Vereinsgelände des VfB aus der Vogelperspektive: Rechts neben der Geschäftsstelle das Schlienz-Stadion, möglicher Standort eines Neubaus. In unserer Bildergalerie blicken wir auf den Frauenfußball des VfB. Foto: imago/Eibner
Das Frauen-Team des VfB Stuttgart peilt im kommenden Jahr den Aufstieg in die zweite Liga an, mittelfristig soll es die erste sein. Dazu reifen erste Pläne für ein eigenes Stadion.
Am letzten Spieltag in diesem Kalenderjahr untermauerten die Frauen des VfB Stuttgart noch einmal eindrucksvoll ihre Stärke. Mit 11:0 wurde die zweite Mannschaft von Eintracht Frankfurt auf die Bretter geschickt. Heißt am Ende des Jahres 2024 Platz eins in der Regionalliga Süd. Mit klarem Kurs zweite Liga. Sollte dem Team von Trainer Heiko Gerber der Durchmarsch von der vierten Liga ins Bundesliga-Unterhaus gelingen, wären die bei der Gründung der VfB-eigenen Frauenabteilung im Jahr 2021 formulierten Ziele übererfüllt.
Doch in der zweiten Liga soll bekanntlich nicht Schluss sein. Die Bundesliga lautet das langfristige Ziel beim ambitionierten Traditionsverein, der sich nicht länger nur über seine männlichen Bundesligastars definieren möchte. Weshalb die Strategen an der Mercedesstraße parallel mit Hochdruck den Aufschwung der Frauensparte vorantreiben. Sportlich – und mit Blick auf die Infrastruktur.
Zwei Standorte im Blick
Kein Geheimnis ist es, dass die aktuellen Spielstätten den Anforderungen für höherklassigen Fußball nicht länger genügen. Zwar könnten die Frauen, wie bislang, ihre Heimspiele auch eine Spielklasse höher noch auf dem Rasenplatz des angrenzenden Polizeisportvereins (PSV) austragen. Auch die Anlage des VfB Obertürkheim genügt noch den Mindestbestimmungen. Spätestens in der Bundesliga wäre aber Endstation.
Das Frauenteam des VfB liegt klar auf Aufstiegskurs Foto: Baumann
Weshalb sich der Club in seiner langfristigen Ausrichtung („VfB 2030“) nach Informationen unserer Redaktion intensiv mit Plänen für ein eigenes Frauen-Stadion beschäftigt. Anfang kommenden Jahres soll eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben werden, die den Umbau beziehungsweise die Neugestaltung des Vereinsgeländes an der Mercedesstraße auf verschiedene Optionen prüft. Neben der Modernisierung der Geschäftsstelle und den Trainingsplätzen zählt ein neues Stadion zu den Kernelementen. Es könnte anstelle des bestehenden Robert-Schlienz-Stadions entstehen, auf Grund diverser Bauvorschriften wie Fluchtwege um 90 Grad gedreht und mit einer Kapazität von 20 000 bis 25 000 Plätzen ausgestattet werden. Dieses Maß erachtet man angesichts des weiter zu erwartenden Aufschwungs des Frauenfußballs für den Bundesligabetrieb am Standort Stuttgart in einigen Jahren für realistisch.
Bei dieser Variante müsste allerdings der angrenzende PSV sowie die Stadt mitspielen. Denn ohne die benachbarten Flächen entlang des Fritz-Walter-Weges geht es nicht. Überhaupt steht die Frage im Raum, wie realistisch aus wirtschaftlicher Sicht ein Stadion-Neubau am Standort VfB wäre.
Das Stadion Festwiese im Neckarpark /Foto: PPfotodesign/Leif Piechowski
Weshalb der Club noch einen Alternativplan verfolgt. Hier kommt das unweit gelegene, altehrwürdige Stadion Festwiese ins Spiel. Einst als Stätte für große Polizeifeste und Fußballspiele mit 10 000 Zuschauern genutzt, fristet die Festwiese seit ihrer letzten Modernisierung vor zehn Jahren ein eher stilles Dasein als Leichtathletik-Wettkampfstätte. Sie befindet sich in städtischem Besitz, spielt in den Überlegungen des VfB aber eine große Rolle. Sollten sich die eigenen Pläne auf dem Vereinsgelände nicht realisieren lassen, schwebt den Clubverantwortlichen ein Umbau der Festwiese vor. Ebenfalls mit einem Fassungsvermögen von 20 000 bis 25 000 Plätzen und unter Erhalt der Leichtathletik-Laufbahn. Was wohl günstiger käme als ein eigener Neubau. Dennoch soll in einem ersten Schritt die Machbarkeitsstudie geprüft werden. Fest steht aber: Die Frauen sollen ihre eigene fußballerische Heimat bekommen.
Kehrt der Fußball in die Festwiese zurück?
Alles andere wäre keine Dauerlösung. Und der VfB will keine halben Sachen machen. Allenfalls übergangsweise, sollte der Sprung in die Beletage des Frauenfußballs schon früher gelingen. Hier wäre das Kickers-Stadion auf der Waldau eine Option, genauso die Arena in Großaspach. Aktuell trägt dort der VfB II seine Heimspiele in der dritten Liga aus. Aus Sicht vieler Fans auch keine Optimallösung, wobei der VfB selbst das Problem weniger sieht. Erstens, weil die Gegend als großes Einzugsgebiet der weiß-roten Anhängerschaft gilt. Und zweitens, weil man davon ausgeht, dass sich der Zuschauerzuspruch für die zweite Mannschaft auch in der dritten Liga weiter in Grenzen halten wird. Weshalb der Fokus in der Stadionfrage künftig allein den Frauen gilt.