VfB Stuttgart im Pokalfinale Ärger um überteuerte Tickets – was Anbietern und Käufern droht

Am 24. Mai trifft der VfB im Berliner Olympiastadion auf Arminia Bielefeld. Viele reisen dann auch ohne Ticket nach Berlin. Foto: imago/Ulmer Teamfoto, imago/Sportfoto Rudel

Eine Karte für 800 Euro? Die Schwarzmarkt-Angebote für das Pokalfinale sorgen für viel Frust unter Fans und sind mit einigen Risiken verbunden – von Geldstrafen bis zu Einlasssperren. Der DFB kündigt „umfassende Stadionkontrollen“ an.

Sport: David Scheu (dsc)

Noch ist das Finale im DFB-Pokal einige Wochen entfernt. Im Umfeld des VfB Stuttgart aber zählt das Endspiel am 24. Mai gegen Arminia Bielefeld längst zu den bestimmenden Themen, wobei sich bei vielen Fans unter die Vorfreude auch eine gehörige Portion Ticket-Frust mischt. Zum einen, weil bei Weitem nicht genügend Karten für alle Interessierten zur Verfügung standen. Zum anderen aber auch, weil online inzwischen Angebote überteuerter Eintrittskarten kursieren und einige Ticket-Inhaber ihr Losglück im Bewerbungsverfahren offenbar zu Geld machen wollen. Ein Beispiel: Die günstigste eingestellte Karte auf der Plattform Viagogo ist derzeit für 800 Euro zu haben, während sich die Originalpreise zwischen 45 Euro und 190 Euro bewegen. Die hochpreisigen Angebote sind allerdings für Anbieter wie Käufer mit Risiken verbunden.

 

Dürfen Tickets überhaupt weitergegeben werden? Prinzipiell ja, allerdings nur im privaten und nicht-kommerziellen Rahmen. Die Allgemeinen Ticket-Geschäftsbedingungen des DFB legen dabei einen engen Rahmen fest: Zulässig ist eine Weitergabe für einen Betrag, der maximal zehn Prozent über dem Originalpreis liegt. Alles andere gilt als illegal – ebenso wie ein öffentliches Anbieten der Karten bei Online-Auktionen oder auf Verkaufsplattformen.

Wie laufen die Kontrollen ab? Der DFB und die beiden Finalteilnehmer befinden sich in engem Austausch und kontrollieren jeweils den Handel mit Tickets aus ihrem Kontingent. Für eine Sanktionierung muss ein Anbieter zweifelsfrei identifiziert werden, wofür auch Kanzleien eingeschaltet werden – der DFB etwa arbeitet mit „LentzeStopper“ zusammen. Auch Fans melden immer wieder illegale Inserate an den VfB, wobei nach Informationen unserer Redaktion auch schon Anbieter von Finaltickets identifiziert wurden.

Neben diesen Online-Angeboten ist am Final-Wochenende in Berlin zudem mit einem Handel der Finalkarten zu rechnen, die als nicht personalisierte Papiertickets ausgegeben werden. Auch der DFB stellt sich darauf ein: Anders als bei Länderspielen sei „der Schwarzmarkt am Stadion beim Pokalfinale noch vorhanden.“ In einer Mitteilung nach den Halbfinals kündigte der DFB in diesem Kontext „umfassende Stadionkontrollen“ an, will hier aber auf Nachfrage nicht ins Detail gehen: „Um dem unerlaubten Handel die rote Karte zu zeigen, wäre es kontraproduktiv, die Prozesse am Stadion detailliert medial zu beschreiben.“

Was droht Anbietern? Die Sanktionen reichen von einer Vertragsstrafe bis zum Ausschluss vom Ticketerwerb. Spricht den der VfB aus, gilt er entsprechend auch für Spiele der Stuttgarter – und nicht für DFB-Veranstaltungen wie Länderspiele. Ein solcher Ausschluss kann „für maximal fünf Jahre“ gelten und Heim- wie Auswärtsspiele betreffen, schreibt der VfB in seinen Allgemeinen Ticket-Geschäftsbedingungen. Das Strafmaß wird dabei von Fall zu Fall individuell festgelegt: „Maßgeblich für die Länge der Sperre sind die Anzahl der Verstöße, die Zahl der angebotenen, verkauften, weitergegebenen oder verwendeten Tickets sowie etwaige durch den Weiterverkauf erzielte Erlöse.“

Was droht Käufern? Belangt und sanktioniert werden zwar die Anbieter der überteuerten Tickets – allerdings kann es auch für die Käufer zu unliebsamen Überraschungen vor Ort kommen. Sollte ein Schwarzmarkt-Ticket im Vorfeld als solches identifiziert worden sein, erfolgt laut DFB „vorab eine Sperrung in der Zutrittskontrolle.“ In diesem Fall geht es am Drehkreuz vor dem Olympiastadion nicht weiter. Darüber hinaus besteht auf nicht-offiziellen Kanälen die Gefahr, ein gefälschtes Ticket zu erwerben und keinen Einlass zu erhalten.

Gibt es noch Tickets auf legalen Wegen? Höchstes über das private Umfeld. Der DFB meldet „ausverkauft in allen Bereichen“ mit Blick auf die öffentliche Kartenvergabe, was auch die VIP-Tickets betrifft. Im Gegensatz zu Länderspielen besteht zudem nicht die Chance, über Rückläufer auf der digitalen DFB-Zweitmarktplattform zum Zug zu kommen: Dieses Portal ist für das Pokalfinale nicht freigeschaltet, was an den nicht-digitalen Tickets liegt: „Diese müssten im Resale storniert und über einen Dienstleister neu produziert und versendet werden. Das ist zeitlich nicht umsetzbar“, begründet der DFB die Maßnahme. Offiziell ist der Verkauf von regulären Einzeltickets damit also abgeschlossen – die illegalen Angebote dürften dagegen alle Beteiligten bis zum Endspiel weiter beschäftigen.

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