Atakan Karazor wird dem VfB nach seinem Platzverweis in Sinsheim in der Bundesliga nicht mehr zur Verfügung stehen. Dennoch möchte er im Finale versuchen, maximal Einfluss zu nehmen.
Als VfB-Kapitän Atakan Karazor eine gute Stunde nach Abpfiff in Sinsheim vor die Medien trat, gab sich der Nationalspieler durchaus aufgeräumt. „Das war eine klare Rote Karte“, so Karazor, der nach eigener Angabe „sofort wusste, dass ich fällig war“. Als Schiedsrichter Sascha Stegemann den roten Karton zückte, hatte der VfB-Spielführer die Binde schon nicht mehr am Arm, gab sie bereits weiter.
„Da muss man auch nicht lamentieren. Ich würde niemals einen Gegenspieler absichtlich verletzten, habe mich auch sofort bei ihm entschuldigt, weil ich ihm eigentlich nur einen Gehfehler verpassen wollte, er dann aber in dem Moment kreuzt und ich ihn voll erwische“, erklärte Karaztor die Szene. Der Mittelfeldspieler berichtete zudem noch von einem Kabinenbesuch beim Gegner. Ergebnis: Alles vergeben und vergessen.
Immerhin: Die Szene veränderte das Spiel. Genau genommen ließ sie die Partie zugunsten des VfB kippen. Plötzlich waren die Schwaben wach, kamen in Unterzahl immer besser in die Partie. Die Hoffenheimer hatten zwar weiterhin Chancen en masse, hätten die Partie locker entscheiden können. Aber der VfB fightete sich zum emotionalen Comeback, krönten diese Energieleistung am Ende mit einem Punktgewinn, der einen gefühlten Sieg darstellt.
Atakan Karazor fehlt dem VfB im Saisonfinale
Karazor wird seinem Trainer nun im Saisonendspurt nicht zur Verfügung stehen. Ein Strafmaß von zwei Spielen ist zu erwarten, eintrudeln wird das Urteil des Sportgerichts gegen Mitte der Woche. „Ata ist ein sehr erfahrener Spieler. Diese Erfahrung wird uns nun fehlen. Wir müssen davon ausgehen, dass er kein Ligaspiel mehr für uns machen wird“, blickte Sebastian Hoeneß nüchtern auf die Lage. „Da werden nun andere die Chance bekommen, sich zu beweisen. Und ich bin sicher, dass das ihnen auch gelingen wird.“
Atakan Karazor fehlt dem VfB im Saisonfinale Foto: IMAGO/DeFodi Images
Karazor selbst will es nicht dabei bewenden lassen, nur draußen zu sitzen und Däumchen zu drehen. „Es kommt nicht in Frage, jetzt in Urlaub zu fliegen“, bewies der Mittelfeldspieler Galgenhumor. „Es tut mir sehr weh, dass ich die Jungs ausgerechnet jetzt im Stich lassen muss“, haderte er, „meine Aufgabe ist es jetzt, einfach in der Trainingswoche Energie zu geben.“
Er wolle es nicht zulassen, „dass wir nachlassen“, so Karazor, der „das Mindset der Mannschaft“ positiv beeinflussen möchte, auch wenn er nicht auf dem Platz steht. Ohnehin war es ihm ein Dorn im Auge, dass der VfB „wieder einmal einen Rückstand benötigte“, um zu sich zu finden. „Das darf uns einfach nicht passieren, dass wir erst mit dem Rücken zur Wand stehen müssen, ehe wir aufwachen“, legte der Kapitän den Finger in die offene Wunde.
Zumal es neben der Qualifikation für die Königsklasse noch ein weiteres großes Saisonziel für die Mannschaft gebe, nämlich die Titelverteidigung im Pokalfinale in Berlin am 23. Mai. Dann dürfte auch Karazor wieder auf dem Platz stehen – denn selbst wenn ein noch höheres Strafmaß als die erwarteten zwei Spiele Sperre ausgesprochen wird, so gilt die Sperre voraussichtlich nur für den Ligabetrieb, nicht für das Pokalfinale.