Beim Spiel VfB gegen YB Bern hatte die UEFA den Gästen eine Kollektivstrafe auferlegt. Doch gemeinsam mit den VfB-Fans schlugen die Schweizer dem Verband ein Schnippchen

Sport: Philipp Maisel (pma)

Schon lange vor dem Spiel des VfB Stuttgart gegen Young Boys Bern war klar, dass der Schweizer Traditionsclub ohne seine Fans anreisen muss. Dafür sorgte eine Strafe der Uefa, die YB wegen Fehlverhaltens seiner Anhänger mit einem Spiel ohne eigenen Anhang bestrafen wollte. Ausgerechnet bei der Partie in Stuttgart sollten keine Auswärtsfans dabei sein. Eine Kollektivstrafe des Kontinentalverbandes, denn sie richtet sich nicht gegen einzelne Personen, die möglicherweise Grenzen überschritten haben – sondern gegen alle Fans des Clubs.

 

Derlei Strafen stehen schon lange in der Kritik. Etwa von Fanorganisationen wie dem Dachverband deutscher Fanhilfen. Insbesondere aber auch bei den organisierten Fans selbst, schließlich sind sie auch in erster Linie betroffen. Für die Begegnung in Stuttgart war vorgegeben, dass der Stehplatz im Unterrang des Gästesektors freibleiben musste, die Karten also nicht in den Verkauf gehen durften. Im Oberrang dagegen durften Tickets abgesetzt werden. Und genau das machten sich die organisierten Fans des VfB zu nutze.

Spruchbänder der VfB-Fans Foto: pma

Die verhalfen nämlich ihren Genossen aus der Schweiz zu eben jenen Tickets. So kam es, dass mehrere Hundert Schweizer im Oberrang zugegen waren. Stilecht mit Zaunfahne und Schwenkern. Auf der Homepage des Commando Cannstatt erklären sich die Gruppen der Cannstatter Kurve. „Nachdem verkündet wurde, dass die Fans von YB Bern mit einer Kollektivstrafe für das Spiel belegt werden, waren Solidarität und der Zusammenhalt unter uns Fans gefragt. Die Gruppen der Cannstatter Kurve und die Ostkurve Bern setzten sich zusammen und planten, was die Uefa verhindern wollte: Die Möglichkeit, als Gästefan seine Mannschaft in einem wichtigen internationalen Auswärtsspiel zu unterstützen“, heißt es dort.

Auch die Berner protestierten. Foto: pma

Das Vorgehen des Kontinentalverbandes wird vehement kritisiert: „Die Uefa hat es sich in ihrer Paralleljustiz bequem gemacht und versucht, uns Fans durch ihr Strafensystem mundtot zu machen oder ganz aus den Stadien auszusperren.“ Gleichzeitig wird angeprangert, dass der Verband zwar schnell mit dem Aussprechen von Strafen bei Fehlverhalten von Fans sei, aber wenn Fans in ihren Rechten beschnitten oder schikaniert werden würden – wie die VfB-Fans zuletzt in Deventer am eigenen Leib erfahren mussten –, dann sei von „entschlossenen Konsequenzen der Uefa nichts zu sehen.“

Gezeichnet ist die Mitteilung von allen großen Gruppen der Cannstatter Kurve sowie von der Ostkurve Bern. Doch mit der schriftlichen Kritik wollten es die Fans nicht bewenden lassen. Mitte der zweiten Halbzeit wurden mehrere, die UEFA direkt adressierende Spruchbänder entrollt und gemeinsame Schmähgesänge angestimmt.

Wie die Karten genau zu den YB-Fans kamen, ist nicht bekannt. Da der Verkauf aber frei über das Ticketsystem des Clubs angeboten wurde, ist davon auszugehen, dass die Schweizer entweder selbst zugeschlagen haben oder die Stuttgarter Szene die Karten erworben hat, um sie dann den YB-Fans verfügbar zu machen.