VfB Stuttgart Enzo Millot über Transfers, Tattoos – und seinen Traum

Im Stuttgarter Mittelfeld gesetzt: Enzo Millot Foto: Baumann

Der Mittelfeldspieler spricht über den Abgang von Wataru Endo, sein Vertrauensverhältnis zu Sebastian Hoeneß – und sagt, was er in seiner Karriere unbedingt erreichen möchte.

Sport: David Scheu (dsc)

Er ist einer der Gewinner der Vorbereitung beim VfB Stuttgart: Enzo Millot hat sich auf der Position hinter den Spitzen in der Stammformation festgespielt. Vor dem Bundesligastart gegen den VfL Bochum an diesem Samstag (15.30 Uhr) spricht der Techniker über den Abschied von Kapitän Wataru Endo, kritische Vier-Augen-Gespräche mit Trainern – und seinen großen Karrieretraum.

 

Herr Millot, beim VfB reden derzeit alle über den plötzlichen Weggang von Wataru Endo. Was sagen Sie dazu?

Wataru war ein sehr wichtiger Spieler für die Mannschaft und ein sehr, sehr guter Kapitän für uns. Er hat es sich durch seine Leistung und seinen Einsatz verdient, zu so einem großen Club wie dem FC Liverpool zu wechseln.

Was ist mit Ihren eigenen Wechselambitionen? Das Transferfenster hat noch bis 1. September geöffnet – und mit Ihren Leistungen haben Sie ja zuletzt auch Werbung in eigener Sache betrieben.

Dinge völlig auszuschließen ist im Profifußball schwierig. Man weiß einfach nie genau, was kommt. Was ich aber sagen kann: Ich habe gerade keinen einzigen Gedanken an einen Wechsel, ich halte nicht Ausschau, sondern bin mit vollem Fokus hier. Meine Familie fühlt sich wohl in Stuttgart, ich fühle mich wohl im Verein und komme mit dem Trainer gut klar. Zudem ist die Bundesliga eine tolle Liga mit vollen Stadien. Ich weiß das zu schätzen und habe keine Ambitionen zu gehen.

Ihre Entwicklung war nicht unbedingt abzusehen. Vor ein paar Monaten standen Sie nicht mal im Kader, jetzt sind Sie auf dem Weg zum Stammspieler. Was ist da passiert?

Eigentlich gar nichts Besonderes, es gab nicht dieses eine Ereignis. Ich war von meinen Qualitäten überzeugt und habe weiter hart gearbeitet. Und das hat sich langfristig dann ausgezahlt.

Was ist für Sie und den VfB drin in der neuen Saison?

Wir haben eine hohe Qualität in der Gruppe, mit der eigentlich mehr möglich sein muss als ein Platz im Tabellenkeller. Das hat man in der Vorbereitung gesehen und auch schon in der Endphase in der vergangenen Saison unter dem neuen Trainer. Niemand hier will noch mal so ein Jahr wie zuletzt erleben, Abstiegskampf macht keinen Spaß. Wir haben in den vergangenen Wochen hart gearbeitet und alle Lust auf Fußball. Wir wollen von Beginn an punkten und gar nicht erst hinten reinrutschen.

Sie haben den Aufschwung nach dem Trainerwechsel angesprochen. War Sebastian Hoeneß auch für Sie ganz persönlich ein wichtiger Faktor?

Keine Frage. Er hat direkt das Gespräch gesucht und mir Selbstvertrauen gegeben. Ich bin ein Spieler, dem das guttut. Auch der Ansatz des Trainers passt gut zu meiner Spielweise, Sebastian Hoeneß möchte viel fußballerisch lösen. Natürlich gehört das Verteidigen auch dazu. Aber Fußball macht doch vor allem im eigenen Ballbesitz Spaß. Ich liebe es, den Ball zu haben und dann mit Mitspielern Lücken und Lösungen zu finden.

Unter Hoeneß’ Vorgänger Bruno Labbadia kamen Sie nicht so häufig zum Zug.

Es war für mich keine einfache Zeit. Aber das ist Vergangenheit und abgehakt.

Er hat im Januar öffentlich Ihre Trainingsleistungen kritisiert. Fanden Sie das ungerecht?

Was Bruno Labbadia damals gesagt hat, war seine Sichtweise. Dazu hat er als Trainer auch jedes Recht, zumal er mir das zuvor auch persönlich mitgeteilt hatte. Ich habe das akzeptiert und weitergearbeitet.

Mit Sebastian Hoeneß hatten Sie im Mai aber auch schon ein kritisches Vier-Augen-Gespräch. Stichwort Tattoo.

So groß war die Sache gar nicht. Der Trainer hat mir gesagt, dass der Zeitpunkt zum Stechen eines neuen Tattoos zwei Spieltage vor Saisonende mitten im Abstiegskampf nicht gut war und dass ich nicht damit an die Öffentlichkeit hätte gehen sollen. Die Angelegenheit war dann aber intern wirklich schnell vom Tisch. Ich habe daraus gelernt, das passiert mir nicht noch einmal.

Haben Sie eigentlich ein persönliches Karriereziel?

Klar. Ich finde es wichtig, sich konkrete Ziele zu setzen und da auch sehr ehrgeizig zu sein. Ich möchte sehr gerne einmal in der Champions League spielen, vor allem aber mit der französischen Nationalmannschaft an einer Weltmeisterschaft teilnehmen. Das ist mein Traum.

Der VfB hatte zuletzt mit Benjamin Pavard ja einen französischen Nationalspieler, der 2018 sogar Weltmeister geworden ist.

Sehen Sie, das ist alles möglich und nicht ausgeschlossen. Entscheidend ist, in einer wichtigen Liga regelmäßig auf dem Platz zu stehen und zu überzeugen. Dann kommt alles andere von alleine.

Schon zur WM 2026?

Das liegt vor allem an mir. Dafür muss ich zuerst in Stuttgart über einen längeren Zeitraum gute Leistungen bringen, um mich so in den Fokus zu spielen.

Sie sind mit 21 Jahren schon zweifacher Familienvater. Wie hat das Ihr Leben verändert?

Natürlich sehr, die Familie ist das Wichtigste überhaupt. Ich spüre auch eine große Verantwortung, für die Kinder alles zu geben.

Sie haben auch noch drei Hunde. Kommen Sie da zuhause überhaupt zur Ruhe?

Hunde sind toll, die Zeit mit ihnen und meiner Familie gibt mir viel Energie. Zuhause kann ich richtig abschalten vom Fußball. Und wenn ich doch mal Ruhe brauche, kann ich mich auch zurückziehen.

Zum Schluss müssen wir natürlich noch über die Partie am Samstag sprechen. Was erwartet den VfB gegen den VfL Bochum?

Das wird ein hartes Spiel. Wir kennen ihre Spielweise aus den vergangenen beiden Jahren gut, sie ist sehr körperbetont und intensiv. Das müssen wir annehmen und mit den Fans im Rücken dagegenhalten. Wenn wir das tun, können wir auch unsere fußballerische Klasse aufs Feld bringen. Wir sind auf jeden Fall bereit.

Weitere Themen