Vize-Chef geht nach vier Monaten Neuer abrupter Abgang bei der Ärztekasse

Der Sitz der Versorgungsanstalt der Ärzte in Tübingen Foto: Copyright Horst Haas

Nach nur vier Monaten scheidet der Vize-Chef für Kapitalanlagen schon wieder aus. Was ist los bei dem Versorgungswerk, das viele Milliarden Euro verwaltet?

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)

Die Versorgungsanstalt der baden-württembergischen Ärzte, Zahnärzte und Tierärzte (BWVA) mit Sitz in Tübingen kommt nicht zur Ruhe. Nach wiederholten Turbulenzen um Führungskräfte gibt es bei der milliardenschweren Pensionskasse erneut einen überraschenden Abgang: Nur vier Monate nach seinem Dienstantritt Anfang April verlässt der Vize-Geschäftsführer für Kapitalanlage, Alexander Banik, die Versorgungsanstalt schon wieder. Darüber wurde die Belegschaft jetzt intern informiert. Zuvor hatten Beschäftigte beobachtet, wie Banik aus dem Haus geleitet worden war. Schnell kursierten daher Vermutungen, er sei wie frühere Spitzenleute bei der VA-Präsidentin, der Zahnärztin Eva Hemberger, „in Ungnade gefallen“.

 

Auf Anfrage unserer Zeitung erklärte der Geschäftsführer der Anstalt, Volker Mattausch, Banik beende seine Tätigkeit „aus persönlichen Gründen“ Ende September. Näheres führte er nicht aus, der scheidende Vizechef lege „größten Wert auf den Schutz seiner Privatsphäre“. Die zuständigen Gremien hätten sich ausführlich mit seinen Gründen befasst und „seinem Wunsch zugestimmt“. Zugleich widersprach Mattausch dem Eindruck, Banik sei geradezu abgeführt worden; es gebe auch keinerlei Unregelmäßigkeiten.

Auf der Webseite war der Neue gerade erst eingetragen

Von Banik selbst war auf Anfrage keine Stellungnahme zu erhalten. Offenbar darf er sich nicht äußern, so wie auch frühere Führungskräfte, die die VA verließen. Als Vize-Geschäftsführer für Kapitalanlage war der Finanzexperte für ein Vermögen von etwa 17 Milliarden Euro zuständig – grob ein Viertel des Landeshaushalts von Baden-Württemberg. Ausweislich seines Profils im Karrierenetzwerk Linkedin hat der gelernte Bankkaufmann und studierte Betriebswirt umfassende Erfahrungen in der Branche. So war der Münchner bei der Bayerischen Landesbank, bei der Fondstochter DWS der Deutschen Bank und als Experte für Pensionskassen bei der Beratungsfirma Deloitte tätig. Beim Fondsanbieter Bayerninvest betreute er nach diesen Angaben ein Vermögen von 40 Milliarden Euro.

In der Belegschaft der Versorgungsanstalt erwarb sich Banik schnell einen guten Ruf, sowohl fachlich als auch persönlich. Sein Ausscheiden werde allseits bedauert, hieß es. Auf der Webseite der VA war er gerade erst eingetragen worden, das übliche Porträtbild fehlte noch. „Foto folgt“, heißt es dort – was sich nun erledigt haben dürfte. Wer seine Aufgaben bei der Pensionskasse übernimmt, ließ der Geschäftsführer unbeantwortet.

Führungsspitze erweitert wegen wachsende Aufgaben

Erst im Juni hat ein weiterer neuer Vize-Geschäftsführer, zuständig für den Bereich Versorgung, seinen Dienst in Tübingen angetreten. Der von der LBBW kommende Jan Krauß war ebenso wie Banik von einer Findungskommission vorgeschlagen und vom Verwaltungsrat, dem die Präsidentin Hemberger vorsitzt, einstimmig bestätigt worden. Den Ausbau der Führungsspitze begründete die Pensionskasse mit der gestiegenen Zahl von Ärztinnen und Ärzten und den dadurch zunehmenden Herausforderungen. Seit der Pensionierung des langjährigen Geschäftsführers Winrich Kuhberg im Jahr 2020 gab es immer wieder abrupte Abgänge von Topleuten bei der Anstalt. Dies wird intern auch mit der dominanten Amtsführung der Präsidentin Hemberger erklärt, die sich nächstes Jahr erneut zur Wahl stellen dürfte. Der Geschäftsführer Mattausch wies „unsachliche Kritik“ an ihr zurück.

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