Das Ticketing liegt beim VfB im Zuständigkeitsbereich von Marketingvorstand Rouven Kasper. Foto: imago//Pressefoto Rudel/Robin Rudel
Warum waren Dauerkarten-Inhaber außen vor? Ist künftig ein Ranking-System vorstellbar? Marketingvorstand Rouven Kasper nimmt Stellung zum intensiv diskutierten Kartenverkauf – und gibt eine klare Prognose für die nächste Saison, was ein Ein-Ticket-Limit für Mitglieder angeht.
Seit der Einzug ins Finale des DFB-Pokals feststeht, wird der VfB Stuttgart von Kartenanfragen förmlich überrannt. Marketingvorstand Rouven Kasper verantwortet beim Fußball-Bundesligisten unter anderem das Ticketing und hat mit seinem Team derzeit alle Hände voll zu tun. Im Interview spricht der 43-Jährige über den viel diskutierten Vergabemodus der Finalkarten, die Lehren aus dem Verkauf für die Begegnungen in der Champions League – und die Strahlkraft des Endspiels für den VfB über das rein Sportliche hinaus.
Herr Kasper, beim VfB sind mehr als 160 000 Ticket-Anfragen der Mitglieder für das Pokalfinale eingegangen. Hat Sie dieser Ansturm überrascht?
Ehrlich gesagt nicht. Mit der Vizemeisterschaft in der Vorsaison und der damit verbundenen Teilnahme an der Champions League hat nochmals eine neue Euphorie rund um den VfB eingesetzt, die bis heute anhält. Das Pokalfinale reiht sich da ein in eine längere Entwicklung. Aber klar, das sind schon außergewöhnliche Zahlen.
. . . die für den Verein eine Herausforderung mit Blick auf die Ticket-Vergabe darstellen.
Ohne Wenn und Aber. Die Schere zwischen Angebot und Nachfrage wächst und wächst, da die Zahl der Plätze logischerweise konstant bleibt. Das ist nicht ohne Enttäuschungen zu lösen. Wir wollen für alle das Beste und machen uns Gedanken über einen möglichst gerechten und idealen Vergabe-Modus.
Den haben Sie zuletzt geändert. In der Champions League konnte jedes Mitglied nur eine Karte kaufen, für das Pokalfinale liegt das Limit wieder bei zwei Tickets.
Das war ein sehr bewusster Schritt und das Resultat eines Lern- und Optimierungsprozesses. Der Ausgangsgedanke der Begrenzung auf ein Ticket war, am Highlight Champions League möglichst viele Mitglieder teilhaben zu lassen. Im Austausch mit den Fans hat sich das aber nicht als ideale Lösung erwiesen: Sie waren zwar froh um ein Ticket, aber eben auch oft alleine im Stadion. Die Qualität des Erlebnisses und der Gemeinsamkeit war eine andere. Und manchen Gruppen erschwert man mit dem Ein-Ticket-Limit auch den Stadionbesuch – Kindern zum Beispiel oder Personen, die sich alleine unwohl fühlen. Da haben wir beim Ticketing aus dieser Saison wichtige Erkenntnisse mitgenommen. Mit der Rückkehr zum Zwei-Karten-Prinzip kommen jetzt zwar weniger Mitglieder zum Zug, aber mit einer anderen Qualität.
Heißt das, dass es die Begrenzung auf eine Karte pro Mitglied in der kommenden Saison nicht mehr geben wird?
Korrekt. Dieses Limit ist bis auf Weiteres gestrichen. Wir planen mit einer Bestellmenge von bis zu zwei Karten pro Mitglied auch bei Highlight-Spielen.
Die Euphorie bei den VfB-Fans ist nach dem Einzug ins Finale des DFB-Pokals groß. Foto: Pressefoto Baumann/Hansjürgen Britsch
Manche Dauerkarten-Inhaber haben moniert, dass sie nicht am Bewerbungsverfahren für die Finaltickets im DFB-Pokal teilnehmen durften.
Ich kann die Enttäuschung verstehen, das Interesse aller VfBler an diesem Spiel ist riesig. Vorneweg: Ein Vorkaufsrecht wie bei Heimspielen wäre schon rein logistisch unmöglich gewesen. Wir haben inzwischen 38 000 Dauerkarten-Inhaber, die das Olympiastadion alleine zur Hälfte füllen würden. Vor allem aber muss man festhalten, dass sich die Vorzüge einer Heim-Dauerkarte auf die Heimspiele beziehen. Das gilt seit Jahren, auch in dieser Saison zum Beispiel mit dem garantierten Vorkaufsrecht auf die Heimspiele in der Champions League. Ein Pokalfinale ist aber kein Heimspiel. Deshalb war das Bewerbungsverfahren unter Mitgliedern aus unserer Sicht der logische Vergabemodus.
Ist perspektivisch ein Ranking-System vorstellbar, in dem die Dauer der Mitgliedschaft oder die Anzahl der besuchten Spiele bei der Vergabe berücksichtigt werden?
Einfache, transparente Regelungen schaffen klare Verhältnisse für alle. Jede Form von gestaffelter Priorisierung – etwa nach Mitgliedsjahren oder anderen Kriterien – führt unweigerlich zu komplexen Abstufungen und potenziell neuen Ungerechtigkeiten. Unser Verein lebt von der Gemeinschaft. Unabhängig davon, ob jemand seit 20 Jahren oder seit sechs Monaten dabei ist – jedes Mitglied unterstützt den VfB und identifiziert sich mit dem Club. Dieses Engagement möchten wir gleichwertig anerkennen. Hinsichtlich des Pokalfinales haben wir mit dem 1. Januar 2025 einen klaren Stichtag für eine Mitgliedschaft gesetzt, um sicherzustellen, dass kurzfristige Eintrittswellen unmittelbar vor dem Finale vermieden werden.
Zehntausende Stuttgarter werden in jedem Fall Ende Mai in Berlin sein, der VfB steht bundesweit im Fokus. Welche Strahlkraft hat so ein Finale?
Es ist das Spiel der Spiele im deutschen Fußball, ein einzigartiges Highlight. Da gibt es für den VfB riesige Potenziale. Vieles hängt aber schon davon ab, ob wir den Pokal auch gewinnen. Das würde den großen Glanz und besondere Bilder schaffen, die über den Tag hinaus nachwirken. Ein Titel macht dich neben dem Stolz der Fans auch auf anderen Ebenen attraktiver – bei Sponsoren, der Internationalisierung, dem Merchandising und auch medial. Das könnte dem ganzen Verein und unserer Entwicklung nochmals einen zusätzlichen Schub bringen.