VfB Stuttgart Jugend Der Pragmatiker: So führt Daniel Jungwirth die U 17 des VfB

Daniel Jungwirth arbeitet seit April 2024 für den VfB. Foto: IMAGO/Pressefoto Baumann

Die U 17 des VfB Stuttgart jagt einen clubeigenen Rekord. Auch weil Trainer Daniel Jungwirth so einiges anders macht, als man es vielleicht von einem NLZ-Coach erwartet.

Sport: Philipp Maisel (pma)

Seit sage und schreibe 18 Spielen ist die U 17 des VfB Stuttgart ungeschlagen. Die letzte Niederlage datiert vom 20. September 2025, damals unterlag der VfB dem FC Bayern München auswärts mit 3:5. Es war der dritte Spieltag der Vorrunde in der DFB-Nachwuchsliga, seither hat die Mannschaft nicht mehr verloren, und rechnet man die Siege im WFV-Pokal gegen Freiberg und Ulm mit ein, so sind es seit dem 3:2 am vergangenen Samstag beim Tabellenzweiten FC Augsburg eben jene 18 Partien ohne Niederlage.

 

Inmitten dieser Serie lag sogar eine zweite, denn zwischenzeitlich feierte die Mannschaft zehn Dreier in Folge und steht nun in der Hauptrunde der DFB-Nachwuchsliga entsprechend gut da. Als einer der Väter des Erfolges gilt Daniel Jungwirth, dessen Mannschaft den Vorsprung an der Tabellenspitze der Hauptrundengruppe B nun auf vier Zähler ausgebaut hat. Doch wer ist der Namensvetter des MMA-Kämpfers (weder verwandt noch verschwägert) aus Bopfingen im Ostalbkreis eigentlich? Der 44-Jährige gilt als Quereinsteiger in die Branche, denn eigentlich wollte er nach seiner aktiven Karriere (u. a. Bayern München Amateure, Erzgebirge Aue, SV Sandhausen) eigentlich nichts mehr mit dem Fußball zu tun haben, fokussierte sich auf eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann. Doch dann nahmen die Dinge ihren Lauf.

Seit 18 Spielen ist seine Mannschaft ungeschlagen. Foto: IMAGO/Pressefoto Baumann

Über Stationen beim BFV (Bayerischer Fußballverband) und dem DFB (Deutscher Fußball-Bund) kam ein Kontakt nach Bad Cannstatt zustande. Schnell war klar, Jungwirth und der Brustring, das könnte passen. „Das ist genau mein Fußball, war das Erste, was mir durch den Kopf ging nach dem ersten Kennenlernen“, sagt Jungwirth, der eine Idealvorstellung von Fußball im Kopf hat und genau weiß, „wie ich spielen lassen möchte“. Mutig, dominant, ballbesitzorientiert – die Prinzipien Jungwirths decken sich mit denen des Clubs.

Jungwirths Ansatz in der Menschen- und Mannschaftsführung ist derweil ein anderer als der, den man gemeinhin aus den NLZ (Nachwuchsleistungszentren) gewohnt ist. Der Ex-Profi setzt auf Direktheit und Offenheit. „Ich bin sehr direkt mit den Jungs. Positiv wie negativ. Das merken die Spieler. Die wissen, sie können sich bei mir vieles erlauben, dürfen Fehler machen, auch einmal ausbrechen – wenn sie alles geben, ist das okay“, sagt er. Es geht ihm um die „Reaktion danach. Solange die gegeben ist, haben wir keine Probleme.“ Da kann es schon auch einmal vorkommen, dass ein Spieler eine Partie wegen eines zuvor erfolgten und nicht ganz legalen Ausflugs mit einem Roller verpasst. Auf die Aussprache und die Zwangspause folgten Topleistungen des Spielers – alles also genau nach Jungwirths Geschmack.

„Er hat einen engen Draht zu den Spielern, geht einen erfrischend anderen Weg. Aufgrund seiner Vita kann er mit authentischer Erfahrung bei den Jungs punkten“, sagt Stephan Hildebrandt, der NLZ-Chef bei den Weiß-Roten, und ergänzt: „Er hat den eher praktischen und pragmatischen Ansatz. Die Spieler profitieren von seiner Überzeugung. Daniel ergänzt in Summe unsere Struktur sehr gut.“ Das alles scheint seit Juli 2024 gut zu funktionieren, wie die Ergebnisse der U-17-Junioren des VfB belegen.

Seitdem wirkt Jungwirth in Stuttgart und schickt sich mit seiner Mannschaft nun an, zum zweiten Mal in Folge die Endrunde um die deutsche Meisterschaft zu erreichen. Letzte Saison war durch den K.-o.-Modus im Halbfinale Schluss. „Diese Situation war sehr lehrreich für die Spieler und auch für mich. Diese gewisse Drucksituation ist ein guter Erfahrungswert“, sagt Jungwirth, an dem die Pleite von damals insgeheim nagt. Noch einmal braucht weder er noch seine Mannschaft diese Erfahrung.

„Wenn wir verlieren, aber zuvor alles gegeben haben, dann ist das okay. Wenn wir’s gut machen, werden wir immer unsere Punkte holen. Es geht mehr um die Art und Weise. Die ist entscheidend“, sagt er und blickt damit schon auf die Endrunde voraus. Fünf Spiele sind es noch bis zu einem potenziellen Achtelfinale. Würde sein Team bis dahin ohne Niederlage bleiben und gewinnen, wäre die Serie auf 24 Spiele ohne Pleite ausgebaut – und der vereinseigene Rekord der U 17 des VfB aus der Saison 2021/22 wäre damit egalisiert.

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