4. Dabei kommt sie gut ins Spiel. Wir beleuchten die Fehler, die anschließend gemacht wurden.
Die Mannschaft von Sebastian Hoeneß verliert mit 2:4. Dabei kommt sie gut ins Spiel. Wir beleuchten die Fehler, die anschließend gemacht wurden.
Am Ende schien es fast so, als wollten die Bundesliga-Fußballer des VfB Stuttgart dem neuen Meister auf dem grünen Rasen der Allianz-Arena den roten Teppich ausrollen. Sie leisteten keine Gegenwehr mehr und hatten sich längst der Übermacht des FC Bayern gebeugt. Trotz der schicken Ergebniskosmetik kurz vor dem Abpfiff durch den wunderbaren Dropkick von Chema. Letztlich unterlag der VfB 2:4 (1:3) – oder anders herum: die Münchner machten die 35. Meisterschaft offiziell perfekt und nutzten die Schlussphase zum Schaulaufen.
Dabei ging es für die Stuttgarter gut los. Sebastian Hoeneß hatte sich einiges überlegt – und der Plan des Trainers wurde rasch klar. Seine Elf verzichte auf zu hohes Pressing in der Bayern-Hälfte. Ballkontrolle aus dem Mittelfeld heraus war gefragt, um dann mit Tempo in die Tiefe zu kommen. Wie beim ersten VfB-Tor, als Bilal El Khannouss mit feinem Pass Chris Führich auf der linken Strafraumseite einsetzte – ein Rechtsschuss und es hieß 1:0 für die Gäste (21.).
Durch die Führung bestätigte sich der erste Eindruck beim Südgipfel: der VfB präsentierte sich wach, während die Münchner etwas schläfrig in die Begegnung kamen. Wohl eine Folge der Strapazen nach dem bajuwarischen Höhepunktspiel am vergangenen Mittwoch gegen Real Madrid. Acht personelle Wechsel vollzog der Bayern-Coach Vincent Kompany nach dem Halbfinaleinzug in der Champions League, um mehr Frische in die eigenen Reihen zu bekommen. Nur Joshua Kimmich, Luis Diaz und Josip Stanisic waren wieder von Beginn an dabei.
Hoeneß veränderte sein Team nach dem Sieg gegen den Hamburger SV auf fünf Positionen, um für eine Überraschung zu sorgen. Deniz Undav (Gelbsperre) sowie Ermedin Demirovic, Maximilian Mittelstädt, Chema und Lorenz Assignon (alle auf der Bank) waren draußen. Dafür kamen Josha Vagnoman, Finn Jeltsch, Atakan Karazor, Bilal El Khannouss und Tiago Tomas rein – und was anfangs so schön für die Schwaben aussah, zerbrach innerhalb von wenigen Minuten.
Dem Doppelschlag von Raphael Guerreiro und Nicolas Jackson (32./33.) folgte wenig später der dritte Schlag für den VfB. Alphonso Davies drehte mit einem abgefälschten Schuss die Partie mit dem 3:1 vollends komplett (37.). Dadurch hatte die beste Rückrunden-Offensive die bis dahin beste Rückrunden-Defensive in die Knie gezwungen.
„Wenn man sieht, wie die Gegentore gefallen sind, dann ist der Spielverlauf sehr ärgerlich“, sagte Hoeneß, „solche Böcke wie vor dem 1:2 kannst du dir gegen die Bayern einfach nicht erlauben.“ Der Fehler von Jeltsch beschleunigte den weiß-roten Kollaps. Zu schnell ging das alles für die Stuttgarter, als die Gastgeber auf das Gaspedal drückten. Jeltsch und Vagnoman wirkten da in der Defensive zeitweise überfordert. Auch Ramon Hendriks hatte Probleme.
Die ordnende Hand von Angelo Stiller wurde in dieser Phase vermisst. Der Taktgeber im VfB-Spiel ging unter den Augen von Bundestrainer Julian Nagelsmann im Bayern-Wirbel mit unter. Auch die anderen deutschen Nationalspieler taten sich nach dem verheißungsvollen Start schwer. Jamie Leweling, der mit reichlich Abwehrarbeit betraut war, fiel nach vorne nicht auf – und im Tor stand Alexander Nübel bei den Gegentreffern auf verlorenem Posten.
So traf der nach der Halbzeit eingewechselte Harry Kane zum 4:1 (52.). Die VfB-Profis begnügten sich mit der Zuschauerrolle, nachdem Nübel zuvor stark gegen Leon Goretzka pariert hatte. Damit war das Spiel praktisch entschieden. Denn die Stuttgarter waren genug damit beschäftigt, die Niederlage in Grenzen zu halten. Dabei sollte es nach dem 0:5 im Hinspiel besser werden.
Doch der Qualitätsunterschied war zu groß beim Duell zwischen dem Rekordmeister und dem Champions-League-Aspiranten. Zunächst sprang nur noch eine Chance durch El Khannouss heraus. Er scheiterte aber am Bayern-Torwart Jonas Urbig (70.). Dennoch bleiben die Chancen auf die Königsklasse für den VfB intakt. Zumal er die Begegnung mit der Überelf nun hinter sich hat und der Blick sich nach vorne richtet. Am Sonntag (15.30 Uhr) geht es in der MHP-Arena in der Liga gegen Werder Bremen – ein Gegner, der wieder Normalformat hat.