Hallenbäder sind mit ihren großen beheizten Flächen und oft riesigen Glasfronten Energiefresser. In der Landeshauptstadt beanspruchen alle Bäder neun Prozent des städtischen Endenergieverbrauchs für sich. Mit dem Neubau des Bades in Zuffenhausen will die Stadt diesen Trend brechen. Das hat einen hohen Preis.
Der Ersatzneubau für das 1975 erstellte und nach einem Brand 1996 sanierte „klassische Funktionshallenbad“ in dem mit 37 000 Einwohnern drittgrößten Außenstadtbezirk ist unstrittig. Der Neubau an der Haldenrainstraße, dessen Form in einem Architektenwettbewerb gefunden wurde, hat es in sich. Ziel sei ein „Energie-Plus-Schwimmbad, was ein Alleinstellungsmerkmal in der Bäderwelt darstellt“, heißt es in der Beschlussvorlage an den Gemeinderat. Selbstkritisch räumt die Verwaltung ein, dass man in Verbindung mit der eingetretenen Kostenentwicklung „Fragen nach einem angemessenen baulichen Standard für ein Stadtteilhallenbad“ stellen könne.
Kosten steigen um 100 Prozent
Der Gemeinderat hat dieses Fass beim einstimmigen Projektbeschluss am Donnerstag nicht aufgemacht, obwohl die Kosten hoch sind. 2019 wurden rund 30 Millionen Euro angesetzt. Wegen der exorbitanten Baupreissteigerungen muss das Budget bis heute um 11,25 Millionen Euro geweitet werden, dazu kommen kalkulierte Mehrkosten bis 2027 (2,75 Millionen Euro), erschwerte Logistik und mehr Erdarbeiten für 5,75 Millionen, ein zusätzlicher Aufzug und Kleinkram für 3,5 Millionen. Um das Bad zu einem Primärenergieplusgebäude zu machen, sind zusätzlich 7,52 Millionen nötig. Bis zur Fertigstellung müssten insgesamt 63 Millionen Euro finanziert werden – 100 Prozent mehr als zunächst vorgesehen.
Beschluss mit eingebauter Notbremse
Weil der Neubau mit zwei Becken, entworfen vom Stuttgarter Büro Behnisch Architekten, nicht durchfinanziert ist, werden für die Weiterplanung und den Abriss des bestehenden Bades zwar zwölf Millionen Euro freigegeben, der eigentliche Bau steht aber unter dem „Vorbehalt der Durchfinanzierung der Gesamtbaumaßnahme“, hat also eine eingebaute Notbremse. Bevor Ende 2025 Angebote von Baufirmen eingeholt werden, muss der Gemeinderat erneut beschließen und dann den nächsten Doppelhaushalt (2026/2027) mit der Investition belasten. Die Inbetriebnahme könnte im besten Fall Ende 2028 sein.
Bad setzt neuen Maßstab
Energetisch will die Stadt mit dem Bad einen neuen Maßstab setzen. Der würde dann wohl auch für den sich anschließenden Neubau des Bades in Sonnenberg, der nicht vor 2029 kommt, angelegt werden. Aufgeboten werden dazu Dreifachverglasung, dicke Wärmedämmung der Fassade, eine Sole-Wasser-Wärmepumpe im Abwasserkanal, kombinierte PVT-Module zur gleichzeitigen Strom- und Wärmeerzeugung auf dem Dach, eine hocheffiziente Wärmerückgewinnung, LED-Leuchten, in die Fassade integrierte Fotovoltaikmodule und ein Holzvergaser-Blockheizkraftwerk. Dazu kommt eine Fassadenbegrünung, Dachbegrünung (um den Saunagarten auf dem Dach), die Entsiegelung der Parkplätze und die Verwendung von Holz und Recyclingbeton.
Mehr Strom als das Bad benötigt
In der Summe werden nach bisheriger Rechnung gegenüber dem Altbau pro Jahr 430 Tonnen des klimaschädlichen Kohlendioxids weniger emittiert. Zeitweise könne mehr Strom erzeugt werden als das Bad benötigt. Der Überschuss geht ins Netz und gleicht rechnerisch den Kohlendioxidausstoß der Holzpellets für das Blockheizkraftwerk mehr als aus. Im Saldo bleiben so pro Quadratmeter und Jahr drei Kilowattstunden übrig.
Mobiles Bad in bester Qualität
Gleichzeitig mit dem Projektbeschluss hat der Gemeinderat den Kauf und Aufbau eines mobilen Hallenbades auf dem Kelterplatz in Zuffenhausen für 19,1 Millionen Euro beschlossen. Das Baukasten-Bad mit einem 25-Meter-Edelstahlbecken sollte eigentlich nur den Lückenfüller geben, zunächst in Zuffenhausen, dann in Sonnenberg – als Standort ist der Parkplatz des Freibades Möhringen geplant. Die Stadt hat aber keinen Anbieter gefunden. Keiner will ein nur zehn bis zwölf Jahre haltbares Interims-Wegwerfbad bauen, für das zunächst 6,3 Millionen Euro in Rede standen. Daher wird das Interimsbad, das ebenfalls klimaschutztechnisch den neuesten Stand darstellt, letztlich als Dauereinrichtung voraussichtlich in den 2030er-Jahren nach Untertürkheim verfrachtet werden. Dort würde es das alte Hallenbad (Baujahr 1953) ersetzen. Das würde nochmals jährlich 104 Tonnen Kohlendioxid vermeiden.