VfB Stuttgart gegen 1. FC Köln Hart erkämpfter Sieg – Sebastian Hoeneß mit Lob und Kritik

Sebastian Hoeneß und der VfB haben gegen den 1. FC Köln einen wichtigen Sieg eingefahren. Foto: Baumann

Die Stuttgarter tun sich gegen die Kölner lange schwer und holen spät drei Punkte. Der Trainer moniert einiges in der zweiten Hälfte, klopft der Mannschaft aber auch auf die Schulter.

Sport: David Scheu (dsc)

Am Ende war es ein aus den vergangenen Jahren gewohntes Bild, wenn der VfB Stuttgart auf den 1. FC Köln trifft. Die Mannschaft mit dem roten Brustring jubelte, seit sieben Partien ist man nun schon ungeschlagen gegen Rheinländer. Aber: Bis der 3:1-Erfolg am Samstagabend in der heimischen Arena feststand, war einiges an Arbeit und Zittern nötig. Und zwei ganz späte Tore.

 

Dabei hatte der VfB eigentlich dominant und druckvoll begonnen. Schon in der zweiten Minute hatte Deniz Undav eine dicke Möglichkeit, als er nach einer Kopfball-Vorlage von Kapitän Atakan Karazor völlig frei vor dem Kölner Tor auftauchte, dann aber mit einem Chipball an FC-Torhüter Marvin Schwäbe scheiterte.

Wenig später gingen die Stuttgarter dann verdient in Führung: Nach einer Flanke von Chris Führich legte Jamie Leweling per Kopf auf Ermedin Demirovic ab – der Mittelstürmer traf direkt und druckvoll ins Netz, was in dieser Situation trotz der freien Abschlussposition nicht ganz einfach war aufgrund des hohen Treffpunkts des Balles in der Luft (15.).

Das Tor gab weitere Sicherheit, der VfB war Herr im Haus und eroberte im Gegenpressing viele Bälle. Demirovic verpasste nach einem Rückpass von Maximilian Mittelstädt von der Grundlinie seinen zweiten Treffer (23.). Er habe, sagte der Stuttgarter Cheftrainer Sebastian Hoeneß im Anschluss, „eine sehr gute erste Hälfte der ersten Hälfte gesehen.“ Danach aber folgte ein kleiner Bruch, die Kölner arbeiteten sich ins Spiel. Zunächst noch, ohne zu großen Chancen zu kommen. Der Abschluss von Jan Thielmann aus der Distanz stellte VfB-Torhüter Alexander Nübel vor keine größeren Schwierigkeiten (38.).

Demirovic und Undav treffen in der Schlussphase

Nach der Pause besserte sich das Bild nicht aus Sicht der Stuttgarter. Im Gegenteil. Der VfB gab die Kontrolle aus der Hand, das Geschehen verlagerte sich zunehmend in die eigene Hälfte, dem eigenen Ballbesitzspiel fehlten Tempo und Präzision. Auch der Coach war mit dieser Phase nicht zufrieden. „In der zweiten Hälfte hat mir ein bisschen die Aktivität gefehlt, wir waren nicht mehr so dynamisch.“ Man habe zwar nicht viel zugelassen – aber: „Wir hätten es klarer spielen müssen. Wir haben es zu kompliziert gemacht. Dann haben die Ballverluste dazu geführt, dass wir nicht so in den Rhythmus gekommen ist.“

Lange fehlte den Gästen die Durchschlagskraft, um aus den sich bietenden Möglichkeiten auch Kapital zu schlagen. In der 79. Minute kamen die Kölner aber dann zu dem zu diesem Zeitpunkt verdienten Ausgleich. Der Stuttgarter Innenverteidiger Jeff Chabot leistete sich einen folgenschweren Fehlpass in der Spieleröffnung, der FC spielte schnell in die Tiefe, wo Ragnar Ache einen Haken schlug und über Nübel hinweg einnetzte.

Hoeneß monierte in dieser Szene einen „kapitalen Fehler im Spielaufbau“, nahm aber auch Chabots Mitspieler in die Pflicht: „Es geht um die Aktivität, den Ball dann auch wirklich zu wollen und die Optionen noch klarer zu geben. Trotzdem sollte Jeff den Ball nicht spielen, das Fenster ist nie wirklich offen. Wir müssen uns danach auch besser absichern. Da machen wir sicher vieles nicht richtig.“ Zugleich mache es FC-Stürmer Ache auch richtig gut.

Doppeltorschütze: Ermedin Demirovic Foto: Baumann/Volker Mueller

Vieles deutete in dieser Phase auf ein Remis hin – ehe die Stuttgarter nochmals einen Gang zulegten und nicht zum ersten Mal in dieser Saison ihre Comeback-Qualitäten beweisen. So führte eine sehenswerte Aktion zur erneuten Führung: Der für Mittelstädt eingewechselte Ramon Hendriks schlug nach einem Flügellauf über links eine messerscharfe Flanke, die Demirovic in der Mitte volley verwertete. Kölns Trainer Lukas Kwasniok lobte die aus seiner Sicht „sensationelle“ Aktion: „Hendriks schlägt einen überragenden Flankenball, Demirovic erkennt die Situation super. Glückwunsch an den VfB, dass sie diese Jungs verpflichtet haben. Das muss man auch mal anerkennen. Da sieht man die Qualität.“

In der Nachspielzeit sorgte der VfB dann für die endgültige Entscheidung. Karazor eroberte den Ball auf außen, über Umwege gelangte er zu Undav, der direkt und flach gegen die Laufrichtung von FC-Torhüter Schwäbe abschloss und zum 3:1-Endstand traf. Während Kwasniok haderte („Die Jungs opfern sich auf, sind nah dran und am Ende ziehen wir den Kürzeren“), lobte Hoeneß: „Ich muss der Mannschaft gratulieren, wie sie nach dem 1:1 nochmals zurückgekommen ist.“ Am Ende gehe es schlicht darum, das Spiel zu gewinnen. „Aber wir hätten es uns leichter machen können.“

Durch den Sieg springt der VfB vorübergehend wieder auf Platz vier der Bundesliga, von dem man aber am Sonntag noch von RB Leipzig verdrängt werden kann. Weiter geht es für die Stuttgarter am kommenden Donnerstag (21 Uhr), wenn sie im Hinspiel der Play-offs der Europa League beim schottischen Traditionsclub Celtic Glasgow gastieren.

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